Um das Leben in meiner Patchwork-Familie zu verstehen, muss man die wichtigsten Personen kennen: Mein Vater und meine Mutter haben zwei gemeinsame Kinder – meinen jüngeren Bruder und mich. Nach der Scheidung heiratete mein Vater erneut. Mit seiner zweiten Frau, meiner sogenannten Stiefmutter, bekam er zwei weitere Kinder: ebenfalls einen Sohn und eine Tochter.
Ich mochte die Begriffe nie, die viele im Zusammenhang mit Patchwork-Familien verwenden: „Stiefmutter“ erinnert mich an die kindermordenden Charaktere in Märchen und Disney-Filmen. „Halbgeschwister“ wirkt, als wären meine Geschwister nur zu fünfzig Prozent echte Familienmitglieder. Es klingt, als reduzierte ich meinen jüngsten Bruder und meine kleine Schwester auf ein biologisches Detail.
- Altersunterschied: Mein Mann ist 14 Jahre jünger: „Andere Frauen waren ihm zu doof“
- Sexualität: Jungfrau und Single Mitte 30: „Ich habe Angst, dass ich alleine ende“
- Stille Geburt: Sternenkind: „Unser Sohn war gesund – und trotzdem starb er“
- Familie: Überforderter Vater: „Bin an meinen Ansprüchen gescheitert“
In unserer Patchwork-Familie – die wir im Übrigen nie als solche bezeichnen – ist jeder gleich viel wert. Mein Vater, seine Frau und die Kinder der beiden gehören genauso dazu wie mein Bruder und ich. Doch auch mein Bruder, meine Mutter und ich gehören zusammen. Wir sind nur andere Teile unserer Familie. Für Außenstehende ist das manchmal schwer zu begreifen: Schließlich entwickeln sich Alltag, Gefühle und Konflikte in Familienformen wir unserer anders.


