Wie eng der Darm und das Gehirn miteinander verflochten sind, wird in der medizinischen Forschung seit Jahren diskutiert. Britische Forscher liefern nun spannende Hinweise darauf, wie die Darmflora die geistige Fitness im Alter positiv beeinflussen kann.

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Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des King’s College London konnten in einer Zwillingsstudie, die im Fachmagazin „Nature Communication“ veröffentlicht wurde, zeigen: Bestimmte Präbiotika, eine spezielle Art von Ballaststoffen aus natürliche Pflanzenfasern, fördern nicht nur die Verdauung, sondern verbessern auch messbar die kognitive Leistungsfähigkeit älterer Menschen.
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Gemeint ist hier konkret eine Verbesserung folgender Fähigkeiten:
- Aufmerksamkeit
- Konzentration
- Sprachvermögen
- räumliches Denken
- Erinnerungs- oder Kombinationsfähigkeit
Dafür verantwortlich ist die Verbindung zwischen Darm und Gehirn – bekannt als Darm-Hirn-Achse. Es handelt sich dabei um eine komplexe Kommunikationsachse, über die Darmbakterien durch Signalstoffe wie kurzkettige Fettsäuren (SCFA) das Gehirn modulieren können. Die britische Studie untersuchte insbesondere den Effekt von Präbiotika wie Inulin und Fructooligosacchariden (FOS), die als Nahrungsquelle für „gute“ Darmbakterien gelten.
An der Studie nahmen insgesamt 72 Personen teil, aufgeteilt in 36 eineiige Zwillingspaare, um eine Verzerrung der Ergebnisse durch genetische Faktoren möglichst auszuschließen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 73 Jahren. Aber wichtig zu wissen: Knapp 80 Prozent der Zwillingspaare, nämlich 56 von 72 Personen, waren weiblich.
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Innerhalb jedes Paares bekamen eine Person täglich ein Präbiotikum mit Inulin und FOS. Der andere Zwilling bekam ein Placebo in identischer Optik. Alle Probanden erhielten zusätzlich ein Nahrungsergänzungsmittel mit einem speziellen Protein (verzweigtkettigen Aminosäuren) zur Unterstützung der Muskelkraft. Denn: Sie alle sollten zudem ein einheitliches Bewegungsprogramm durchführen – mindestens zweimal pro Woche Krafttraining, um dem altersbedingten Muskelabbau entgegenzuwirken.
Das Ergebnis: Nach zwölf Wochen schnitten jene Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die die Präbiotika erhalten hatten, bei kognitiven Tests besser ab als ihre Zwillingsgeschwister mit dem Placebo. Die Forschenden nutzen für ihre Untersuchung einen standardisierten Gedächtnistest – unter anderem zur visuellen Merkfähigkeit. Dieser Test wird auch zur Früherkennung von Alzheimer eingesetzt und deutet bei positiven Ergebnissen auf eine gute geistige Fitness hin.
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Zudem beobachteten die Forschenden eine Veränderung des Mikrobioms. Mit den Präbiotika hatte nicht nur die Gedächtnisleistung der Probanden, sondern auch eine bestimmte Art von Bakterien in deren Darm zugenommen. Diese Bakterien der Gattung Bifidobacterium sind bekannt für ihre gesundheitsfördernd Eigenschaften. Studien an Mäusen etwa legen nahe, dass sie über die Darm-Hirn-Achse auch kognitive Funktionen beeinflussen.
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Die Rolle der „guten“ Darmbakterien
Anders als vom Forschungsteam um Dr. Mary Ni Lochlainn erhofft, zeigte sich neben den Auswirkungen auf das Gehirn ergänzend jedoch keine auffallende Verbesserung der Muskelkraft der Präbiotika-Nutzer im Vergleich zur Kontrollgruppe. Auch das Körpergewicht blieb über die Studiendauer hinweg stabil.
Die Muskelkraft der Teilnehmenden wurde unter anderem an der Zeit für das fünfmalige Aufstehen aus dem Stuhl kontrolliert. Ebenfalls ein klassischer Test für ältere Menschen.
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Dabei hatten die Forscher gehofft, dass die Modulation des Darmmikrobioms auch gegen altersbedingten Muskelabbau (Sarkopenie) wirken könnte. Tierstudien und erste Hinweise aus früheren Studien mit Menschen deuten darauf hin, dass eine gesunde Darmflora möglicherweise auch dem altersbedingten Muskelabbau entgegenwirkt. Ein klarer Beleg dafür steht noch aus. Dafür sind weitere Forschung und längere Beobachtungszeiträume nötig.
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Ein Ansatz mit Zukunft
Ein besonderes Merkmal der Studie war nicht nur das Zwillingsdesign, das genetische und umweltbedingte Unterschiede weitgehend ausgleicht, sondern auch die vollständig digitale Durchführung: Die Teilnehmenden erhielten Tests, Fragebögen und Nahrungsergänzungsmittel per Post. Beratung und kognitive Prüfungen fanden per Video statt.
Die mehrheitlich weiblichen Teilnehmer und die kurze Studiendauer von zwölf Wochen begrenzen zwar die Übertragbarkeit der Ergebnisse, dennoch scheint der Einsatz von Nahrungsergänzungsmittel mit Ballaststoffen wie Inulin und FOS zur Erhaltung der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter vielversprechend. „Wir sind begeistert davon, solche Veränderungen nach nur zwölf Wochen zu sehen“, so Ni Lochlainn in einer Mitteilung der Universität. Unklar bleibt, ob die positiven Effekte auf das Gedächtnis langfristig erhalten bleiben. Größere und länger laufende Studien sollen nun folgen.














