- Auch Männer fallen häuslicher Gewalt zum Opfer – gesprochen wird darüber kaum
- Sie erleben Vorurteile und Ignoranz, ihr Leid wird oftmals nicht ernst genommen
- Eine Gewaltberaterin fordert ein Umdenken in der Gesellschaft
Häusliche Gewalt betrifft nicht nur Frauen, sondern auch Männer – und die Zahlen steigen. Laut bundesweiten Statistiken erlebt etwa jeder fünfte Mann Gewalt in der Partnerschaft. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Dennoch stößt dieses Thema oft auf Unglauben. Betroffene Männer hören Sätze wie: „Das passiert doch keinem Mann“, „Warum hat er sich nicht gewehrt?“, oder „Eine Frau schlägt doch nicht ohne Grund.“

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Simone Borsten, Opferschutzberaterin beim Weißen Ring, weiß aus Erfahrung: „Für Betroffene sind solche Äußerungen kaum auszuhalten. Gewalt darf weder gegen Frauen noch gegen Männer toleriert werden.“ Doch gerade männliche Opfer würden von der Gesellschaft oft allein gelassen. Wie schwer es für sie ist, sich aus gewalttätigen Beziehungen zu lösen und für ihre Rechte einzustehen, erlebt die Gewaltschutzberaterin immer wieder.
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Laut Borsten spielen toxische Abhängigkeiten, die Angst um die eigenen Kinder oder die Sorge, selbst fälschlicherweise der Gewalt bezichtigt zu werden, eine Rolle, wieso Menschen in solchen Beziehungen bleiben. Aber auch das Gefühl, niemand würde einem glauben, weil in der Gesellschaft kein Platz für männliche Opfer ist.
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Oft integriere sich die Gewalt ganz schleichend in den Alltag. „Dann kommen wieder gute Zeiten – mit Entschuldigungen. Oder Ausreden. Doch die Gewalt kehrt zurück, und der Kreislauf beginnt von vorn.“ Viele Männer halte die Demütigung davon ab, sich Unterstützung zu suchen. Oder auch Selbstzweifel. „Das hat viel mit dem Bild von Männlichkeit zu tun. Mit der Auffassung: Ein Mann darf keine Schwäche zeigen“, so Borsten. Männer werden oft stigmatisiert. Die Expertin sagt: „Manchmal bin ich sprachlos, wie wenig Aufklärung vorherrscht.“
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Die Gründe, warum Frauen einen Mann beleidigen, unterdrücken, schlagen? „Das kann viele Ursachen haben“, so Borsten. Unter anderem könnten Macht und Kontrolle eine Rolle spielen, aber auch verletzte Gefühle, Stress oder Narzissmus. Bei zunehmender Gewalt könnten auch psychische Probleme dahinterstecken. Pauschalisieren könne man das aber nicht. Und: „Das alles rechtfertigt nicht die Taten.“
Hier finden Betroffene Hilfe
Das Männerhilfetelefon ist unter der bundesweiten Telefonnummer 0800 123 99 00 zu erreichen. Opfer und Zeugen von häuslichen Gewalttaten können – bei Tag und Nacht – über den Notruf 110 Hilfe holen. Das Opfer-Telefon vom Weißen Ring ist unter 116 006 erreichbar.
Hilfe finden Betroffene auch im Internet auf der Seite des Opferschutzportals: www.opferschutzportal.nrw und auf der Seite der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz.
Häusliche Gewalt gegen Männer: Es braucht ein Umdenken in der Gesellschaft
In der Öffentlichkeit gebe es noch viele Vorurteile. Die Beraterin fordert: „Es muss viel mehr Aufklärung und Präventionsarbeit stattfinden. Beratungsstellen müssen noch sichtbarer und mehr gefördert werden.“ Auch in den Gerichtssälen müsse mehr für diese Art von Gewalt sensibilisiert werden. Männliche Opfer hätten das Recht auf Objektivität. Positiv sieht Borsten aber, dass bei der Polizei immer mehr ein Umdenken stattgefunden hat, dass auch eine Frau zur Täterin von häuslicher Gewalt werden kann.
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Bundesweit zeigt sich aber ein gravierendes Problem: Es fehlt an Schutzräumen, um Männer schnell aus der traumatischen Umgebung zu holen. Mehr als jeder zweite Mann, der eine Schutzeinrichtung aufsuchte, musste wegen Vollauslastung abgewiesen werden. Das zeigt eine Nutzungsstatistik der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz (BFKM) für das Jahr 2023. Derzeit gibt es in Deutschland nur 15 Schutzwohnungen mit insgesamt 49 Plätzen für Männer.
„Das ist viel zu wenig“, sagt Borsten. Aber sie betont: „Ist ein Mann Opfer von Gewalt, versuchen wir, für ihn trotzdem eine kurzfristige Unterkunft zu finden.“ Etwa ein Hotel oder eine Ferienwohnung. Denn das sei sehr wichtig, um durchatmen zu können und die nächsten Schritte zu planen. Sie rät jedem Betroffenen, sich schnellstmöglich an Beratungsstellen zu wenden, um Hilfsmöglichkeiten aufgezeigt zu bekommen.









