Forscher und Behörden sind sich einig: Das Jahr 2025 ist Zeckenjahr auf Mallorca, selten gab es mehr der blutsaugenden Krabbler. Die regenreichen Monate vor dem Frühling hätten das Pflanzenwachstum angekurbelt und damit die Bedingungen für Parasiten wie Zecken deutlich verbessert. „Zecken sind saisonale Tiere, die von Faktoren wie Niederschlag und Vegetationsdichte abhängen“, sagt Miquel Àngel Miranda, Professor für Zoologie an der Universität der Balearen.

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Was sich nüchtern als „optimale Bedingungen“ beschreiben lässt, bedeutet in der Praxis: mehr Zecken, höheres Risiko – besonders für Menschen, die sich abseits der Strände aufhalten. Denn der in Deutschland weit verbreitete Gemeine Holzbock spielt hier nur eine Nebenrolle. Auf Mallorca macht sich eine andere Zeckenart breit, die größer, schneller und zielstrebiger ist.

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Zeckenarten auf Mallorca: Rund 30 Arten – doch eine sticht heraus

Auf Mallorca leben schätzungsweise 30 verschiedene Zeckenarten, wie der Mikrobiologe Michael Bröcker der „Mallorca Zeitung“ mitteilte. Die meisten von ihnen bleiben unauffällig und folgen dem bekannten Muster: Sie lauern, stechen zu und fallen ab. Eine nun vermehrt beobachtete Art tanzt jedoch aus der Reihe: die Zecken der Gattung Hyalomma.

Diese Art sieht nicht nur aus wie ein Mini-Skorpion, sondern verhält sich auch so. Sie kann laut Bröcker bis zu zwei Zentimeter groß werden, ihr Ziel aus bis zu zehn Metern Entfernung erspähen und über Hunderte Meter verfolgen. Anders als ihre deutschen Verwandten wartet sie nicht im Gras, bis ein Opfer vorbeikommt. Hyalomma geht auf die Jagd.

Größenvergleich: Links der kleine Gemeine Holzbock – rechts die wuchtige Hyalomma-Zecke, die auf Mallorca zunehmend aktiv wird.
Größenvergleich: Links der kleine Gemeine Holzbock – rechts die wuchtige Hyalomma-Zecke, die auf Mallorca zunehmend aktiv wird.© dpa | Lidia Chitimia-Dobler

Besonders häufig wurde diese Art im Rahmen des Projekts „Paparra Balear“ nachgewiesen, bei dem die Einwohner der Balearen eingesammelte Zecken einsandten. Mit Abstand am häufigsten wurde Hyalomma lusitanicum gefunden. Die meisten Exemplare stammten aus der Umgebung der Ortschaft Muro, einem Schwerpunktgebiet, in dem die Parasiten offenbar ideale Bedingungen vorfinden.

Krankheiten durch Zecken auf Mallorca: Krim-Kongo-Fieber als Gefahr

Die besondere Gefährdung durch die auf Mallorca verbreiteten Zecken liegt allerdings nicht allein in ihrer Jagdtechnik, sondern in den Krankheiten, die sie übertragen können. Während in Deutschland vor allem die Borreliose gefürchtet wird, die laut dem Robert Koch-Institut (RKI) bei ein bis drei Prozent der Infizierten ausbricht, tragen Hyalomma-Zecken ein anderes Risiko: das Krim-Kongo-Fieber. Eine potenziell tödliche Virusinfektion, gegen die es bisher weder Impfung noch wirksame Therapie gibt.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt die Sterblichkeitsrate bei einer Infektion zwischen zwei und 30 Prozent und kann in schweren Fällen bis zu 50 Prozent betragen. In Spanien wurden bisher zwar keine Todesfälle gemeldet. Doch Experten gehen davon aus, dass Infektionen häufig unbemerkt verlaufen – mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen. Dass der Auslöser ein Zeckenbiss war, sei laut WHO vielen nicht bewusst: Der Kontakt liegt dann meist ein bis zwei Wochen zurück.

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Zeckenverbreitung auf Mallorca: Wo das Risiko besonders hoch ist

Bislang wurde die geografische Verteilung von Zecken auf Mallorca kaum flächendeckend untersucht. Doch bereits jetzt zeichnen sich gewisse Muster ab. Laut Professor Miranda sind die Zecken dort besonders aktiv, wo sich ihre bevorzugten Wirte aufhalten. Dazu zählen Rinder, Pferde und Schafe – aber auch Spaziergänger mit Wanderschuhen. Auch Wildkaninchen, die oft unterschätzt werden, sollen im Vermehrungszyklus der Zecken eine zentrale Rolle spielen. Miranda zufolge ist die Nähe zu Nutztieren daher ein klarer Risikofaktor, ebenso wie Freizeitareale entlang traditioneller Tierpfade.

Zwar gibt eine vom Forschungsinstitut CIBIR La Rioja koordinierte Studie Entwarnung für Stadtbewohner, da in Mallorcas Gärten und Parks kaum Zecken nachgewiesen wurden. Wer jedoch das Inselinnere erkundet, sollte vorbereitet sein. Das Robert Koch-Institut empfiehlt „feste Schuhe, lange Hosen und Ärmel“, wenn man durch Gras, Gebüsch oder Unterholz geht. Zwar mag es unmodisch wirken, die Hosenbeine in die Socken zu stecken, doch dies erschwert Zecken den Zugang zur Haut erheblich. Wer Haustiere hat, sollte sie mit geeigneten Schutzmitteln wie Halsbändern oder Spot-on-Präparaten behandeln und sie regelmäßig auf Parasiten untersuchen.

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Zeckenbiss: Was tun im Ernstfall?

Ein Zeckenbiss ist zwar nicht immer ein medizinischer Notfall, aber gegebenenfalls ein Anlass, einen Arzt aufzusuchen. Die balearischen Gesundheitsbehörden empfehlen, möglichst bald eine Klinik oder ein Gesundheitszentrum aufzusuchen, um die Zecke fachgerecht entfernen zu lassen. Falls das nicht möglich ist: Pinzette zur Hand nehmen, Ruhe bewahren und bitte den Kopf mit entfernen. Dieser sollte nicht in der Haut verbleiben.

Professor Miranda plädiert für eine größere Perspektive. Zecken seien kein isoliertes Phänomen, sondern Teil eines ökologischen Systems, das Mensch und Tier gleichermaßen betrifft. Sein Appell lautet: „Nur wenn wir Krankheiten an der Schnittstelle zwischen Tier und Mensch betrachten, können wir ihre Verbreitung verstehen – und begrenzen.“