- Noch dürfen Balkonkraftwerke nur maximal 600 Watt ins Stromnetz einspeisen.
- Schon jetzt können Betreiber aber umschaltbare Wechselrichter nutzen, erklärt unsere Testexpertin.
- Was die Kennzahlen bedeuten und wie schnell sich ein Balkonkraftwerk refinanzieren kann, lesen Sie hier.
Sobald die neue Norm des Verbands der Elektrotechnik (VDE) gilt, darf ein Balkonkraftwerk bis zu 800 Watt Strom ins Hausnetz einspeisen. Einzelhändler und Online-Shops werben schon jetzt mit umschaltbaren Wechselrichtern. Diese lassen sich nach der Freigabe auf den 800-Watt-Betrieb umstellen. Doch was bringt die höhere Einspeiseleistung?

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Wir haben bei Lotta Kinitz nachgefragt. Sie ist TÜV-geprüfte Elektrofachkraft und Technik-Redakteurin beim Verbrauchermagazin „Imtest“ (gehört ebenfalls zur Funke Mediengruppe). Auch in diesem Jahr hatte sie sich schon einige Balkonkraftwerke im Test und weiß genau, worauf es ankommt.

Balkonkraftwerke mit 800 Watt sollen bald erlaubt sein – was bedeutet das?
Hier ist es erst einmal wichtig, diese Zahl richtig einzuordnen. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen der Leistung, die das Balkonkraftwerk erzeugen kann, und der, die tatsächlich ins Hausnetz eingespeist werden darf. Erstere ist abhängig davon, wie viele Solarpanels zum Balkonkraftwerk gehören und welche Maximalleistung diese bereitstellen. Denn je nach Anlage kann die sogenannte Peak-Leistung der Panels demnach zwischen 100 und 2.000 Watt liegen.
Was tatsächlich ins Stromnetz weitergegeben wird, ist hingegen gesetzlich begrenzt. Bislang ist die Obergrenze für Balkonkraftwerke in Deutschland bei 600 Watt festgelegt. Für die neue Obergrenze von 800 Watt Einspeiseleistung fehlt aktuell noch die Normierung vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (kurz VDE). Möglich sind umschaltbare Wechselrichter, die auf 600 Watt gedrosselt werden können.
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Balkonkraftwerk mit 2000 Watt + Anker-Speicher
Wechselrichter updaten: Expertin gibt Tipp für mehr Leistung
Die 800 Watt sind also für die Netzeinspeisung relevant?
Ja, und das entscheidende Bauteil für die Begrenzung der eingespeisten Leistung ist beim Balkonkraftwerk der Wechselrichter. Er wandelt den erzeugten Gleichstrom der Panels in Wechselstrom um, der im Haushalt für elektrische Geräte, wie Wasch- oder Kaffeemaschine, verwendet werden kann. Darüber hinaus ist er der Wächter darüber, wie viel Strom von den PV-Modulen ins Netz fließt.
Kann die Wechselrichterleistung eingestellt werden?
Bei einigen Modellen, ja. Neuere Sets werden wohl nur noch mit Wechselrichtern ausgestattet werden, die 800 Watt ins Hausnetz einspeisen können. Wer allerdings bereits ein Balkonkraftwerk hat, kann prüfen, ob der Wechselrichter per Software-Update von 600 auf 800 Watt umgestellt werden kann. Einige Anlagen werden auch vom Hersteller automatisch auf die neue Grenze hochgesetzt. Ist beides nicht möglich, ist zur Ausnutzung der vollen Leistung hingegen ein neuer Wechselrichter nötig.
Was ist ein Balkonkraftwerk?
Ein Balkonkraftwerk ist eine kleine Photovoltaikanlage, die speziell für Balkone und Terrassen im städtischen Raum entwickelt wurde. Die erzeugte Sonnenenergie kann direkt ins Hausstromnetz eingespeist werden. Die Anlagen sind einfach zu installieren und können als Set gekauft oder aus einzelnen Bauteilen selbst gebaut werden. Ein Balkonkraftwerk besteht aus Solarmodulen, Montagesystem, Anschluss- und Sicherheitstechnik und einem Wechselrichter.
Sicherheit von Balkonkraftwerken: Was sind die Risiken?
Wir hatten schon über die Risiken von Balkonkraftwerken mit hoher Gesamtleistung berichtet. Was kann passieren?
Das neue Gesetz zum Solarpaket I sieht für die Gesamtleistung der Solarmodule einen Maximalwert von 2.000 Watt vor. Was Nutzenden auch bei schlechtem Wetter einen möglichst hohen Ertrag gewährleisten soll, sieht der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) aber als Sicherheitsrisiko. Er strebt eine erlaubte Höchstleistung von maximal 960 Watt an, um eine Überlastung der Leitungen auszuschließen.
Denn werden – begrenzt durch den Wechselrichter – dauerhaft 800 Watt ins Haus eingespeist, kann es bei ungünstigen Konstellationen zu Überhitzungen und im schlimmsten Fall zu einem Kabelbrand kommen. Kann das Balkonkraftwerk maximal 2.000 Watt Leistung erbringen, hält der VDE das für wahrscheinlicher als bei einer Obergrenze von 960 Watt. Denn in letzterem Fall werden durchschnittlich nur 700 Watt Leistung eingespeist.

