Die morgendliche Tasse Kaffee gehört für viele zur täglichen Gewohnheit. Sie soll die letzte Müdigkeit aus dem Körper schütteln und bei der Konzentration helfen. Ob Kaffee gesund ist, wird in der Wissenschaft seit Jahrzehnten diskutiert. Eine neue Studie aus Finnland zeigt jetzt: Kaffee könnte den Hormonhaushalt mehr beeinflussen, als bisher gedacht.

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Männer, die mehr Kaffee trinken, haben im Durchschnitt einen höheren Gesamt-Testosteronspiegel. Allerdings entwickelten sich nicht alle untersuchten Testosteronwerte in dieselbe Richtung. Während Männer mit einem höheren Kaffeekonsum mehr Gesamt-Testosteron im Blut hatten, lag ihr freies Testosteron niedriger. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Kaffeekonsum bei Männern mit einem breiteren androgenbezogenen Profil verbunden ist“, heißt es in der Studie. Doch die Ergebnisse sind nicht so eindeutig, wie man denken könnte.
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Kaffee-Studie aus Finnland: Mehr als 1000 tranken mindestens fünf Tassen
Die im Fachmagazin „European Journal of Nutrition“ erschienene Studie untersuchte im Rahmen der „Northern Finland Birth Cohort 1966“ die Daten von 2264 Frauen und Männern aus Nordfinnland. Die Langzeituntersuchung begleitet Menschen, die 1966 in den finnischen Regionen Oulu und Lappland geboren wurden. Alle Teilnehmenden waren zum Zeitpunkt der Untersuchung etwa 46 Jahre alt. Die jetzt ausgewerteten Blutproben und Angaben zum Kaffeekonsum wurden bei einer Untersuchung im Jahr 2012 erhoben.
Für ihre Analyse schlossen die Forscherinnen und Forscher Personen aus, die regelmäßig Tee tranken oder keine vollständigen Angaben zu ihrem Kaffee- und Teekonsum gemacht hatten. Am Ende blieben 2264 Teilnehmende übrig. 1075 davon waren Männer, 1189 Frauen.
Die Forscher teilten sie in vier Gruppen ein:
- 70 Personen tranken keinen Kaffee.
- 296 tranken eine bis zwei Tassen pro Tag.
- 822 kamen auf drei bis vier Tassen.
- 1076 tranken mindestens fünf Tassen täglich.
Die meisten Probandinnen und Probanden tranken Filterkaffee. Nicht erfasst wurden die genaue Tassengröße, die Bohnensorte, die Röstung und Zusätze wie Milch oder Zucker. Vor der Untersuchung mussten die Teilnehmenden zwölf Stunden fasten. Sie sollten in dieser Zeit weder rauchen noch Kaffee trinken. Anschließend wurden unter anderem Blutzucker, Insulin, Cholesterin, Blutdruck, Körperfett, Muskelmasse und verschiedene Hormone untersucht.
Kaffee und Testosteron: Gesamtwert stieg bei Männern
Bei den Männern stieg das Gesamt-Testosteron schrittweise mit der Zahl der täglich getrunkenen Tassen. Männer mit drei bis vier Tassen und Männer mit mindestens fünf Tassen hatten deutlich höhere Werte als Männer, die keinen Kaffee tranken. Die höchsten Werte fanden die Forscher in der Gruppe mit mindestens fünf Tassen.

Für die genauere statistische Auswertung standen vollständige Daten von rund 896 Männern zur Verfügung. Dabei berücksichtigten die Forscher den Body-Mass-Index, Bildung, Rauchen, Alkoholkonsum und körperliche Aktivität, da sie den Kaffeekonsum und den Hormonhaushalt beeinflussen könnten. Auch danach blieb der Zusammenhang bestehen. Jede zusätzliche Tasse Kaffee pro Tag war rechnerisch mit einem Anstieg des Gesamt-Testosterons um 0,29 Nanomol pro Liter verbunden.
Auch das sogenannte bioverfügbare Testosteron lag bei Männern mit höherem Kaffeekonsum höher. Pro zusätzlicher Tasse stieg es statistisch um 0,08 Nanomol pro Liter. Die Werte zeigen jedoch einen Zusammenhang innerhalb einer größeren Untersuchungsgruppe. „Die Zusammenhänge sollten als hormonelle Muster auf Bevölkerungsebene verstanden werden und nicht als direkter Beleg für klinisch bedeutsame Veränderungen bei einzelnen Personen“, so die Studienautoren.
Freies Testosteron war trotz höheren Gesamtwerts niedriger
Was Fragen aufwirft: Während das Gesamt-Testosteron und bioverfügbare Testosteron zunahmen, sank das freie Testosteron. Auch der freie Androgenindex fiel niedriger aus. Freies Testosteron ist der Teil des Hormons, der ungebunden im Blut zirkuliert. Ein großer Teil des Testosterons ist dagegen an Eiweiße gebunden. Dazu gehört das Sexualhormon-bindende Globulin, kurz SHBG.
Auch der SHBG-Wert stieg mit dem Kaffeekonsum. Pro zusätzlicher Tasse lag er rechnerisch um 0,57 Nanomol pro Liter höher. Das könnte teilweise erklären, warum zwar mehr Gesamt-Testosteron gemessen wurde, gleichzeitig aber weniger davon frei im Blut vorlag.
Die Studie lässt sich also nicht einfach mit „Kaffee erhöht den Testosteronspiegel“ abkürzen. Nach Ansicht der Forschenden könnte die entgegengesetzte Veränderung für den Stoffwechsel relevant sein. Ob daraus gesundheitliche Vorteile entstehen, ist jedoch unklar.
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Bei Frauen zeigte sich ein anderes Bild
Bei den untersuchten Frauen fanden die Forschenden keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Zahl der Tassen und dem Gesamt-Testosteron. Auch das bioverfügbare Testosteron veränderte sich in der angepassten Analyse nicht statistisch signifikant. Allerdings stieg auch bei ihnen mit höherem Kaffeekonsum der SHBG-Wert. Gleichzeitig lagen das freie Testosteron und der freie Androgenindex niedriger.
Für die Analyse wurden Frauen mit einem diagnostizierten polyzystischen Ovarialsyndrom, kurz PCOS, ausgeschlossen, da die Erkrankung den Hormonhaushalt und besonders die Androgenwerte deutlich beeinflussen kann. Die Autoren schreiben: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass regelmäßiger Kaffeekonsum mit einem umfassenderen hormonellen und metabolischen Muster verbunden ist, das sich nach Geschlecht unterscheidet.“

