Acht Stunden ununterbrochener Schlaf gelten in Deutschland und vielen westlichen Ländern als goldener Richtwert für gesunden Schlaf. Wissenschaftlich lässt sich diese Vorstellung jedoch nicht als allgemeingültige Regel bestätigen. Studien und internationale Schlafgewohnheiten zeigen, dass Dauer und Struktur des Schlafs erheblich variieren und auch unterbrochener Schlaf Teil natürlicher Schlafmuster sein kann.

Historische Daten widerlegen das 8-Stunden-Dogma

Wie sah das natürliche Schlafverhalten des Menschen in der Vergangenheit aus? Der Historiker Roger Ekirch von der Virginia Tech University untersuchte für eine Studie, über die GEO berichtete, mehr als 500 historische Quellen. Dabei fand er Hinweise darauf, dass der nächtliche Schlaf über Jahrhunderte häufig in zwei Phasen unterteilt war. Die Menschen schliefen demnach zunächst etwa vier Stunden, bevor sie für eine längere Wachphase aufstanden und anschließend eine zweite Schlafphase einlegten.

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Viele Menschen gingen offenbar gegen 21 Uhr zu Bett und wachten um Mitternacht wieder auf. Diese Wachphase wurde unter anderem für Gebete, Gespräche und alltägliche Tätigkeiten genutzt. Anschließend kehrten die Menschen für weitere Stunden in den Schlaf zurück.

Auch der US-amerikanische Schlafforscher Thomas Wehr beobachtete einen ähnlichen Rhythmus in einer Studie. Seine Probanden verbrachten 14 Stunden täglich in vollständiger Dunkelheit. Nach einigen Wochen entwickelte sich bei ihnen ein Schlafmuster mit zwei Phasen, die durch eine etwa einstündige, entspannte Wachphase getrennt waren. Die Ergebnisse legen nahe, dass längeres nächtliches Wachsein nicht zwangsläufig auf eine Schlafstörung hindeutet, sondern unter bestimmten Bedingungen Teil eines natürlichen Schlafmusters sein kann.

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Die Vorstellung eines vermeintlich optimalen Schlafs von acht Stunden ist auch durch die kulturelle Bedeutung von Schlaf in westlichen Gesellschaften geprägt. Arbeit, Freizeit und Nachtruhe werden meist klar voneinander getrennt, während ein möglichst ununterbrochener Schlaf als Ideal gilt. Schlaf am Tag wird dagegen häufig mit Unproduktivität oder Faulheit verbunden und entsprechend weniger akzeptiert.

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In anderen Kulturen wird der Schlaf tagsüber deutlich selbstverständlicher in den Alltag integriert. In Japan gilt ein kurzer Schlaf in der Öffentlichkeit als gesellschaftlich akzeptiert, etwa während der Fahrt zur Arbeit, in Pausen oder sogar bei Konferenzen und Besprechungen. Auch Schüler können dort während des Tages eine Ruhepause einlegen. Ähnliche Schlafgewohnheiten finden sich in China, wo insbesondere jüngere Schüler häufig einen gemeinsamen Mittagsschlaf halten.

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Besonders bekannt ist die Siesta in Südeuropa. Während der heißesten Stunden des Tages legen viele Menschen eine längere Ruhepause ein, weshalb Geschäfte und Restaurants teilweise vorübergehend schließen. Diese Form der Erholung ist gesellschaftlich etabliert und wird nicht grundsätzlich als Zeichen von Faulheit betrachtet. Stattdessen verschiebt sich das soziale Leben häufig in die späteren Abendstunden.

Auch längere Wachphasen während der Nacht müssen nicht zwangsläufig als belastend empfunden werden. Entscheidend kann vielmehr sein, wie diese Zeit genutzt wird. Wer die Wachphase für ruhige Tätigkeiten oder Entspannung nutzt, erlebt sie möglicherweise anders als eine Phase, die von Leistungsdruck oder der Sorge geprägt ist, unbedingt wieder einschlafen zu müssen. Auch ein kurzer Schlaf am Tag kann daher als natürliche Ruhephase verstanden werden und muss nicht mit Faulheit gleichgesetzt werden.