Nicht jede Beziehungskrise führt direkt zur Trennung. Doch viele Paare brauchen für die Lösung ihrer Probleme manchmal Hilfe von außen. Eine Paartherapie oder Eheberatung unterstützt Betroffene in schwierigen Phasen und bei hartnäckigen Konflikten – etwa wenn ein Partner fremdgegangen ist. Die Suche nach dem idealen Therapeuten oder der besten Therapeutin stellt Paare dabei oft ebenfalls vor Herausforderungen.

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Erschwerend kommt hinzu: Die Berufsbezeichnung des Paartherapeuten ist in Deutschland kein geschützter Begriff. „Viele Menschen nennen sich Paartherapeut oder Paarberater, ohne die entsprechenden Ausbildungen zu haben“, sagt der psychologische Psychotherapeut und Psychoanalytiker Prof. Dr. Christian Roesler. Er forscht zum Thema und bildet selbst Paartherapeuten und Paartherapeutinnen aus. Er erklärt, was eine gute Paarberatung ausmacht und worauf Paare bei der Auswahl eines Therapeuten achten sollten.
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Paarberatung bei Psychotherapeuten: Nicht immer die beste Wahl
Roesler rät Paaren, ihre Optionen zunächst nach Berufsbezeichnungen zu sortieren: Approbierte Psychotherapeuten seien dabei nicht automatisch die beste Wahl. „Sie haben zwar eine sehr gute Ausbildung, sind allerdings für die Arbeit mit Einzelpersonen qualifiziert“, so der Experte. Die Arbeit mit einem Paar erfordere eine andere Gesprächsführung und eine spezifische Ausbildung.
Coaching-Angebote seien ebenfalls problematisch, sagt Roesler. „Der Begriff Coach kommt eigentlich aus der berufsbezogenen Beratung.“ Laut dem Experten fehlen solchen Coaches oft wichtige therapeutische Qualifikationen und Kenntnisse. Das kann besonders bei Personen mit psychischen Problemen, Gewalt- oder Traumaerfahrungen zu weiteren Schäden führen, anstatt die Beziehungsprobleme zu lösen.
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Auch die Präsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer, Dr. Andrea Benecke, warnt vor Beratungsstellen ohne entsprechende Kenntnisse: Eine Ausbildung zum Paartherapeuten könne zum Beispiel an ein psychologisches oder sozialwissenschaftliches Studium anknüpfen, erklärt sie. Benecke empfiehlt Paaren, „sich vorab über die Qualifizierung der potenziellen Paartherapeuten oder -therapeutinnen zu informieren und gegebenenfalls nachzufragen“.
Viele Beratungsstellen und private Beratungen informieren bereits auf ihren Webseiten über entsprechende Qualifikationen. Auch die Mitgliedschaft in einem anerkannten Fachverband kann darüber Aufschluss geben: Dazu gehören etwa die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF), die Systemische Gesellschaft (SG) und die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung (DAJEB).
Was kostet Paartherapie? Experte gibt wichtigen Tipp
Besonders institutionelle Beratungsstellen für Paarprobleme stellten klare Qualifikationsanforderungen an ihre Mitarbeitenden, sagt Roesler. In dem Zusammenhang rät er Paaren dazu, auch gemeinnützige oder kirchliche Träger in die Suche einzubeziehen. Oft seien solche Angebote kostengünstiger als private Therapien oder sogar umsonst. Tatsächlich fordern viele lediglich eine Selbstbeteiligung im niedrigen zweistelligen Bereich.

Da die gesetzlichen Krankenkassen die Paartherapie in Deutschland nicht übernehmen, spielen die Kosten bei der Suche eine zentrale Rolle. Die Honorare der privaten Beratungsstellen variieren je nach Therapeut und Sitzungsdauer. Sitzungspreise von 200 Euro und mehr sind nicht unüblich. Online-Beratungen sind dagegen oft schon ab 60 bis 80 Euro pro Sitzung verfügbar. Dennoch kann sich eine Paarberatung bei mehreren Sitzungen schnell auf mehrere tausend Euro summieren.
Auch deshalb spricht sich Roesler für eine Kassenübernahme der Paartherapie aus: „Unversorgte Paarprobleme können einen großen volkswirtschaftlichen Schaden erzeugen und zu einer vermehrten Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems führen“, sagt er. Zudem führe die Paartherapie als Kassenleistung auch zu einer besseren Kontrolle des Angebots.
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Erstgespräch in der Paartherapie: Diese Fragen zählen
Trotz aller Recherchen und Qualifikationen kann sich ein Therapeut oder eine Therapeutin auch noch während der Beratung als ungeeignet für ein Paar erweisen. Deswegen sollten Betroffene die erste Sitzung nutzen, um einerseits Nachfragen über die Expertise und Erfahrung zu stellen, aber auch für organisatorische Absprachen:
- Wie schätzt der Paarberater oder die Paarberaterin die Beziehungsprobleme ein?
- Wie viele Beratungen sollte das Paar schätzungsweise in Anspruch nehmen?
- Mit welchen Kosten kann es dabei rechnen?
Ein wichtiger Aspekt dabei sei auch der therapeutische Ansatz, sagt Christian Roesler. Er forscht selbst zur Wirksamkeit der verschiedenen Therapiemodelle: „Einer der am besten bestätigten Ansätze ist die emotionsfokussierte Paartherapie“, erklärt der Professor. Dabei lernen Paare, besser mit ihren Gefühlen umzugehen und diese in der Beziehung transparent zu machen. Weit verbreitet ist auch die systemische Therapie, die die Verhaltensmuster des Paares als Zusammenspiel beider Partner und ihres Umfelds betrachtet.
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Ansonsten zählt bei der idealen Paarberatung natürlich der persönliche Eindruck. „Vermittelt die Person das Gefühl, sie verstehe das Anliegen des Paares und könne eine neue Perspektive darauf eröffnen?“, sagt Roesler. „Es sollte gleich die Hoffnung entstehen, in dieser Therapie die nötige Hilfe zu bekommen.“ Dabei stellt sich der Therapeut oder die Therapeutin nicht auf die Seite einer Person, sondern fungiert als Vermittler – egal, ob sich das Paar am Ende für seine Beziehung oder eine Trennung entscheidet.







