- Neuere Medikamente gegen Demenz zeigen noch keinen belegten Zusatznutzen
- Ein Top-Neurologe erklärt, wie Sie das Demenzrisiko auch ohne Arzneien deutlich senken können
- Welche Gewohnheiten laut Studien besonders gut wirken
Im Kampf gegen Alzheimer und andere Demenzformen nimmt die Forschung weiter Fahrt auf. Im Jahr 2025 wurden zwei neue Antikörper-Therapien in Deutschland zugelassen, die schon in der Frühphase der unheilbaren Erkrankungen zum Einsatz kommen. Doch beide Medikamente sind zum einen bei Weitem nicht für alle der knapp zwei Millionen Menschen geeignet, die hierzulande von einer Art der Demenz betroffen sind. Zum anderen wurde bei beiden Mitteln kein Zusatznutzen zu bisherigen Therapien festgestellt.

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Abseits der Therapie mit Medikamenten zeichnen sich deutliche Erkenntnisse ab, wie sich der geistige Rückgang als Folge der Demenz verlangsamen lässt. Neuere Studien zeigen: Mit dem richtigen Lebensstil lässt sich das Risiko einer Demenzerkrankung um über 40 Prozent senken.
Demenz & Alzheimer: Die Zahl der Betroffenen steigt
Fast 450.000 Menschen in Deutschland erhalten jedes Jahr die Diagnose Demenz. Etwa zwei Drittel der Demenzen sind auf die Volkskrankheit Alzheimer zurückzuführen. Bis 2050 soll die Zahl der Demenzbetroffenen laut Prognosen von 1,8 auf bis zu 2,7 Millionen steigen. „Umso mehr sollten wir uns Gedanken machen, wie wir einerseits den Aufwärtstrend stoppen und andererseits Betroffenen helfen können, möglichst lange bei hoher Lebensqualität mit dieser Erkrankung leben zu können“, erklärt Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Seit Anfang November 2025 ist mit Kisunla (Wirkstoff Donanemab) ein zweites Antikörper-Medikament gegen Demenz auf dem deutschen Markt erhältlich. Den Anfang machte im September 2025 Leqembi (Wirkstoff Lecanemab). „Damit können wir erstmals kausal in den Krankheitsmechanismus eingreifen“, erklärt Peter Berlit.
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Die Medikamente wirken somit schon in der Frühphase der Entstehung von Demenz, indem sie die krankheitstypischen Eiweiß-Ablagerungen (Amyloid) im Gehirn entfernen, die mit zum Abbau der geistigen Leistung beitragen. Das Fortschreiten kann laut Fachleuten so um etwa ein Drittel (30 Prozent) verlangsamt werden. „Das ist ein effektiver Gewinn an qualitativer Lebenszeit“, so Berlit. „Da die Antikörper nur in den Frühstadien eingesetzt werden, verlängern sie die Phase der Erkrankung, in der die Betroffenen kaum oder wenig beeinträchtigt sind.“
Im Februar 2026 kam der Rückschlag: Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken (G-BA) stellte für die Antikörper „keinen Zusatznutzen“ fest. Sie können trotz dieses Beschlusses zunächst weiter verordnet werden, langfristig ist das jedoch fraglich.
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Alzheimer und Co.: Medikamente kommen für Mehrheit nicht infrage
Die Antikörper-Medikamente haben ohnehin eine Kehrseite: Beide haben teils erhebliche Nebenwirkungen. Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen oder einem schlecht eingestellten Bluthochdruck sind wegen erhöhten Schlaganfallrisikos von der Therapie ausgeschlossen, darunter viele ältere Menschen. Hinzu kommen all jene Erkrankten, deren Alzheimer schon zu weit fortgeschritten ist. „Die Mehrheit der Betroffenen kommt zum heutigen Zeitpunkt nicht für die innovativen Medikamente infrage“, fasst Berlit zusammen.
Was Neurologen wie Berlit dennoch hoffnungsfroh stimmt: Medikamente sind keinesfalls der einzige Bremshebel zum Verlangsamen der Demenz. „Mit einem aktiven und gesunden Lebensstil lässt sich der kognitive Abbau um Jahre verzögern“, sagt der DGN-Generalsekretär.
Umgang mit der Schock-Diagnose Demenz
Dass Bewegung den Demenzfortschritt aufhält, ist nicht neu. Aktivität im Alltag könnte sich jedoch als noch deutlich wirksamer gegen Alzheimer entpuppen als bisher angenommen. Schon ein moderates Laufpensum kann den geistigen Abbau offenbar fast halbieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Anfang November 2025 im Fachjournal „Nature Medicine“ veröffentlichte Studie, die Fachleute als wegweisend bezeichnen.
Demenz und Alzheimer vorbeugen: Wie Bewegung den geistigen Abbau verlangsamt
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Dabei wurden 296 kognitiv nicht eingeschränkte Menschen über einen Zeitraum von 14 Jahren hinweg untersucht. Ergebnis: Schon ein Pensum von 5000 bis 7500 Schritten am Tag zeigte einen enormen positiven Effekt auf die Ablagerung schädlicher Eiweiße im Gehirn. Im Vergleich zu inaktiven Personen war der kognitive Abbau bei steigender körperlicher Aktivität um 40 bis 51 Prozent geringer. „Das ist spektakulär“, ordnet Berlit die Studie ein. „Es bedeutet, allein mit regelmäßiger moderater Bewegung lässt sich der kognitive Abbau nahezu halbieren.“
Neben regelmäßiger Bewegung lässt sich zudem durch einen gesunden Lebensstil das Demenzrisiko um gut 40 Prozent senken. Das zeigte schon eine 2020 veröffentlichte Studie der „Lancet-Kommission“. Gerade Menschen im mittleren und höheren Lebensalter sollten zur Vorbeugung den folgenden wichtigen Risikofaktoren entgegenwirken:
Demenz vorbeugen: Welche Risikofaktoren sind entscheidend?
- Schwerhörigkeit,
- Hirnverletzungen,
- Bluthochdruck,
- Alkohol,
- Adipositas,
- Rauchen,
- Depression,
- soziale Isolation,
- Bewegungsarmut
- Luftverschmutzung sowie
- Diabetes.
2024 wurden Sehschwäche und hohe Cholesterinwerte ergänzt. Besonders wichtig ist körperliche Aktivität. „Regelmäßiger Sport hat auch einen positiven Einfluss auf die anderen Risikofaktoren“, so Berlit.
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Demenz vorbeugen: Welche Ernährung und Übungen sind sinnvoll?
Die S3-Leitlinie zur Behandlung von Demenz, an der die DGN führend beteiligt war, empfiehlt weitere gut belegte Maßnahmen: Darunter kognitives Training durch Ergotherapeuten oder Neuropsychologen, Musiktherapie sowie eine gesunde Ernährung, angelehnt an die mediterrane Diät oder nordische Diät (hoher Salat-, Frucht- und Gemüseanteil).
Auch das Erlernen und Praktizieren von Fremdsprachen schützt laut einer Anfang November 2025 veröffentlichten „Nature“-Studie „hochsignifikant“ vor einer Demenz, erklärt Peter Berlit. „Das Wichtige ist, dass all diese Maßnahmen auch dann noch helfen, wenn bereits erste Gedächtnisstörungen vorliegen“, betont der Neurologe. „Nimmt man all das zusammen, lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung signifikant verlangsamen – und zwar ganz ohne Risiken und Nebenwirkungen.“
Dieser Artikel erschien erstmals im November 2025 und wurde aktualisiert.














