Was für eine Zeit, um ein Hund zu sein. Noch nie wurde so viel Geld, Technik und Forschung für das Tier am Ende der Leine aufgewendet. Allein in Deutschland gaben Verbraucher 2024 trotz schwacher Konjunktur rund sieben Milliarden Euro für knapp 34 Millionen Haustiere aus – mehr als im Jahr zuvor. Weltweit, so schätzt Bloomberg Intelligence, könnte der Heimtiermarkt bis 2030 auf 500 Milliarden Dollar wachsen.

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Doch das Geld fließt längst nicht mehr nur in Leckerli und Spielzeug. Es fließt in Lebenszeit. Hunde leben heute länger und gesünder als früher. Eine Studie aus Japan zeigt, dass ihre Lebenserwartung seit den 1980er-Jahren um mehr als die Hälfte gestiegen ist. Und womöglich ist selbst das erst der Anfang.
Denn gerade entsteht ein neues Forschungsfeld zwischen Tiermedizin, Biotech und Langlebigkeitsindustrie. Es reicht vom Dog Aging Project, das 50.000 Haustiere wissenschaftlich begleitet, bis zu Start-ups, die Medikamente gegen das Altern von Hunden entwickeln. Die Frage, die über all dem steht, ist naheliegend: Lässt sich Alter nicht mehr nur begleiten, sondern behandeln?
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Hundeforschung und Altern: Warum Hunde für die Wissenschaft so interessant sind
Dass ausgerechnet Hunde für die Alternsforschung so interessant sind, liegt auch an einem alten biologischen Rätsel. Eine 2007 in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichte Studie zeigte, dass bei Hunden schon wenige genetische Unterschiede enorme Folgen haben können. Große Rassen wie Deutsche Doggen, Mastiffs oder Sennenhunde sterben oft bereits mit sechs oder sieben Jahren. Kleine Hunde wie Chihuahuas oder Yorkshireterrier werden dagegen nicht selten doppelt so alt. Gerade diese Unterschiede machen Hunde für Forscher interessant.
Doch nicht nur die extremen Unterschiede zwischen den Rassen spielen dabei eine Rolle. Hunde sind den Menschen näher als fast jedes andere Versuchstier. Sie atmen dieselbe Luft, trinken dasselbe Wasser und essen, sofern man nicht aufpasst, oft auch von denselben Tellern. Zugleich entwickeln sie im Alter ähnliche Leiden wie wir. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 kommt zu dem Schluss, dass sie häufig an Krebs, Gebrechlichkeit und kognitiven Störungen leiden. Herzinfarkte seien bei ihnen zwar selten, vieles andere aber komme uns unangenehm bekannt vor.
Ein weiterer Vorteil aus Sicht der Forschung ist ihr schnelles Altern. Was sich beim Menschen erst über Jahrzehnte beobachten lässt, zeigt sich bei Hunden oft innerhalb weniger Jahre. Daniel Promislow, einer der Köpfe hinter dem Dog Aging Project, sagt: „Weil bei Hunden alles rund zehnfach beschleunigt ist, können wir von ihnen zehn Mal so schnell über die Alterung lernen.“
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Dog Aging Project: Die größte Studie zur Hundelanglebigkeit
Aus dieser Überlegung heraus gründeten Promislow und sein Kollege Matt Kaeberlein 2014 das Dog Aging Project, eine der größten Langzeitstudien zur Frage, wie Hunde altern. Rund 50.000 Tiere sind inzwischen Teil des Projekts. Ihre Halter füllen Fragebögen aus und schicken Haar-, Blut-, Urin- und Kotproben ein. Auch tierärztliche Befunde und Krankenakten fließen in die Untersuchung ein. So ist, wie Promislow sagt, der weltweit größte Datensatz zu Haushunden entstanden – mit mehr als 80 Millionen Datenpunkten.
Eine der ersten auffälligen Beobachtungen aus dem Projekt betrifft das Fressen. Kaeberlein sagt, es habe sich gezeigt, dass Hunde, die nur einmal am Tag gefüttert werden, ein geringeres Risiko für mehrere altersbedingte Krankheiten hätten. Das heißt allerdings nicht, dass einmal tägliches Füttern automatisch gesünder ist. Die Forscher sehen zunächst nur einen Zusammenhang, keine gesicherte Ursache.
Trotzdem hat der Befund die Wissenschaftler aufhorchen lassen. Er deutet darauf hin, dass nicht nur die Menge des Futters, sondern auch der Zeitpunkt eine Rolle spielen könnte. Vereinfacht gesagt: Vielleicht wirkt sich eine Art Intervallfasten auch bei Hunden positiv aus.
Lesen Sie hier alle Tipps von Longevity-Doc Felix Bertram
Anti-Aging-Medikamente für Hunde: Kann eine Pille das Leben verlängern?
Von dort führt der Gedanke fast zwangsläufig zur nächsten, größeren Idee: zu einem Medikament, das die Vorteile des Fastens nachahmt, ohne dass ein Hund auf Diät gesetzt werden muss. Einer der bekanntesten Kandidaten heißt Rapamycin. Der Stoff wurde ursprünglich in Bodenbakterien auf der Osterinsel entdeckt und greift in Abläufe der Zelle ein, bei denen alte Bestandteile abgebaut und erneuert werden. In Studien mit Hefen, Würmern, Fliegen und Mäusen hat Rapamycin bereits gezeigt, dass es Alterungsprozesse verlangsamen kann.
Nun sollen Hunde folgen. Das Dog Aging Project plant dafür die Studie TRIAD. Untersucht werden soll, ob niedrig dosiertes Rapamycin nicht nur sicher ist, sondern auch Gesundheit und Lebensspanne verbessert. Erste kleinere Studien deuten darauf hin, dass der Stoff bei Hunden verträglich ist und womöglich dem Herzen älterer Tiere nützt. Kaeberlein hält es für gut möglich, dass sich damit tatsächlich Lebenszeit gewinnen lässt.
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Nicht nur Universitäten, auch Start-ups wollen aus dieser Idee ein Geschäft machen. Am weitesten ist bislang das US-Unternehmen Loyal, das seit 2019 hohe Summen eingesammelt hat und an mehreren Präparaten arbeitet. Besonders viel Aufmerksamkeit bekam LOY-002, ein Mittel für ältere Hunde, das Stoffwechselprozesse beeinflussen soll, die mit Kalorienrestriktion zusammenhängen und so das Altern von Hunden verlangsamen könnten.
Mehr muss man an dieser Stelle über LOY-002 gar nicht wissen. Entscheidend ist etwas anderes: Erstmals hat die US-Arzneimittelbehörde FDA für ein solches Mittel die begründete Erwartung anerkannt, dass es wirksam sein könnte. Im Januar 2026 akzeptierte die Behörde zudem das Sicherheitspaket. Damit sind zwei wichtige Hürden für eine erweiterte bedingte Zulassung genommen.
Ob diese Medikamente am Ende halten, was ihre Entwickler versprechen, ist offen. Sicher ist nur: Der Hund ist in einer Forschung angekommen, die weit über ihn hinausweist. Wer besser versteht, warum Hunde altern, lernt womöglich auch etwas über das Altern des Menschen.













