Der vermeintlich gesunde Zuckerersatz gerät unter Verdacht. Millionen Menschen greifen zu künstlichen Süßstoffen, um Kalorien zu sparen oder weil sie diese für die bessere Wahl halten. Doch eine neue Langzeitstudie nährt Zweifel an dieser Rechnung. Hohe Xylit-Werte im Blut stehen demnach in Verbindung mit einem deutlich erhöhten Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse. Vorgestellt wurden die Ergebnisse auf dem ESC-Kongress 2026 in München.

Doch was genau ist Xylit? Der Zuckeralkohol entsteht im Körper natürlicherweise als Nebenprodukt des Glukosestoffwechsels und kommt auch in einigen Lebensmitteln in sehr geringen Mengen vor. Als künstlicher Süßstoff landet er in Lebensmitteln, Getränken und Mundpflegeprodukten, dann oft in mehr als 1000-fach höheren Mengen. Wie sich der Konsum langfristig auf das Herz auswirkt, war bislang kaum untersucht.

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Studie zeigt Zusammenhang zwischen Blutwerten und Herzerkrankungen

Bereits frühere Studien hätten gezeigt, dass Xylit die Blutgerinnungsfähigkeit von Blutplättchen steigern könne, erklärte Dr. Marco Witkowski von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, in einer Pressemitteilung. Auch hätten hohe Xylit-Blutspiegel bei Risikopatienten innerhalb von drei Jahren mit kardiovaskulären Ereignissen in Verbindung gestanden. „In der vorliegenden Studie untersuchten wir, ob Xylit das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse in einer größeren Stichprobe der Allgemeinbevölkerung über einen deutlich längeren Beobachtungszeitraum erhöht.“

Für die Auswertung nutzte das Forschungsteam Daten von 17.710 Teilnehmern aus zwei Beobachtungsstudien, der Canadian Longitudinal Study on Aging (CLSA) und der europäischen EPIC-Norfolk-Studie. Verglichen wurden Menschen mit den höchsten und den niedrigsten Xylit-Werten im Blut. Als schwerwiegendes kardiovaskuläres Ereignis galten Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Xylit könnte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen

Die Ergebnisse sind deutlich. In der kanadischen Kohorte lag das Risiko nach sechs Jahren Beobachtungszeit bei den Teilnehmern mit den höchsten Werten um 57 Prozent höher als bei jenen mit den niedrigsten. Berücksichtigt wurden dabei bekannte Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchen, Blutfettwerte, Diabetes und Bluthochdruck. In der EPIC-Norfolk-Kohorte, die über 30 Jahre lief, betrug der Unterschied 18 Prozent.

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Dabei zeigte sich ein schrittweiser Anstieg: Je höher der Xylit-Spiegel im Blut, desto häufiger traten kardiovaskuläre Ereignisse auf. Der Zusammenhang zeigte sich unabhängig von Alter und Geschlecht und blieb auch dann bestehen, wenn Faktoren wie Body-Mass-Index, Bluthochdruck, Diabetes und Blutfettwerte einbezogen wurden. Also genau jene Faktoren, die Menschen überhaupt erst zu kalorienarmen Produkten greifen lassen.

Xylit: Studie weckt Zweifel an Sicherheit künstlicher Süßstoffe

„Künstliche Süßstoffe werden von Menschen konsumiert, die sie für gesünder als Zucker halten, und gelten im Allgemeinen als sicher“, sagte Witkowski. „Unsere Langzeitergebnisse an der Allgemeinbevölkerung verdeutlichen jedoch, wie wenig wir über die kardiovaskuläre Sicherheit von Xylit wissen und legen nahe, dass weitere Studien erforderlich sind, insbesondere da der Xylitanteil in Produkten stetig zunimmt.“

Zur Einordnung äußerte sich auch Professor Dan Atar, Mitglied des Kommunikationsausschusses der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC): „Künstliche Süßstoffe sind in der modernen Gesellschaft weit verbreitet, und ihre Sicherheitsbewertungen waren gut und wurden von den Zulassungsbehörden bestätigt.“

Nun zeigte jedoch die Beobachtungsstudie, dass sich Xylit negativ auf das Herz-Kreislauf-System auswirken könnte. Ein Beleg für Ursache und Wirkung ist die Studie also nicht. Sie zeigt einen Zusammenhang, den die Forscher nun genauer untersuchen wollen.