Antibiotika sollen krankmachende Bakterien bekämpfen. Dabei treffen die Medikamente jedoch auch viele nützliche Mikroorganismen im Darm. Eine neue Studie liefert nun Hinweise darauf, dass eine zuckerreiche Ernährung diesen Effekt während einer Antibiotika-Behandlung zusätzlich verstärken könnte.

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Für ihre Untersuchung werteten Forscher die Ernährung und die Darmflora von 173 schwer kranken Krebspatienten aus. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Nature veröffentlicht. Besonders auffällig war ein Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Süßigkeiten und zuckerreichen Lebensmitteln, Antibiotika und einer Veränderung des Darmmikrobioms.
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9419 Mahlzeiten unter der Lupe
Das Forschungsteam um Jonathan Peled vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center untersuchte Patienten, die wegen einer Blutkrebserkrankung eine Stammzelltransplantation erhielten. In dieser Behandlungssituation kommen häufig Antibiotika zum Einsatz. Gleichzeitig lässt sich im Krankenhaus vergleichsweise genau erfassen, was die Patienten essen.
Insgesamt werteten die Wissenschaftler 9419 Mahlzeiten aus. Von 158 der 173 Patienten lagen zusätzlich zeitlich aufeinanderfolgende Stuhlproben vor. Anhand dieser Proben konnten die Forscher verfolgen, wie sich die Zusammensetzung der Darmbakterien im Verlauf veränderte.
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Rund 80 Prozent der Patienten erhielten zeitweise Breitbandantibiotika. Diese Medikamente wirken gegen zahlreiche unterschiedliche Bakterienarten und können deshalb auch die natürliche Zusammensetzung des Darmmikrobioms stark verändern.
Weniger Bakterienvielfalt bei viel Süßem
Besonders interessierten sich die Forscher für die sogenannte Alpha-Diversität. Vereinfacht gesagt beschreibt dieser Wert, wie vielfältig die verschiedenen Bakterienarten in einer Probe vertreten sind. Eine größere Vielfalt gilt als Merkmal eines stabileren Darmmikrobioms.
Das Ergebnis: Während einer Antibiotika-Behandlung war ein höherer Verzehr von Süßigkeiten und zuckerreichen Lebensmitteln mit einer geringeren Bakterienvielfalt verbunden.
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Nach der Modellrechnung nahm die Alpha-Diversität bei jeweils 100 Gramm zusätzlicher Nahrung aus dieser Kategorie um etwa 24 Prozent ab. Dabei ist wichtig: Die Angabe bezieht sich auf das Trockengewicht der Lebensmittel und nicht auf 100 Gramm reinen Zucker.
Zudem beobachteten die Forscher eine stärkere Vermehrung von Enterokokken. Zu dieser Bakteriengruppe gehört unter anderem Enterococcus faecium. Solche Bakterien können insbesondere bei schwer kranken Menschen Infektionen auslösen.
Tests mit Mäusen bestätigen den Zusammenhang
Um den beobachteten Zusammenhang genauer zu untersuchen, führten die Wissenschaftler zusätzlich Experimente mit Mäusen durch. Die Tiere erhielten das Antibiotikum Biapenem, teilweise ergänzt durch Saccharose – also gewöhnlichen Haushaltszucker.
Bei den Tieren, die zusätzlich Zucker bekamen, vermehrten sich Enterokokken deutlich stärker. Am dritten Tag war die gemessene Bakterienmenge 16,3-mal so hoch wie bei Mäusen, die zwar das Antibiotikum, aber keinen zusätzlichen Zucker erhielten. Am sechsten Tag lag der Unterschied bei einem Faktor von 33,4. Zucker allein führte dagegen nicht zu einer vergleichbaren Zunahme der Enterokokken.
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Die Forscher vermuten deshalb, dass Zucker den Bakterien nach einer Antibiotika-Behandlung bessere Wachstumsbedingungen verschaffen könnte. Wie genau dieser Effekt zustande kommt, ist allerdings noch nicht geklärt.
Kein Grund für einen generellen Zuckerverzicht
Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass jeder Mensch während einer Antibiotika-Therapie vollständig auf Zucker verzichten sollte. Die Studie zeigt einen Zusammenhang, beweist aber noch nicht, dass weniger Zucker tatsächlich verhindert, dass Menschen krank werden.
Hinzu kommt, dass ausschließlich eine besonders belastete Patientengruppe untersucht wurde: Menschen mit Blutkrebs während einer intensiven medizinischen Behandlung und Stammzelltransplantation. Ob sich die Ergebnisse auf gesunde Menschen oder Patienten mit gewöhnlichen Infektionen übertragen lassen, ist daher offen.
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Auch wurde die Ernährung der Studienteilnehmer nicht gezielt verändert. Die Forscher beobachteten vielmehr, was die Patienten ohnehin zu sich nahmen. Um einen direkten Nutzen einer zuckerärmeren Ernährung nachzuweisen, wären weitere Untersuchungen mit gezielten Ernährungsänderungen notwendig.










