Wann haben Sie das letzte Mal mit jemandem zusammen zu Mittag oder zu Abend gegessen? Wenn Sie darüber länger nachdenken müssen, war es in letzter Zeit womöglich eher Ihr Smartphone, das Sie dabei begleitet hat. Oder eine TV-Serie im Hintergrund. Dabei könnte es einen größeren Unterschied machen als bislang angenommen, ob Menschen allein oder in Gesellschaft essen.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Forscher stellen immer wieder fest, dass regelmäßiges Alleinessen unsere psychische und geistige Gesundheit stärker beeinflussen könnte als angenommen. Sie bringen die Gewohnheit mit einem erhöhten Risiko für Depressionen und Demenz in Verbindung. Doch wie lässt sich dieser Zusammenhang erklären?

Auch interessant

Studie: Gemeinsame Mahlzeiten stärken Beziehungen und senken Depressionsrisiko

Die moderne Welt macht es oft nicht leicht. Zwischen Haushalt, Arbeit und anderen Verpflichtungen bleibt für gemeinsame Mahlzeiten häufig wenig Zeit. Dabei gehört das gemeinsame Essen zu den ältesten sozialen Praktiken der Menschheit. Die britische BBC hat den aktuellen Forschungsstand dazu in einem Artikel zusammengetragen. „Das Teilen von Mahlzeiten ist ein wesentlicher Mechanismus, um Bindungen zu knüpfen, Vertrauen aufzubauen und Beziehungen zu anderen zu pflegen“, sagte Jan-Emmanuel De Neve, Professor für Wirtschaftswissenschaften und Verhaltenswissenschaften an der Universität Oxford, gegenüber dem Sender.

Bereits in einer 2016 veröffentlichten Studie beobachteten chinesische Forscher einen Zusammenhang zwischen der Zahl der Personen am Esstisch und dem erhöhten Risiko für depressive Symptome. Dieser blieb auch bestehen, nachdem andere mögliche Einflussfaktoren wie der allgemeine Gesundheitszustand berücksichtigt worden waren.

Für die Untersuchung befragte ein Team um Xinyi Wang vom Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention der chinesischen Provinz Zhejiang mehr als 9000 Frauen im Alter von mindestens 60 Jahren. „Allein zu essen scheint dabei ein stärkerer Risikofaktor für Depressionssymptome zu sein als allein zu leben“, schrieben die Studienautoren.

Forscher: In Gesellschaft essen macht uns womöglich glücklicher

Auch zahlreiche weitere Untersuchungen kommen laut BBC zu ähnlichen Ergebnissen. Forscher aus Tokio stellten 2015 in einer Querschnittsstudie fest, dass 65- bis 74-Jährige, die mit ihren Familien zusammenlebten, ihre Mahlzeiten aber meist allein einnahmen, ein fünfmal so hohes Risiko für depressive Symptome aufwiesen als Menschen, die überwiegend in Gesellschaft aßen.

Eine mögliche Erklärung liefert offenbar das Endorphinsystem. Wie Robin Dunbar, biologischer Anthropologe an der Universität Oxford, in seinem Buch „Friends“ schreibt, kann Essen dieses System aktivieren. Dabei schüttet der Körper Botenstoffe aus, die unter anderem mit Wohlbefinden verbunden sind. In Gesellschaft könnte dieser Effekt zusätzlich das Gefühl von Nähe und Verbundenheit stärken.

Alleinessen: Geringeres Gehirnvolumen und mögliches Demenzrisiko

Doch womöglich reichen die Folgen des Alleinessens noch weiter. Eine 2025 veröffentlichte Studie aus Japan deutet darauf hin, dass Menschen, die regelmäßig allein essen, in bestimmten Hirnregionen ein geringeres Volumen aufweisen. Betroffen waren unter anderem Bereiche, die für kognitive Fähigkeiten von Bedeutung sind. Ein Teil der Unterschiede ließ sich offenbar durch die Ernährung erklären: Menschen, die allein essen, nehmen im Durchschnitt weniger nährstoffreiche Lebensmittel zu sich. Das allein reichte nach Angaben der Forscher jedoch nicht als Erklärung aus. Auch die geringeren sozialen Kontakte könnten demnach die langfristige Gesundheit des Gehirns beeinträchtigen.

Auch interessant

Die Studienautoren vermuten, dass gemeinsame Mahlzeiten und die damit verbundene soziale Unterstützung Stress abbauen können. Dieser gilt als bekannter Risikofaktor für den Abbau neuronaler Funktionen. Auch die Gespräche am Tisch könnten eine Rolle spielen, weil sie das Gehirn geistig fordern und aktiv halten.

Die untersuchten Personen verfügten zum Zeitpunkt der Studie noch über normale kognitive Fähigkeiten. Die Forscher warnen jedoch, dass die beobachteten Veränderungen im Gehirn langfristig mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden sein könnten. Ob das Alleinessen tatsächlich die Ursache dafür ist, lässt sich aus den Ergebnissen allerdings nicht ableiten. Klar ist aber: Mahlzeiten in Gesellschaft könnten für die geistige Gesundheit wichtiger sein, als angenommen.