Wie ein Schlag in die Magengrube. So hat sich die Nachricht angefühlt, dass das Baby, welches Svenja in ihrem Bauch trägt, ein Junge ist. „Ich starrte meine Frauenärztin fassungslos an. Dann fing ich an zu weinen. Jedoch nicht vor Freude, sondern vor Enttäuschung und Wut“, erzählt die 39-Jährige. Svenja, die zu dem Zeitpunkt bereits einen Sohn hat, kann ihre Gefühle vor der Gynäkologin nicht verbergen. „Ich wollte schon immer eine Tochter haben. Dass ich erneut mit einem Jungen schwanger bin und meinen Traum von einem Mädchen aufgeben muss, hat mich niedergeschmettert“, gesteht die Kölnerin.

Svenja schämt sich für ihre Gefühle und Gedanken, die sie regelrecht überfluten. Deswegen will sie auch ihren vollen Namen nicht in den Medien lesen oder sich mit Bild zeigen. Zu groß ist ihre Angst, dafür verurteilt zu werden. Dabei ist das, was Svenja widerfahren ist, kein Einzelfall. Gender Disappointment nennt sich das Phänomen und bezeichnet die Enttäuschung, die Eltern empfinden können, wenn das Geschlecht ihres ungeborenen Kindes nicht dem entspricht, was sie sich gewünscht haben. Jedoch erlebt Svenja einen extremen Fall davon.

Gender Disappointment: Viele Eltern verspüren Scham und Schuldgefühle