Wer nach einer Grippe gereizt, antriebslos oder melancholisch ist, vermutet meist Schlafmangel, Stress oder das Wetter als Ursache. Doch neue Forschungsergebnisse zeigen: Es sind nicht bloß äußere Faktoren, sondern auch unser Immunsystem, das maßgeblich auf unsere Stimmung Einfluss nimmt.

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Seit Langem ist bekannt, dass Infekte nicht nur körperlich belasten, sondern auch die Psyche in Mitleidenschaft ziehen. Das sogenannte „Sickness Behavior“ – eine typische Kombination aus Müdigkeit, Appetitlosigkeit, gedrückter Stimmung und Rückzugsverhalten – wurde bisher als Nebenprodukt der Erkrankung verstanden, wie eine Studie schreibt, die im Journal „Current topics in behavioral neurosciences“ veröffentlicht wurde.
Doch immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass es sich um ein gezielt gesteuertes Verhalten handelt: ausgelöst von entzündungsfördernden Molekülen, sogenannten Zytokinen, die das Immunsystem im Krankheitsfall ausschüttet.
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Immunsystem schüttet Botenstoffe aus – diese lösen ängstliches Verhalten aus
Diese Botenstoffe, darunter insbesondere Interleukin-17 (IL-17), gelangen über das Blut ins Gehirn. Dort beeinflussen sie gezielt Regionen, die für Emotionen, Motivation und Sozialverhalten zuständig sind. Die Amygdala – auch als „Angstzentrum“ des Gehirns bekannt – reagiert besonders empfindlich auf Immunmoleküle wie IL-17A und IL-17C. Eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zeigt anhand von Experimenten an Mäusen: Diese Botenstoffe erhöhen die Aktivität bestimmter Nervenzellen in der Amygdala und führen zu ängstlichem Verhalten.
Die Forscher vermuten eine evolutionär gewachsene, koordinierte Reaktion: Rückzug bei Infektion zum Schutz der Gruppe. Der Körper veranlasst so sich selbst, zur Ruhe zu kommen, um Energie zu sparen und die Heilung zu unterstützen.
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Wird das Immunsystem jedoch dauerhaft aktiviert – etwa bei Autoimmunerkrankungen oder chronischen Entzündungen – , können die psychischen Auswirkungen anhalten. Studien, unter anderem die NAKO Gesundheitsstudie, zeigen: Menschen mit entzündungsbedingten Erkrankungen wie Schuppenflechte oder rheumatoider Arthritis haben ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Angststörungen.
Emotionen beeinflussen das Immunsystem
Während unser Immunsystem unsere Emotionen beeinflussen, beeinflussen auch unsere Emotionen unser Immunsystem: Studien zeigen: Wer positive Emotionen wie Freude, Verbundenheit oder Dankbarkeit häufig erlebt, hat oft eine bessere Abwehr. Der Grund liegt in hormonellen und neuronalen Prozessen – etwa der Ausschüttung von Oxytocin oder Endorphinen. Diese Stoffe fördern nicht nur das Wohlbefinden, sondern unterstützen auch wichtige Immunfunktionen.
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Negative Emotionen wie anhaltender Stress oder Angst können die Immunabwehr aus dem Takt bringen. Chronischer Stress etwa führt häufiger zu Entzündungen, die sich auf den gesamten Körper auswirken. Der Stress kann unter anderem zu Störungen im Magen-Darm-System und zu Herz-Kreislauf-Beschwerden führen. Andere Folge: Wunden heilen langsamer, Impfungen wirken schlechter, und bestehende Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Neurodermitis können sich verschlimmern.








