• Viele Menschen meiden bestimmte Nahrungsmittel und gelten als wählerisch
  • Doch hinter wählerischem Essverhalten kann auch die Essstörung ARFID stecken
  • Pippo leidet seit seinem 5. Lebensjahr darunter – und erzählt, wie er damit klarkommt

Fischstäbchen und Weißbrot. Mehr stand jahrelang nicht auf Pippos Speiseplan. Wenn andere Kinder Spaghetti, Aufläufe oder Obst aßen, saß er vor seinem Teller – und kämpfte. Nicht aus Trotz. Sondern wegen Angst und Ekel. Pippo ist 42 Jahre alt und lebt in Köln. Seit seinem fünften Lebensjahr leidet er an ARFID, der Avoidant Restrictive Food Intake Disorder – auf Deutsch: vermeidende und restriktive Nahrungsaufnahme-Störung. Weltweit sind schätzungsweise rund fünf Prozent der Menschen davon betroffen. Seit 2022 ist ARFID auch in Deutschland als Essstörung offiziell anerkannt. Doch lange wusste Pippo nicht, dass seine „seltsamen Essgewohnheiten“ einen Namen haben.

„Es ist nicht rational zu erklären, aber ich ekel mich vor sehr vielen Lebensmitteln und schaffe es einfach nicht, Dinge zu essen, die für die meisten Menschen total normal sind“, sagt er. Was für andere selbstverständlich ist, löst bei ihm massiven Ekel aus. Das Gefühl, eine Tomate zu probieren, sei für ihn etwa so „als würde ein anderer Mensch eine lebendige Made essen müssen“. Hier erzählt er, wie die Essstörung ihn jahrzehntelang isolierte, wann er endlich eine Diagnose bekam und wie er es heute schafft, neue Lebensmittel zu probieren.