Albträume gelten oft als harmloses nächtliches Ärgernis. Doch neue Forschung aus Großbritannien stellt diese Annahme infrage – mit beunruhigenden Ergebnissen. „Menschen, die häufiger Albträume haben, altern schneller und sterben früher“, sagt Studienleiter Abidemi Otaiku in einem Interview mit dem „New Scientist“.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Das zeigt eine groß angelegte Analyse von Forschern am Imperial College London, die jetzt auf dem Kongress der Europäischen Akademie für Neurologie in Helsinki vorgestellt wurde. Die Auswertung basiert auf Daten von mehr als 183.000 Erwachsenen zwischen 26 und 86 Jahren, die über einen Zeitraum von bis zu 19 Jahren beobachtet wurden.
Albträume: dreifach erhöhtes Sterberisiko
Der Zusammenhang ist deutlich: Erwachsene, die mindestens einmal pro Woche Albträume haben, weisen ein mehr als dreifach erhöhtes Risiko auf, vor dem 70. Lebensjahr zu sterben, verglichen mit jenen, die nie oder nur selten schlecht träumen. Der Zusammenhang war stärker als bei anderen bekannten Risikofaktoren wie Rauchen, Fettleibigkeit oder mangelnder Bewegung.
Lesen Sie auch
Zusätzlich erfasste das Forschungsteam biologische Alterungsprozesse mithilfe sogenannter Telomere, winziger DNA-Strukturen am Ende der Chromosomen, deren Verkürzung als Marker für Zellalterung gilt. Die Ergebnisse: Häufige Albträume gehen mit kürzeren Telomeren und somit beschleunigter Zellalterung einher. Auch molekulare Messverfahren wie epigenetische Uhren bestätigten diesen Zusammenhang.
„Selbst bei Kindern, die häufiger Albträume haben, beobachten wir verkürzte Telomere, was auf eine beschleunigte Alterung hinweist“, erklärt Otaiku laut „New Scientist“. Das deutet darauf hin, dass der Effekt sich bereits früh im Leben auswirken kann.
Auch interessant
Warum schlechte Träume so schädlich sind
Woran das liegt, ist noch nicht vollständig geklärt. Zwei Mechanismen scheinen jedoch zentral: Erstens führt die emotionale Belastung durch Albträume offenbar zu dauerhaft erhöhtem Stress, insbesondere zu einem Anstieg des Hormons Cortisol, das wiederum mit schnellerer Zellalterung in Verbindung gebracht wird.
Zweitens stören die nächtlichen Angstzustände den Tiefschlaf, jenen Teil der Nacht, in dem der Körper eigentlich regenerieren soll.
Albträume als unterschätztes Gesundheitsrisiko
Die Ergebnisse gelten über alle Altersgruppen, Geschlechter und ethnischen Hintergründe hinweg. Das weist laut den Forschern auf einen universellen biologischen Effekt hin, unabhängig von Vorerkrankungen oder psychischer Gesundheit.
Lesen Sie auch
„Die gute Nachricht ist: Albträume lassen sich behandeln und oft auch verhindern“, betont Otaiku. Wer regelmäßig unter schlechten Träumen leidet, sollte auf Schlafhygiene achten, Stress reduzieren und bei Bedarf therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Auch der Verzicht auf Horrorfilme vor dem Zubettgehen kann helfen.











