Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dreht das Rad zurück: Drei Jahre nach der Lockerung des Handyverbots an Schulen will er die Regeln wieder verschärfen. Künftig sollen Smartphones und Mobiltelefone bis einschließlich der siebten Jahrgangsstufe verboten sein. Bislang gilt ein solches striktes Verbot nur an Grundschulen und in Teilen der Förderschulen.

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Bekannt gegeben hat Söder seinen Vorstoß auf der Herbstklausur der CSU-Landtagsfraktion im oberfränkischen Kloster Banz. „Das ist ein Wunsch der Fraktion gewesen“, erklärte er. Abgestimmt sei der Plan auch mit Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler).

Handyverbot in Bayern: Kurswechsel sorgt für Widerspruch

Die Ankündigung überrascht, weil Stolz erst vergangene Woche zum Schuljahresbeginn betont hatte, dass die bestehenden Regeln „sehr ausgewogen“ seien. Rückmeldungen aus den Schulen hätten keinen zusätzlichen Handlungsbedarf erkennen lassen. Mit Söders Vorstoß würde die Entscheidungshoheit der einzelnen „Schulfamilien“ nun deutlich eingeschränkt: Eigene Regelungen zur privaten Handynutzung sollen künftig nicht mehr ab der fünften, sondern erst ab der achten Jahrgangsstufe möglich sein.

Erst 2022 hatte dieselbe Koalition aus CSU und Freien Wählern das bis dahin strikte Handyverbot gelockert. Nach langen Diskussionen mit Eltern-, Lehrer- und Schülerverbänden erhielten weiterführende Schulen damals die Freiheit, eigene Regeln zu erlassen. Einige Schulen untersagten die Nutzung vollständig, andere erlaubten sie eingeschränkt, etwa in Pausen oder während der Mittagszeit. Söders Vorschlag würde diese Freiräume nun zurücknehmen. Formal dürfte dies allerdings eine Gesetzesänderung im Landtag erfordern.

Parallel will die Staatsregierung auch die digitale Ausstattung der Schulen später ansetzen. Tablets und Laptops sollen Schülerinnen und Schüler künftig erst ab Klasse acht erhalten – und damit deutlich später, als es CSU und Freie Wähler im Koalitionsvertrag vereinbart hatten. Ministerpräsident Söder rechtfertigte den Schritt mit dem Leitmotiv „keine Experimente“. Reformideen wie „keine Noten, keine Exen, kein Sitzenbleiben“ wies er explizit zurück. Schule müsse, so Söder, neben Erziehung vor allem auch Leistung vermitteln.

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Neue Handy-Regelung: kaum praktische Folgen – oder doch?

Für viele Schulen in Bayern dürfte Söders Vorstoß kaum spürbare Konsequenzen haben. Schon heute untersagen zahlreiche Einrichtungen die private Handynutzung während der gesamten Schulzeit und erlauben sie erst nach dem Verlassen des Schulgeländes. Besonders streng geregelt ist die Situation an Grundschulen und in den unteren Jahrgangsstufen der Förderschulen: Dort gilt ein vollständiges Verbot, das nur in Ausnahmefällen aufgehoben wird – etwa wenn Lehrkräfte Smartphones gezielt zu pädagogischen Zwecken einsetzen.

Anders sieht es an einigen weiterführenden Schulen aus, die ihren Schülerinnen und Schülern bislang mehr Freiheiten zugestanden haben, etwa die Nutzung des Smartphones in Pausen. Genau dort würde die geplante Verschärfung besonders ins Gewicht fallen: Für Fünft- bis Siebtklässler bedeutete sie eine deutliche Umstellung ihres Schulalltags.

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Smartphoneverbot an Schulen bundesweit im Gespräch

Nicht nur in Bayern wird über Handyfreie Schulen gestritten. In Baden-Württemberg forderte der Landesschülerbeirat jüngst ein Verbot auch für Lehrkräfte – sie müssten als Vorbilder auftreten und während der Schulzeit ebenfalls auf private Handynutzung verzichten. Andere Bundesländer prüfen ebenfalls Verschärfungen, überlassen die Entscheidung aber meist den Schulen selbst.

Rückenwind bekommt Söder von der öffentlichen Meinung. Laut einer aktuellen Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden lehnen 72 Prozent der Deutschen private Handynutzung an Schulen ab. Besonders an Grundschulen ist der Widerstand groß: 95 Prozent sprechen sich gegen Smartphones im Schulalltag aus. Für ein generelles, flächendeckendes Handyverbot sind bundesweit immerhin 53 Prozent – an Grundschulen sogar 80 Prozent.

mit dpa