Immer wieder dieselben Streitpunkte, immer wieder die gleiche Frage: „Warum versteht sie oder er mich nur nicht?“ In Paarbeziehungen, in Freundschaften, aber auch beim Thema Erziehung gibt es häufig Momente, in denen es schwerfällt, die Perspektive des Gegenübers nachzuvollziehen. Als würden Welten kollidieren.

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„Das tun sie auch“, sagt die Familienpsychologin Nina Grimm im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie hat fünf unterschiedliche Persönlichkeitstypen definiert, die sich in Partnerschaften und Familienkonstellationen gegenüberstehen und die häufig zu festgefahrenen Konflikten führen. Was es mit Goldkehlchen, Eidechse, Kakadu, Löwe und Wolf auf sich hat, wie man den eigenen Typ herausfindet und so – ohne sich zu verbiegen – Dauerkonflikte endlich lösen kann.
Streit in der Beziehung: Warum Paare immer wieder aneinandergeraten
Die fünf Persönlichkeitstypen, die Sie beschreiben – woher kommt diese Typologie?
Nina Grimm: Ich stütze mich mit meinen fünf Typen auf zwei etablierte Modelle der Persönlichkeitspsychologie: die Big-Five-Theorie und den Grundgedanken der Schematherapie. Die Idee der Big Five besagt, dass es fünf Hauptdimensionen der menschlichen Persönlichkeit gibt. Es wird davon ausgegangen, dass wir alle einen angeborenen Kern haben, der sich nicht vollständig durch Umfeld und Erziehung erklären lässt.
Der schematherapeutische Grundgedanke sagt, dass wir durch frühe Beziehungserfahrungen stabile Verhaltensmuster entwickeln, die so tief verwurzelt sind, dass wir sie als festen Bestandteil unserer Persönlichkeit erleben. Ich denke, die Wahrheit liegt dazwischen: Wir haben sowohl diesen angeborenen Kern als auch unsere Lernerfahrung, die unser Wesen prägen. Durch meine Erfahrung in der therapeutischen Praxis mit mittlerweile über tausend Familien haben sich diese fünf Typen immer wieder bestätigt.
Goldkehlchen, Eidechse, Kakadu, Löwe und Wolf – wie unterscheiden sich die fünf Typen?
Das Goldkehlchen ist die geborene Gastgeberin, die Kraft daraus zieht, fürsorglich für andere da zu sein. Ihre Stärke ist Geduld und Fürsorglichkeit, ihre Schwäche das Grenzensetzen. Die Eidechse ist introvertiert, still und extrem feinfühlig, blüht in Zweierbeziehungen auf, zieht sich aber bei Konflikten schnell zurück. Der Kakadu ist extrovertiert, humorvoll und der Mittelpunkt jeder Party, hat aber Schwierigkeiten, in Konflikten wirklich in die emotionale Tiefe zu gehen. Der Löwe hat eine klare Vision, wie der Alltag laufen soll, ist aber oft zu schnell und überrennt andere. Dagegen ist der Wolf der planende Strukturhalter, aber dadurch auch rigide, wenn jemand die Pläne durchkreuzt.
Jeder Mensch hat einen gewissen Grundklang – was nicht ausschließt, dass er Aspekte von anderen Typen in seinem Profil aufzeigen kann. Man kann vom Wesen her ein Goldkehlchen sein, die Schutzstrategien entsprechen aber der Löwin. Oder man ist im Kern eine Eidechse, hat aber Schutzstrategien eines Wolfs.
| Typ | Wesen (Big Five) | Superkraft | Schutzprogramm im Stress |
|---|---|---|---|
| Goldkehlchen | hohe Verträglichkeit, warm, mitfühlend | fürsorglich, geduldig | stellt eigene Bedürfnisse zurück, People Pleasing |
| Eidechse | introvertiert, sensibel, braucht Rückzugsort | feinfühlig, bringt Ruhe ins System | macht sich klein, traut sich nichts zu |
| Kakadu | extrovertiert, offen, spontan, eher chaotisch | Kreativität, Humor | will keine Schwäche zeigen, übergeht Bedürfnisse anderer |
| Löwe | direkt, impulsiv, wenig harmoniebedürftig | mutig, visionär, führt klar | Leistungs- und Funktionsdruck, hohe Ansprüche |
| Wolf | gewissenhaft, strukturiert, emotional stabil | Fels in der Brandung | Kontrolle, Effizienzdenken, überhöhte Ansprüche |