Vieltrinkende hatten weniger Körperfett
Auch spannend: Menschen mit einem höheren Kaffeekonsum hatten im Durchschnitt einen niedrigeren Körperfettanteil, weniger Fett im Bereich der inneren Organe und mehr Muskelmasse. Gewicht, Taillenumfang und Body-Mass-Index unterschieden sich zwischen den Gruppen dagegen kaum.
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Allerdings sollten die Studienergebnisse vorsichtig bewertet werden, denn in der Gruppe mit mindestens fünf Tassen waren Männer deutlich stärker vertreten. Ihr Anteil lag dort bei 55 Prozent. Unter den Menschen mit einer bis zwei Tassen waren es nur 35 Prozent.
Menschen mit einem höheren Kaffeekonsum hatten außerdem niedrigere Werte bestimmter verzweigtkettiger Aminosäuren im Blut. Dazu gehören Leucin, Isoleucin und Valin. Hohe Konzentrationen dieser Stoffe wurden in früheren Untersuchungen mit Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht.
Besonders bei Männern ging ein höherer Kaffeekonsum in der einfachen statistischen Auswertung zudem mit günstigeren Werten bei Blutzucker und Insulin einher. Die Studie untersuchte aber nicht, ob die Teilnehmenden später tatsächlich an Diabetes erkrankten.
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Studie kann Ursache und Wirkung nicht klären
Bei der Betrachtung der Studienergebnisse ist es wichtig, mögliche Einschränkungen zu berücksichtigen. Es handelt sich hierbei um eine Querschnittsstudie. In der Studie heißt es dazu: „Das Querschnittsdesign lässt keine kausalen Schlussfolgerungen zu.“ Sowohl der Kaffeekonsum als auch die Hormonwerte wurden zu einem einzigen Zeitpunkt erfasst. Daher lässt sich nicht feststellen, was zuerst da war.
Kaffee könnte die Hormonwerte beeinflussen. Männer mit bestimmten Hormonwerten könnten aber auch eher dazu neigen, viel Kaffee zu trinken. Ebenso könnten Ernährung, Stress oder andere nicht erfasste Faktoren sowohl den Kaffeekonsum als auch den Hormonhaushalt beeinflusst haben.
Dazu kommt: Das Testosteron wurde nur einmal gemessen. Allerdings kann der Wert bei derselben Person von Tag zu Tag schwanken. Die Ergebnisse beschreiben deshalb vor allem ein statistisches Muster innerhalb der untersuchten Bevölkerung. Sie lassen sich nicht direkt auf einzelne Blutwerte übertragen.
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Auch die Zusammensetzung der Gruppen erschwert die Bewertung. Von den 2264 Teilnehmenden tranken nur 70 gar keinen Kaffee. Die Gruppe der Nichttrinkenden war damit sehr gering. Gleichzeitig rauchten Menschen mit einem hohen Kaffeekonsum häufiger. Unter den Personen mit mindestens fünf Tassen waren 30 Prozent aktive Raucher. Bei den Nichttrinkenden waren es rund sechs Prozent.
In den Testosteronmodellen wurde das Rauchen zwar statistisch berücksichtigt, jedoch können Unterschiede zwischen den Gruppen nicht vollständig ausgeschlossen werden. Die Autoren betonen deshalb: „Künftige Langzeit- und Interventionsstudien sind notwendig, um Kausalität festzustellen.“
Schließlich stammt die Untersuchung aus Finnland, einem Land mit besonders hohem Kaffeekonsum. Deshalb betonen die Forschenden: „Die geringe Zahl der Nichttrinkenden und die homogene finnische Bevölkerung könnten die Übertragbarkeit auf Länder mit anderen Kaffeekulturen einschränken.“










