Der Kampf gegen den Krebs erfährt gerade enormen Rückenwind, wenn man Expertinnen und Experten aus Medizin und Forschung zuhört. Anlass für die Zuversicht ist eine Entwicklung, die sich in vielen Lebensbereichen derzeit rasend schnell vollzieht: künstliche Intelligenz (KI). Nein, die Rede ist dabei nicht von seelenlosen Robotern, die den Arzt oder die Ärztin in der Praxis oder am Krankenbett ersetzen – im Gegenteil. Geht es nach Fachleuten, kann moderne KI mit ihren Algorithmen zum einen die Möglichkeiten der Krebsmedizin enorm voranbringen – was an großen Kliniken bereits zum Tragen kommt.

Zum anderen soll künstliche Intelligenz der Ärzteschaft in Kliniken und Praxen immer mehr zeitraubende Arbeit abnehmen, damit den Medizinern mehr wichtige Zeit für Patientinnen und Patienten bleibt. Macht KI die Medizin und damit auch die Krebsbehandlung sogar menschlicher?

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Das ist eines der großen Themen, die am Freitag und Samstag (09./10. Mai) in Berlin mit den Top-Fachleuten des Landes diskutiert werden sollen. Dann steht die sechste Auflage der Yes!Con an, Deutschlands größte Krebsmesse. Die Yes!Con 6.0 bringt erneut Betroffene, Angehörige, Medizin-Experten, Patientenorganisationen und Vereine zusammen und soll für Austausch und neue Inspirationen sorgen.

Krebs: Wie kann mir KI bei meiner Krebstherapie und danach helfen?

Auf der Krebsmesse, organisiert von der gemeinnützigen Patientenorganisation Yeswecan!cer, die wie diese Zeitung zur FUNKE Mediengruppe gehört, dreht sich alles um die Neuerungen der Krebsmedizin. Wie bringen klinische Studien die Krebstherapie voran? Wie schaffen es Betroffene und Angehörige, Arbeit, Alltag und Krankheit besser zu vereinbaren? Und welche neuen Chancen bieten künstliche Intelligenz und Digitalisierung in der Onkologie?

Senior men visiting doctor
Krebspatienten und -patientinnen könnten durch künstliche Intelligenz doppelt profitieren. Ärzte bekommen mehr Zeit für sie und die Therapien werden durch bessere Forschung wirksamer. © Getty Images | svetikd

Zu den Befürwortern von neuen Möglichkeiten wie künstlicher Intelligenz insbesondere im Klinik- und Praxisalltag gehört Prof. Dr. Jochen A. Werner. Der Mediziner ist Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor der Universitätsmedizin Essen und geht Ende Mai in den Ruhestand. Er ist überzeugt: „Die Krebsmedizin wird, wie die Medizin allgemein, durch KI und Digitalisierung wieder menschlicher.“ Sein Anliegen sei es, Wertschätzung, Empathie und Achtsamkeit mit den Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz zu verbinden.

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Für ihn als langjähriger Mediziner und Krankenhausmanager sei KI vor allem eines: eine „kraftvolle Unterstützung“, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten weiter zu verbessern. In der Universitätsmedizin Essen habe er erlebt, so Werner, wie der Einsatz KI-gestützter und digitaler Lösungen nicht nur die Patientensicherheit erhöht habe, sondern auch das medizinische Personal habe entlasten können. „Das schafft im besten Fall mehr Raum für das, was im Zentrum unserer Arbeit stehen sollte: Zeit für Zuwendung, Empathie und echte menschliche Begegnung“, sagt Jochen A. Werner.

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Wie im Alltag der meisten Deutschen – Stichwort ChatGPT, Sprachassistenten und Co. – ist künstliche Intelligenz auch im Klinikalltag bereits allgegenwärtig, bestätigt Werner. Die größten Errungenschaften der KI in der Medizin würden derzeit vor allem in der Unterstützung der Diagnostik und in der Entwicklung personalisierter Therapien liegen.