Warum „Sag doch einfach, was dich stört“ nicht für alle funktioniert
Warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, den eigenen Typ und den des Partners zu kennen?
Weil es im zwischenmenschlichen Bereich immer ein Dogma gibt, wie man zu sein hat, um etwas „richtig“ zu machen – etwa das Ideal, sich bei einem Konflikt ruhig hinzusetzen und in Ruhe zu reden. „Sag doch einfach, was dich stört.“ Für ein Goldkehlchen ist das leicht, weil es seinem Naturell entspricht. Für andere Typen ist genau das extrem schwer auszuhalten. Dadurch entsteht das Gefühl: Mit mir stimmt etwas nicht, ich muss mich verändern. Dabei geht es vielmehr darum, zu erkennen, was die eigene Stärke ist, und darauf zu setzen, statt gegen das eigene Naturell anzuarbeiten.
Streit um Ordnung und Haushalt: Was die verschiedenen Typen tun können
Lassen Sie uns das mal an den größten Streitpunkten in Partnerschaften durchexerzieren. Thema Ordnung und Unordnung zum Beispiel.
Wölfe sollten ihre Struktur als Angebot, nicht als Vorwurf nutzen. Hilfreich sind Kisten, feste Plätze und ein 10-Minuten-Reset-Wegräumen am Abend. Und bitte akzeptieren: Der Wolf-Standard ist kein allgemeingültiger Standard. Löwen könnten ihre Klarheit für eine Abmachung statt für Dauerkritik nutzen. Zum Beispiel zwei, drei Zonen bestimmen, die ihnen wirklich wichtig sind und die stets clean bleiben sollen, wie Küche und Flur. Der Rest der Räume darf leben. Die Superkraft des Kakadus ist Leichtigkeit. Er darf aus dem Aufräumen ein Ritual mit Musik machen, statt es zu verdrängen. Wichtig ist auch: ernst nehmen, dass Chaos für den Partner echter Stress sein kann.
Goldkehlchen sollten mit dem Partner klare Ministerien mit exakt definierten Teilaufgaben festlegen: Wäscheminister, Küchenminister usw. Und dann üben, die Verantwortung auch wirklich abzugeben und es den Partner auf seine Weise machen lassen. Eidechsen müssen lernen, früh und ruhig anzusprechen, was sie brauchen, anstatt heimlich hinterherzuräumen und irgendwann zu explodieren.
Laut einer ElitePartner-Studie gerät fast jedes vierte Paar wegen zu viel Zeit an Handy und Co. aneinander …
Die Superkraft des Goldkehlchens ist Verbindung. Deshalb sollte es nicht sagen: „Leg das Ding weg“, sondern: „Ich hätte gerne zehn Minuten mit dir.“ Das Handy ist so etwas wie die Höhle der Eidechse. Rückzug ist für sie ein echtes Bedürfnis. Es ist besser, das offen zu benennen, anstatt still abzutauchen: „Ich brauche kurz eine Pause.“ Dann fühlt sich das Gegenüber auch nicht ausgeschlossen. Der Kakadu liebt Entertainment. Das geht aber auch zu zweit, mit einem Spiel oder Ausflug. Kakadus sollten sich ehrlich fragen: Verstecke ich mich gerade hinter dem Scrollen?
Löwen brauchen Anregung und sehnen sich nach Inspiration. Anstatt sich in andere Welten zu flüchten, könnten sie mit dem Partner einen neuen Podcast entdecken oder über eine App gemeinsam eine neue Sprache lernen. Wölfe arbeiten am Handy oft nur effizient Dinge ab, wirken so gelegentlich desinteressiert. Deshalb ist es ratsam, dem Gegenüber mitzuteilen, was gerade am Handy gemacht wird, und handyfreie Zeiten festzulegen.

Streit ums Geld in der Partnerschaft: Was die Typen brauchen
Wie sieht es beim Thema Geld aus?
Die Superkraft des Wolfs ist Verlässlichkeit. Er spart gerne und will Sicherheit. Die Budgetplanung kann er ruhig übernehmen, es sollte aber ein fester „Spielbetrag“ ausgemacht werden, über den niemand Rechenschaft ablegen muss. Das ist auch gut für Kakadus, die sich ihre Lebensfreude gerne etwas kosten lassen. Hier gilt es, gemeinsam einen Rahmen abzustecken, der beiden Partnern Ruhe gibt. Löwen sollten ihre großen Ideen und Visionen teilen, bevor sie investieren. Wenn das Gegenüber das Ziel kennt, wird aus „Schon wieder?!“ ein „Lass uns das zusammen machen“.
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Goldkehlchen schenken gerne, sollten aber darauf achten, dass sie sich selbst und die gemeinsamen Ziele nicht vergessen. Grenzen setzen gilt auch beim Geld. Das Sicherheitsbedürfnis der Eidechse schützt die Familie. Wichtig ist für sie, über Sorgen und Wünsche zu sprechen, anstatt still zu verzichten und innerlich zu grollen.