Sind also Balkonkraftwerke mit einer Peakleistung von maximal 960 Watt sicherer?
Das findet zumindest der VDE. Wichtig für Nutzende zu wissen ist derzeit: Hat ein Balkonkraftwerk eine Peakleistung von maximal 960 Watt und keinen Batteriespeicher, ist ein Wechselrichter-Upgrade unproblematisch. Es kann sofort durchgeführt werden. Geht die maximale Modulleistung allerdings darüber hinaus und gibt es einen zusätzlichen Energiespeicher zum Balkonkraftwerk, sollte laut VDE vor dem Update zur Sicherheit eine Elektrofachkraft zu Rate gezogen werden.
Sind 800-Watt-Balkonkraftwerke jetzt der neue Standard?
Lohnen sich Balkonkraftwerke mit 800 Watt und wenn ja, warum?
Für Nutzende eines Balkonkraftwerks können sich leistungsstarke Solarpanels und eine Speicherlösung im wahrsten Sinne auszahlen. Es dürfen zwar stets nur 800 Watt ins Hausnetz eingespeist werden. Können die Solarpanels aber eine höhere Leistung erbringen, kann dieser Maximalwert zum Beispiel auch bei wolkigem Wetter erreicht werden. So ist die Energieproduktion insgesamt höher, was Geld spart.
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Können Sie uns das an einem Rechenbeispiel verdeutlichen?
Ja klar, der finanzielle Nutzen von einem Balkonkraftwerk lässt sich durch eine Musterrechnung besser abschätzen. Ein Zwei-Personen-Haushalt benötigt etwa 2100 Kilowattstunden Energie pro Jahr. Besitzt man nun ein Balkonkraftwerk, das eine Gesamtleistung von 2.000 Watt bietet, kann der Wechselrichter häufiger die erlaubten 800 Watt ins Haus einspeisen.
Befindet sich der Haushalt beispielsweise in Berlin, kann davon ausgegangen werden, dass die jährliche Energieproduktion einen Wert von knapp über 600 Wattstunden erreichen kann.
Das entspricht beim derzeitigen Strompreis von 26 Cent pro Kilowattstunde immerhin einer Einsparung von rund 160 Euro pro Jahr. Wer sich zudem noch einen Stromspeicher zum Balkonkraftwerk gönnt, kann noch mehr der selbst produzierten Energie nutzen und erhöht dadurch das Sparpotenzial. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass der Speicher selbst auch erst einmal Geld kostet.

Angenommen, es ist ein Balkonkraftwerk mit 960 Watt – wie sieht die Rechnung dann aus?
Kann das Balkonkraftwerk nur 960 Watt leisten und besitzt keinen Speicher, wie der VDE offenbar bevorzugen würde, verringert sich die mögliche jährliche Ersparnis. Laut des Stecker-Solar-Simulators der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin liegt das Sparpotenzial in diesem Szenario nur noch bei rund 110 Euro.
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Wichtiger Hinweis zu Balkonkraftwerken – nicht nur die Leistung ist entscheidend
Neben den Solarmodulen und dem Wechselrichter sind auch die örtlichen Gegebenheiten für die Gesamtleistung der Mini-Solaranlage entscheidend. Der Standort sollte möglichst wenig im Schatten liegen und die einzelnen Solarmodule müssen richtig ausgerichtet sein – ein wichtiges Stichwort ist hier der Neigungswinkel.
„Die höchsten Erträge werden bei einer Neigung zur Sonne zwischen 30 und 40 Grad erreicht“, erklärte uns dazu Jee-Won Seo vom Solartechnikanbieter Yuma vor Kurzem zum Thema Balkonkraftwerke für die Dachmontage. Sind die örtlichen Gegebenheiten nicht optimal, nützt folglich auch ein leistungsstarkes Balkonkraftwerk nichts. Unter Umständen kann sich in solchen Situationen auch ein Balkonkraftwerk mit 600-Watt-Wechselrichter lohnen.
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