Wie entwickeln sich die Bauzinsen in den kommenden Monaten – und lohnt es sich, auf sinkende Konditionen zu hoffen? Im aktuellen Zins-Check ordnet Florian Pfaffinger, Mitglied im Expertenrat des Kreditvermittlers Dr. Klein, die Lage ein und gibt Orientierung für alle, die über eine Baufinanzierung nachdenken.

Baufinanzierung: „Wir erwarten stabile Bauzinsen bis Jahresende“

Pfaffinger rechnet in den nächsten Monaten mit einer ruhigen Entwicklung am Zinsmarkt. „Bis zum Jahresende 2025 erwarten wir relativ stabile Baufinanzierungszinsen. So sind Topzinsen in einem Korridor zwischen 3 und 3,5 Prozent für eine zehnjährige Immobilienfinanzierung realistisch.“ Kurzfristige Schwankungen seien aber jederzeit möglich – je nachdem, wie sich geopolitische oder wirtschaftliche Entwicklungen gestalten.

Florian Pfaffinger, Zinsexperte bei Dr. Klein, teilt seine Einschätzung zu den Bauzinsen in unserem wöchentlichen Zins-Check.
Florian Pfaffinger, Zinsexperte bei Dr. Klein, teilt seine Einschätzung zu den Bauzinsen in unserem wöchentlichen Zins-Check.© Dr. Klein Privatkunden AG | Dr. Klein Privatkunden AG

Handelskonflikte und Krisen drücken auf die Zinsentwicklung

Globale Spannungen beeinflussen die Bauzinsen deutlich stärker, als viele denken, erklärt Pfaffinger. „Es ist deutlich wahrnehmbar, dass sich globale Handelskonflikte auf die Zinsentwicklung auswirken.“

Besonders die amerikanische Zoll- und Außenhandelspolitik spiele aktuell eine große Rolle. „Das wiederholte Hin und Her der Zolldrohungen seitens der Trump-Regierung gegen die Europäische Union verunsichert Unternehmen und Finanzmärkte“, so Pfaffinger. Denn: Die Märkte haben gewisse Erwartungen an die Zukunft. „Wenn dieses Vertrauen aufgrund von möglichen Zöllen in Unternehmen bröckelt und damit auch die Konjunkturaussichten eingedämmt werden, flüchten Investoren aus Aktienmärkten ganz gerne in sichere, festverzinsliche Wertpapiere, wie zum Beispiel Bundesanleihen“, erläutert der Profi.

Dann steigen wiederum deren Kurse – und die Renditen sinken. „Und ebendiese Renditen haben maßgeblich Einfluss auf die Höhe der Baufinanzierungszinsen. Sofern die Renditen also sinken, sinken auch die Bauzinsen – und andersherum.“

Über Florian Pfaffinger, Zinsexperte bei Dr. Klein

Florian Pfaffinger ist Mitglied im Expertenrat der Dr. Klein Privatkunden AG. Er ist Bank- und Diplom-Kaufmann und verfügt über eine mehr als 20-jährige Expertise im deutschen Baufinanzierungsmarkt.

Immobilienkauf: Hohe Preise oder hohe Zinsen – was bremst stärker?

Trotz gestiegener Bauzinsen lässt sich laut Pfaffinger kaum eine Kaufzurückhaltung beobachten. „Interessierte lassen sich aktuell nicht von den Immobilienpreisen abschrecken.“ Die Preise seien „noch lange nicht wieder auf dem Rekordniveau von 2022“. Zudem sei das Lohnniveau in den vergangenen beiden Jahren deutlich angestiegen – ein Nebeneffekt der zwischenzeitlich sehr hohen Inflation.

„Dadurch ist die Leistbarkeit von Immobilien insgesamt wieder besser geworden – trotz der deutlich gestiegenen Bauzinsen. Insgesamt nehmen wir in großen Teilen sogar eine gewisse Unerschrockenheit in Bezug auf den Immobilienkauf wahr.“ Auch werden die aktuellen Bauzinsen als „neues Normal“ von den meisten Käuferinnen und Käufer empfunden, denkt er.

Der Zins-Check der Woche:

Im Format „Zins-Check der Woche“ teilen Profis aus der Branche jede Woche praktische Tricks für Immobilienkäufer und aktuelle Entwicklungen auf dem Markt. Die wichtigsten Fragen rund um Baufinanzierung und Zinstrends diskutieren wir mit Immobilienprofis. Haben Sie auch Fragen oder Anmerkungen zu dem Thema? Schreiben Sie unserer Redakteurin, sie stellt sie unseren Experten.

Immobilienkredit richtig wählen: Lange Zinsbindung schafft Sicherheit

Bei der Wahl der richtigen Zinsbindung plädiert Pfaffinger in der aktuellen Marktphase eher für Stabilität als für kurzfristige Flexibilität. „Kurzfristig gehen wir von einem moderaten und konstanten Zinsniveau aus. Mittel- und langfristig sehen wir allerdings leicht steigende Bauzinsen.“

Deshalb rät er, „auf mindestens zehn Jahre Zinsbindung zu gehen“. Gleichzeitig lasse sich diese Empfehlung auch nicht pauschalisieren, denn die Entscheidung hängt auch immer von der individuellen Situation der Kreditnehmenden ab. Wichtig sei demnach ebenso, die eigenen finanziellen Möglichkeiten zu kennen und eine Rate zu wählen, die auch langfristig gut zu stemmen ist. „Letztlich bietet eine längere Zinsfestschreibung mehr Planungssicherheit und schützt davor, womöglich nach kurzer Zeit eine Anschlussfinanzierung zu deutlich schlechteren Konditionen abschließen zu müssen“, sagt Pfaffinger.

Eine kürzere Zinsbindung hingegen sorge für mehr Flexibilität – es kommt also, wie schon erwähnt, sehr auf die individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten der Kreditnehmenden an.