Mal ist es das Knie nach einem Sturz, mal der Bauch morgens vor der Schule – wenn Kinder über Schmerzen klagen, sind Eltern alarmiert. Doch nicht immer lässt sich leicht feststellen, wie schlimm es wirklich ist. „Natürlich gilt es bei akuten Schmerzen immer zuerst abzuklären, ob es eine organische Ursache dafür gibt“, erklärt Julia Wager, Leiterin der Forschungsabteilung am Deutschen Kinderschmerzzentrum in Datteln.

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Oftmals stehen die Eltern – und auch die behandelnden Fachkräfte – dabei vor einem Problem: „Schmerz ist etwas ganz Subjektives. Es gibt keine Möglichkeit, Elektroden anzubringen und genau zu messen, wie die Kinder ihn wahrnehmen“, sagt Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Wager. Wie also deuten Eltern die Schmerzen ihrer Kinder richtig? Und was, wenn diese Schmerzen chronisch werden? Das erklärt die Expertin hier.
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Das Schlimmste für die Kinder sei es, nicht ernst genommen zu werden, erklärt Expertin Julia Wager. „Wenn ein Kind sagt, dass der Schmerz so und so stark ist, dann nehme ich das genau so hin“, so Wager. Wie intensiv die Schmerzen sind, könne man auch bei Kindern schon erfragen, beispielsweise mit einer Skala von eins bis zehn. „Die Kinder können das meistens ganz gut einschätzen und benennen.“
Dass Kinder simulieren, komme übrigens nur selten vor. Jedoch könnten durch Schulangst, großen Stress oder Mobbing Schmerzen intensiver wahrgenommen werden. Dann müsse nicht nur der Schmerz behandelt, sondern die Ursache angegangen werden, sagt Wager.
Bei akuten Schmerzen stehe natürlich der Arztbesuch an erster Stelle, um akute Krankheiten auszuschließen. Sind die Schmerzen chronisch, sei es wichtig, dass die Kinder aktiv bleiben, statt sich zu schonen. Sie sollten also nach Möglichkeit weiter zur Schule gehen, ihren Hobbys nachgehen und Freunde treffen. „Langanhaltende chronische Schmerzen und Schonung können schlimme negative Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung haben“, betont die Psychotherapeutin.

Ärztin alarmiert: Eltern geben zu wenig Schmerzmittel
Doch wie werden Kinder ihre Schmerzen los? Schließlich könnten sie bis ins Erwachsenenalter erhalten bleiben, wenn sie nicht behandelt werden, warnt Wager. Rosemarie Ahnert, Oberärztin am Bayrischen Kinderschmerzzentrum, hat schon oft miterlebt, dass Eltern sich schwer damit tun, ihren Kindern einfach Schmerzmittel zu geben. „Es ist irre“, sagt sie. „Wenn ein Fieberthermometer 40,3 Grad anzeigt, geben die meisten Eltern einen Fiebersaft.“ Wenn Kinder jedoch quengelig werden und über Schmerzen klagen, fragten sie sich, ob ein Medikament wirklich sein müsse.
Ahnert führt das auf die Haltung zurück, die es oft in der Gesellschaft gebe: Es gehe auch ohne Schmerzmittel. Das möge ja stimmen, irgendwann verschwinde der Schmerz, „aber die Zeit bis dahin war dann halt richtig schlimm“, erklärt die Kinder- und Jugendärztin. Schmerz könne man nicht sehen, und besonders, wenn es keine ersichtliche Ursache gebe, werde die Situation schnell belastend.
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Kinderschmerzzentren können Anlaufstelle sein
Obendrein sei Deutschland unterversorgt, so gebe es nur vier Kinderschmerzzentren. In diesen Zentren lernen Kinder, wie sie mit dem Schmerz umgehen können, wann sie wie viel Schmerzmittel nehmen sollten. Auch Methoden aus der Psychotherapie kommen zu Einsatz. Ziel sei der aktive Alltag. „Wenn die Situation aktuell so ist, dass man alles vermeidet, zum Beispiel sich nicht bewegt oder nicht mehr zur Schule geht, dann versuchen wir den Kindern und Jugendlichen alltagstaugliche Strategien an die Hand zu geben, wie man trotz des Schmerzes aktiv sein kann“, sagt Ahnert.
„Es würde schon helfen, wenn man Eltern über den chronischen Schmerz aufklären würde und man sie dazu ermutigt, dass man Schmerzmittel geben kann“, sagt die Oberärztin. Vielen Menschen sei nicht bewusst, dass beispielsweise ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen öfter als einmal die Woche Schmerzen haben. Drei bis fünf Prozent aller Kinder seien davon so schwer beeinträchtigt, dass sie eigentlich eine stationäre Behandlung bräuchten, weil ihre Lebensqualität so eingeschränkt ist. „Aber weil man den Kindern das nur selten ansieht, haben sie auch keine Lobby.“








