Als Mike Webster beginnt, auf die Fragen des Interviewers zu antworten, schweift sein Blick ab. Er sieht erschöpft und frustriert aus, als er auf seinem Kaugummi herumkaut und stotternd nach Worten sucht. Dann nimmt er einen Schluck Kaffee aus einem Pappbecher. „Ich kann es nicht sagen, wie ich es gerne sagen würde“, erklärt der ehemalige Football-Star. Ein paar Sekunden später endet das Video aus den 90ern, das bis heute auf Youtube kursiert. Fanliebling „Iron Mike“ – seinerzeit einer der berühmtesten NFL-Player der USA – ist zu dem Zeitpunkt etwa 46 Jahre alt und nur noch ein Schatten seiner selbst.

Als er 2002 obdachlos und verwahrlost mit nur 50 Jahren an einem Herzinfarkt stirbt, wird bei der Autopsie festgestellt, dass sein Gehirn ungewöhnlich stark degeneriert ist. Webster gilt als „Patient Zero“ der fatalen Erkrankung CTE (Chronisch-traumatische Enzephalopathie), die die Folge wiederholter Erschütterungen des Kopfes – zum Beispiel beim Aufprall gegen einen Mitspieler – sein kann.

Jetzt zeigt eine Studie: Mindestens jeder vierte ehemalige NFL-Spieler, der zwischen 2016 und 2021 gestorben ist, wies zum Zeitpunkt seines Todes Anzeichen von CTE auf – die Dunkelziffer soll wesentlich höher liegen. Wissenschaftler vermuten, dass Football, aber auch andere Kontaktsportarten wie Fußball und Eishockey fatalere Auswirkungen auf das Gehirn haben als bisher angenommen. Aber wie kann das sein? Was weiß man über die Erkrankung und wie bemerkt man sie?