„Besonders Patientinnen und Patienten mit hochkomplexen Krankheitsbildern, wie wir sie etwa in der Onkologie oder auch bei seltenen Erkrankungen sehen, profitieren davon, dass KI enorme Datenmengen analysieren und dabei Muster erkennen kann, die für den Menschen allein kaum zugänglich wären“, so Werner. Der Wissenszuwachs eröffne Ärzten „neue Behandlungswege, oft auch dort, wo sie zunächst kaum denkbar schienen.“

Krebsbehandlung: Experte erwartet „mehr Lebensqualität und neue Zukunftsperspektiven“

Mit Blick auf die anstehende Krebsmesse Yes!Con in Berlin erklärt Jochen A. Werner, gerade die Krebsmedizin sei ein „beeindruckendes Beispiel“ dafür, wie die Medizin durch KI aktuell enorme Fortschritte erlebe. „In einigen Bereichen der Onkologie rückt ein ehrgeiziges Ziel in greifbare Nähe“, gibt sich Werner hoffnungsvoll. „Die Erkrankung nicht nur zu behandeln, sondern sie in bestimmten Fällen so zu kontrollieren, dass ein Leben mit Krebs als chronisch gemanagte Krankheit möglich wird.“

Prof. Dr. Jochen A. Werner, Uniklinikum Essen
Prof. Dr. Jochen A. Werner ist HNO-Arzt und Onkologie-Experte. Er ist Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Essenund geht Ende Mai in Ruhestand. Werner ist Beiratsmitglied bei Yeswecan!cer und Autor des Buches „Menschliche Medizin: Durch Wertschätzung, Empathie, Achtsamkeit und künstliche Intelligenz“ © privat | Privat

Als Beispiel für den Einsatz von KI-gestützten Anwendungen in der Diagnostik nennt Werner etwa

  • die sogenannte Liquid Biopsy – die Analyse von Tumor-DNA im Blut – in Kombination mit KI-Algorithmen, die frühzeitige Erkennung von Tumoren und die genaue Verfolgung des Krankheitsverlaufs.
  • Molekulare Tumorboards, unterstützt durch KI, helfen dabei, aus genetischen Profilen die bestmögliche individualisierte Therapie abzuleiten.
  • KI-basierte Prognosemodelle schätzen die Wirksamkeit bestimmter Therapien oder das Rückfallrisiko ein und unterstützen so die Entscheidungsfindung im klinischen Alltag.
  • Apps zur Nachsorge und Gesundheitsüberwachung ermöglichen es Betroffenen, ihre Vitalwerte des Körpers selbst zu erfassen und mit dem Behandlungsteam in engem Austausch zu bleiben, oft verbunden mit KI-gestützten Frühwarnsystemen.

„Das bedeutet für viele Krebspatientinnen und -patienten mehr Lebensqualität, mehr Sicherheit und vor allem neue Zukunftsperspektiven“, erklärt Jochen A. Werner. „Es ist der Schritt hin zu einer Medizin, die immer individueller, vorausschauender und gleichzeitig menschlicher wird.“

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Krebsmesse Yes!Con in Berlin – So können Sie dabei sein

Künstliche Intelligenz ist aber nur ein Bereich, in dem die Krebstherapie Fortschritte macht. Wo Medizin und Krebsforschung heute stehen, besprechen Expertinnen und Experten am 9. und 10. Mai auf der Yes!Con 6.0. Die Krebsmesse, auf der sich Betroffene, Angehörige und Interessierte direkt mit Fachleuten aus Wissenschaft, Politik und mit Patientenvertretungen austauschen können, findet in Berlin-Schöneberg statt. Die Expertentalks können vor Ort sowie im Livestream kostenlos verfolgt werden.

Krebskongress Yes!Con 6.0 in Berlin vor Ort und im Livestream

  • Wann: 9. und 10. Mai 2025
  • Wo: Gasometer, EUREF-Campus 17, 10829 Berlin-Schöneberg
  • Die Teilnahme ist kostenlos
  • Eine Anmeldung (nur für Besucher) ist unter yescon.org möglich
  • Für alle, die nicht vor Ort teilnehmen können, wird die Konferenz auch im Livestream auf yescon.org und hier übertragen:

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