Experten schätzen, dass rund jeder Dritte Deutsche in einer Beziehung bereits mindestens einmal fremdgegangen ist. Wie viele Seitensprünge und Affären dabei tatsächlich auffliegen, ist nicht genau bekannt. Was man aber weiß: Je länger sie dauern, desto wahrscheinlicher ist es jedoch, dass sie entdeckt werden. Langfristige Affären fliegen heute aber generell deutlich häufiger auf – meist über verdächtige Nachrichten auf dem Smartphone oder andere digitale Spuren, die sich mit der Zeit anhäufen.

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Wer seinen Partner beim Fremdgehen erwischt, reagiert meist impulsiv – Wut, Schmerz, Verwirrung, aber auch Selbstzweifel und Verzweiflung gehören zur ambivalenten Gefühlspalette. Diese emotionalen Reaktionen sind nachvollziehbar. Ein ruhiges Gespräch ist in dem Moment selten möglich. Eine Paartherapeutin gibt Betrogenen wichtige Tipps.

Wer seinen Partner beim Fremdgehen erwischt, erlebt „unglaublichen Schmerz“

Wie heftig die erste Reaktion des oder der Betrogenen ausfalle, sei stark abhängig davon, wie eindeutig die erhaltene Nachricht sei, erklärt Diplom-Psychologin und Paartherapeutin Julia Bellabarba, die in ihrer Praxis in Berlin seit über dreißig Jahren Paare und verheiratete Menschen mit Beziehungsproblemen berät.

„In der Regel reagieren Betroffene sehr impulsiv und konfrontieren den Partner sofort.“ Dieses Verhalten sei nachvollziehbar, so die Therapeutin. „Was soll man sonst machen, mit solch einer Information? Still schweigend beiseite packen wird wahrscheinlich nicht gelingen.“

Weinende Frau sitzt auf einem Bett nach Trennung
Wer seinen Partner beim Fremdgehen erwischt, der wird oft mit widersprüchlichen Gefühlen konfrontiert.© Getty Images | AntonioGuillem

Untreue werde als eine elementare Bedrohung angesehen. Wer seinen Partner beim Fremdgehen erwischt, erlebe eine riesige Welle an zum Teil widersprüchlichen Emotionen. „Das ist eine zutiefst verunsichernde Erfahrung und bedeutet für ganz viele Menschen unglaublichen Schmerz.“

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Partner beim Fremdgehen erwischt? Therapeutin warnt vor schwerwiegendem Fehler

Die Therapeutin warnt allerdings davor, sofort weitreichenden, zukunftsweisenden Entscheidungen zu treffen. Eine Trennung oder Scheidung sollten nicht aus einem emotionalen Moment heraus beschlossen werden. Stattdessen empfiehlt sie: erst durchatmen, dann handeln.

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Man könne verständlicherweise seinen Emotionen erstmal freien Lauf lassen, ein angenehmes Gespräch sei ohnehin nicht zu erwarten. Davon solle vor allem derjenige, der beim Fremdgehen erwischt wurde, nicht ausgehen. Das Gefühlschaos sei der Preis dafür, dass gelogen und betrogen wurde. „Man sollte allerdings auch nicht die Klamotten aus dem Fenster und den Partner aus der Wohnung werfen – oder eben sofort den Scheidungsanwalt hinzuziehen“, meint die Paartherapeutin.

Beim Fremdgehen erwischt: Nur dann können Betrogene heilen

In Therapiesitzungen berichten viele Betrogene von der sogenannten „Salamitaktik“ der Fremdgeher, erklärt Bellabarba. Dabei werde lediglich ein kleiner Teil dessen offenbart, was die Affäre ausmachte und wichtige Aspekte, die dem oder der Betrogenen noch nicht bekannt seien, würden so lange wie möglich verschwiegen.

Bellabarba rät, alles offen auf den Tisch zu legen: was passiert ist, warum es passiert ist, und was die Affäre bedeutet hat. Der betrogene Partner habe ein Recht darauf, das ganze Ausmaß dessen zu erfahren, was da gelaufen ist. „Das hat etwas mit Respekt und Anstand zu tun.“ Nur so könne Vertrauen überhaupt wieder wachsen.

Allerdings sollte man sich Details wie einzelne sexuelle Handlungen ersparen. Sie belasten mehr, als sie helfen. . „Was ich einmal weiß, kann ich nicht mehr nicht wissen“, so die Therapeutin. Laut Bellabarba erleben manche Menschen diese unangenehmen Feinheiten dann in einer regelrecht traumatischen Dauerschleife immer und immer wieder.

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Auch die dritte Person hat ein Recht auf Privatsphäre

Außerdem müsse der oder die Betrogene sich klarmachen, dass der fremdgehende Partner, der die Affäre geführt hat, ein Recht auf Privatsphäre habe. Das gilt zudem für die dritte Person, mit der fremdgegangen wurde – eine Tatsache, die laut der Expertin häufig vergessen wird. Es sei die Pflicht des Fremdgehers, diese Person zu schützen und den Respekt ihr gegenüber zu wahren. Auch, wenn das für den Betrogenen mitunter schwer zu ertragen sei.

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Beim Fremdgehen erwischt: Ist es das Ende der Beziehung?

Ob eine Beziehung nach einem Seitensprung noch eine Zukunft hat, hängt davon ab, ob beide Seiten bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, ehrlich und respektvoll miteinander zu sprechen – und sich mit den Gründen für die Affäre auseinanderzusetzen. Außerdem wünscht sich nicht jeder Fremdgänger eine Fortsetzung der alten Beziehung. Und auch der Betrogene muss für sich entscheiden, ob er oder sie bereit dazu ist, dem Partner wieder zu vertrauen.

„Verzeihen ist ein längerer Prozess“, betont Bellabarba. Es sei in keinem Fall angebracht, dem Betrogenen die Schuld am eigenen Fehltritt zu geben. Jedoch ist es laut der Paartherapeutin irgendwann dennoch an der Zeit, gemeinsam darüber nachzudenken, wie es überhaupt zu der Affäre kommen konnte und ob vielleicht auch der Betrogene selbst eine gewisse Mitverantwortung für eine Beziehungsdynamik trägt, aus der eine Grenzverletzung entstanden ist.