Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland nach wie vor die häufigste Todesursache und betreffen Männer oft deutlich früher als Frauen. Eine aktuelle Langzeitstudie der Northwestern University in Illinois zeigt nun: Das höhere Herzinfarktrisiko von Männern lässt sich nicht allein durch ungesündere Lebensgewohnheiten erklären. Gleichzeitig unterstreicht die Untersuchung eine klare Empfehlung: Männer sollten ab dem 35. Lebensjahr regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen.

Früh, aber nicht nur ungesünder

In der großangelegten CARDIA-Studie wurden über 5000 junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren über mehr als drei Jahrzehnte begleitet. Ziel war es, den Einfluss von Lebensstil, Blutwerten, Body-Mass-Index und weiteren Faktoren auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz zu untersuchen.

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Bis zum Alter von 35 Jahren lag das Risiko für einen Herzinfarkt bei Männern und Frauen etwa gleich. Danach zeigte sich jedoch ein deutlicher Unterschied: Männer entwickeln koronare Herzkrankheiten im Schnitt zehn Jahre früher als Frauen. Bis zum 50. Lebensjahr erlitten bereits fünf Prozent der Männer ein schwerwiegendes kardiovaskuläres Ereignis, bei Frauen waren es drei Prozent. Selbst nach Anpassung für Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Rauchen oder Blutdruck blieb die Kluft bestehen, was auf biologische oder soziale Einflüsse hinweist, die bisher nicht abschließend geklärt sind.

Zehnjahresrisiko steigt ab 35

Die Daten zeigen, dass das Herzinfarktrisiko bei Männern ab etwa 35 Jahren spürbar ansteigt. Das sogenannte Zehnjahresrisiko – die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der nächsten zehn Jahre ein Herz-Kreislauf-Ereignis zu erleiden – ist nach 50 Jahren fast doppelt so hoch wie bei Frauen. Einzig die Schlaganfallraten unterscheiden sich zwischen den Geschlechtern kaum.

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Die Forscher betonen, dass Faktoren wie Stress, Schlafqualität oder Zugang zu medizinischer Versorgung in der Analyse nicht vollständig berücksichtigt wurden. Trotzdem ergibt sich ein klares Bild: Männer sollten ab dem mittleren 30er-Alter auf regelmäßige Vorsorge achten, unabhängig davon, wie gesund sie sich fühlen oder wie ausgewogen ihr Lebensstil ist.

Lebensstil bleibt wichtig – aber reicht nicht aus

Die Studie macht deutlich, dass gesunde Ernährung, Bewegung und Rauchverzicht zwar weiterhin entscheidend sind, um Herzkrankheiten vorzubeugen, allein aber das höhere Risiko bei Männern nicht erklären. Biologische Unterschiede, hormonelle Faktoren oder bisher unbekannte Mechanismen könnten eine Rolle spielen.

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Für Ärzte und Präventionsprogramme bedeutet dies: Männer sollten gezielt angesprochen und frühzeitig untersucht werden. Tests auf Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker und Herzgesundheit können helfen, Risiken rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.