Lange sah es so aus, als würde sich Bitcoin neben Gold als Inflationsschutz und Alternative zu US-Dollar und US-Anleihen durchsetzen. Doch seit einem Monat rutscht die Kryptowährung ab – während der Goldpreis weiterhin Höchststände erreicht. Aktuell notiert Bitcoin bei 93.183 Euro (Stand: 22. Oktober).
Doch was steckt hinter den Kursverlusten – eine normale Korrektur oder der Beginn einer längeren Schwächephase? Hartmut Giesen, Geschäftsführer und Krypto-Experte der Hamburger Sutor Bank, ordnet die Situation am Kryptomarkt ein.
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Bitcoin im Sinkflug: Experte erklärt die Hintergründe
Ein Tweet von Donald Trump mit der Drohung, gegen China 100 Prozent Strafzölle zu verhängen, jagte den Bitcoin-Kurs vor einigen Wochen nach unten – wovon sich die Kryptowährung noch nicht vollends erholt hat. „Damit zeigt sich wie schon in der Vergangenheit, dass Politik der größte Einflussfaktor für den Bitcoin-Preis ist“, erklärt Giesen. „Dabei war Bitcoin entwickelt worden, um als dezentrale Währung unabhängig von politischer Beeinflussung zu sein“, führt er aus.
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Der Tweet sei sicherlich keine bewusste Manipulierung des Bitcoin-Preises gewesen. „Aber es gibt Gerüchte, dass das Zurückrudern von Trump am vergangenen Wochenende auch damit zu tun hatte, dass die Trump-Familie zu den großen Verlierern des Krypto-Flashcrashes gehörten“, sagt Giesen.

Wie Politik den Bitcoin-Kurs beeinflusst
Die jüngere Vergangenheit zeigt aus Sicht von Giesen mehrfach, dass der Kurs des Bitcoin mehr von Politik getrieben wird als von allen anderen Preisfaktoren wie Zinsen oder makroökonomischen Faktoren. Dies offenbarte sich bereits im Sommer, als in den USA neue Gesetze zur Krypto-Regulierung in Kraft traten.
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Korrelationen zu anderen Asset-Klassen – besonders zu Tech-Aktien und zuletzt Gold – lassen sich immer nur temporär beobachten. Impulse, meist aus dem politischen Bereich, heben die Korrelationen immer wieder auf. Dabei ist nach Meinung von Giesen zumindest seit der Trump-Administration zu vermuten, dass Politik bewusst mit Sicht auf Kryptopreise gestaltet wird, weil die Trump-Familie von hohen Preisen profitiert.
Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.
Der Krypto-Mythos bröckelt: Politik bestimmt mit
Die Ursprünge des Bitcoin gehen auf den Wunsch nach einer vollkommen unabhängigen Währung zurück. Dabei sollte die digitale Währung digitalisiert und ohne zentrale Kontrolle funktionieren. „Wenn Bitcoin der Traum einer von der Politik völlig unabhängigen Währung war, frei von staatlicher Einflussnahme und losgelöst von den Mechanismen klassischer Finanzpolitik, dann ist er zumindest teilweise gescheitert“, denkt Giesen.
Zwar sei die Blockchain-Technologie selbst politisch unabhängig, da sie fälschungssicher, dezentral organisiert und zuverlässig ist. Der Marktpreis des Bitcoin folgt nach Giesens Analyse jedoch kurzfristig eigenen Logiken, während langfristig das Vertrauen der Anleger entscheidend sei – und dieses Vertrauen werde politisch geprägt.
Über Hartmut Giesen:
Hartmut Giesen ist Geschäftsführer der Hamburger Sutor Bank und verantwortet dort die Bereiche Business Development Fintech, digitale Partner sowie Krypto und Blockchain. Seit 2012 arbeitet er für die Sutor Bank und hat die digitale Transformation der Privatbank vorangetrieben. Die Hamburger Sutor Bank bietet mit der Mission „Banking the Future since 1921“ eine digitale Banking-Plattform für Fintechs, Kryptotechs und traditionelle Finanzvertriebe.
„Der entscheidende Treiber für das wertbildende Vertrauen liegt außerhalb des Codes: in der politischen Legitimation“, erklärt Giesen. „Positive Regulierung schafft Akzeptanz und zieht institutionelle und private Anleger an, negative Regulierung schreckt sie ab und lässt Nachfrage damit steigen oder die Preise sinken.“
Allein die Androhung strenger Regeln oder die Aussicht auf eine behutsame Integration in das Finanzsystem lassen den Bitcoin fallen oder steigen. Dabei seien die Preisreaktionen in der Regel nicht Ziel, sondern Nebenwirkung politischer Entscheidungen.
USA als Kurstreiber: Experte zeigt die Mechanismen auf
Aktuell gibt es aus Sicht von Giesen einige politische und regulatorische Projekte, insbesondere in den USA, die mittel- bis langfristig Auswirkungen auf die Entwicklung des Bitcoin haben können. So arbeitet die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC mit ihrem „Project Crypto“ an einer umfassenden Analyse der Kryptowährungen und deren Einfluss auf Finanzstabilität und Anlegervertrauen.
Der im Juli von US-Präsident Trump unterzeichnete „Genius Stablecoin Act“ regelt zwar primär die Herausgabe von Stablecoins in den USA, könnte aber auch insgesamt das Vertrauen in den Kryptomarkt weiter stärken.

Die USA spielen bei der Beeinflussbarkeit des Kryptomarktes und damit auch des Bitcoin-Kurses eine herausragende Rolle, analysiert der Experte weiter. Kleine Staaten haben hingegen kaum Einflusspotenzial. Vor allem die großen Wirtschaftsnationen verfügen nach Giesens Meinung über einen indirekten, aber starken Hebel, um den Bitcoin und andere Kryptowährungen zu beeinflussen. „Ob kleine Staaten den Bitcoin fördern oder verbieten, spielt für seinen Preis keine Rolle. Sein Kurs wird in New York, London und Hongkong gemacht, nicht in Valletta oder Tallinn“, sagt Giesen.
Experte zu Bitcoin: Unabhängige Technik, abhängiger Kurs
„Der Bitcoin ist ein technologisch unabhängiges, aber politisch nicht entkoppeltes Asset“, fasst Giesen zusammen. „Sein Kurs hängt am Vertrauen der Anleger – und dieses Vertrauen wird mehr von den Finanzministerien und Aufsichtsbehörden der Welt geprägt als von den Minern im Netz.“ Dies unterscheide das digitale Gold Bitcoin auch grundsätzlich von physischem Gold.


