Fettleibigkeit ist längst zu einer globalen Herausforderung geworden. Seit 1990 haben sich die weltweiten Raten mehr als verdoppelt, und mittlerweile sind über 2,5 Milliarden Menschen übergewichtig oder fettleibig – Tendenz steigend. Prognosen zufolge könnte bis 2050 mehr als die Hälfte der Erwachsenen betroffen sein.

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Neben bekannten Faktoren wie ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel haben Wissenschaftler des Nationalen Instituts für Kardiologie in Warschau nun einen weiteren Aspekt untersucht: den Einfluss der Ehe auf das Körpergewicht. Die Ergebnisse sind überraschend. Besonders bei Männern zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang: Nach der Hochzeit verdreifacht sich ihr Risiko für Fettleibigkeit. Auch das allgemeine Übergewichtsrisiko steigt – um 62 % bei Männern und um 39 % bei Frauen. Interessanterweise ist das Risiko für Fettleibigkeit bei Frauen dagegen gering.

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Daten von über 2.400 Personen liefern neue Erkenntnisse

Dabei analysierten Wissenschaftler die Gesundheitsdaten von 2405 Personen mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren. Neben dem Familienstand wurden auch Faktoren wie Alter, psychische Gesundheit und allgemeine Lebensgewohnheiten berücksichtigt.

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Die Ergebnisse unterstreichen, dass Männer nach der Hochzeit offenbar anfälliger für Gewichtszunahme sind als Frauen. Ähnliche Studien unter anderem aus Großbritannien stützen diese Erkenntnis. So wurde bereits von der „University of Bath“ festgestellt, dass der Body-Mass-Index (BMI) von Männern in den ersten fünf Jahren nach der Heirat aufgrund von höherem Kalorienkonsum und weniger Bewegung deutlich steigt.

Studie: Warum vor allem Männer nach der Hochzeit zunehmen

Warum trifft es vor allem Männer? Experten vermuten, dass gesellschaftliche Erwartungen und geänderte Lebensgewohnheiten eine entscheidende Rolle spielen. Nach der Hochzeit sinkt der Druck, attraktiv und fit zu bleiben, weil die Partnersuche abgeschlossen ist. Gleichzeitig führen gemeinsame Mahlzeiten und ein verändertes Essverhalten häufig zu größeren Portionen und energiereicher Nahrung.

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Frauen hingegen scheinen in der Ehe stärker auf ihr Gewicht zu achten, möglicherweise aufgrund sozialer Normen, die ihnen ein schlankes Idealbild vermitteln. Zudem zeigen die Daten, dass Frauen in ländlicheren Gebieten und mit niedrigem Gesundheitsbewusstsein ein erhöhtes Risiko für Fettleibigkeit haben – ein Zusammenhang, der bei Männern nicht festgestellt wurde.

Neben der Ehe beeinflusst auch das Alter die Wahrscheinlichkeit von Übergewicht. Die Studie zeigt, dass das Risiko für Übergewicht mit jedem Lebensjahr um drei Prozent bei Männern und um vier Prozent bei Frauen steigt. Noch deutlicher zeigt sich der Effekt bei Fettleibigkeit: Hier liegt der Anstieg bei vier Prozent für Männer und sechs Prozent für Frauen.

Experten fordern geschlechtsspezifische Gesundheitsstrategien

Die Erkenntnisse werfen die Frage auf, wie Gesundheitsstrategien besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Männern und Frauen zugeschnitten werden können. Katharine Jenner von der „Obesity Health Alliance“ betont gegenüber „The Guardian“: „Übergewicht ist nicht allein eine Frage der individuellen Entscheidung. Es gibt eine Vielzahl sozialer, psychologischer und ökologischer Faktoren, die dabei eine Rolle spielen. Wir müssen politische Maßnahmen ergreifen, die gesunde Entscheidungen erleichtern.“

Auch Jim Pollard vom Men‘s Health Forum warnt gegenüber der Zeitung vor einer simplen Schuldzuweisung: „Ein hoher BMI in der Ehe könnte genauso gut mit beruflichem Stress, langen Arbeitszeiten und ungesunder Ernährung zusammenhängen.“ Er fordert daher einen gezielteren Ansatz zur Bekämpfung von Fettleibigkeit bei beiden Geschlechtern.