Deutschland zählt weltweit zu den Ländern mit den meisten ästhetisch-plastischen Eingriffen. Besonders gefragt ist Botox: Laut Deutscher Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie stand das Nervengift 2025 hierzulande auf Platz eins der Wunschliste. Rund 15 Prozent aller Frauen-Behandlungen entfielen dem Internationalen Verband für Schönheitschirurgie ISAPS zufolge darauf. Die Behandlung dauert nur wenige Minuten, selbst für viele Männer gehört Botox inzwischen zum Standard. Vor der ersten Spritze sollten Patienten und Patientinnen jedoch Risiken und Infos kennen.

Botox: Was ist Botulinumtoxin? 

Obwohl Botox für seine faltenglättende Wirkung bekannt ist, ist es kein kosmetisches Mittel. „Es kommt aus der Medizin“, erklärt Constantin Weil von der Ahe, Facharzt für plastische Chirurgie aus Hamburg. Botox ist die Abkürzung für Botulinumtoxin A – ein Protein, das vom Bakterium Clostridium botulinum gebildet wird. Es handelt sich um ein Nervengift (Neurotoxin), das vor allem in verdorbenem Fleisch vorkommt und in größeren Mengen tödlich sein kann. Die durch das Bakterium verursachte Lebensmittelvergiftung Botulismus geht mit Lähmungen im Gesicht einher.

Darin sahen Forscher schon früh einen möglichen therapeutischen Nutzen: In den 1920er-Jahren isolierten sie Botulinumtoxin erstmals. Einige Jahrzehnte später kam es in der Medizin zum Einsatz – zunächst als Mittel gegen überaktive Muskeln wie beim Augenzittern, bei Lidkrämpfen und beim Schielen. Bald entdeckten Mediziner, dass synthetisch hergestelltes Botulinumtoxin auch Falten reduzieren kann. In der ästhetischen Medizin ist Botox seit 2006 in Deutschland zugelassen.

Eine Frau lässt sich Botox in die Zornesfalte injizieren
Botox ist eines der beliebtesten und häufigsten eingesetzten Mittel zur Faltenglättung.© iStock | JulPo

Was macht Botox im Körper und welche Wirkung hat es? 

Der Grundmechanismus von Botox ist simpel: „Es reduziert die Reizübertragung zwischen Nerv und Muskeln oder in anderen Fällen zwischen Nerv und Drüsen“, sagt Weil von der Ahe. Botox hemmt einen Botenstoff, der für die Reizübertragung zuständig ist. Dadurch verringert sich die Aktivität der betroffenen Muskeln und sie können sich nicht mehr zusammenziehen. Dadurch verschwinden Falten an der behandelten Stelle. „Wenn sich die Muskeln entspannen, entspannt sich gleichzeitig auch die Haut darüber“, erklärt der Experte.

Der Arzt Constantin Weil von der Ahe
Constantin Weil von der Ahe ist Mitgründer der Schönheitsklinik Kalia Lab. © Kalia Lab

Neben der direkten Wirkung habe Botox auch eine präventive Wirkung und könne einer starken Faltenbildung vorbeugen, sagt der Mediziner. „Wenn ich ein Blatt Papier ständig an derselben Stelle knicke, habe ich irgendwann eine Knickfalz“, so Weil von der Ahe. So könne eine ständige Bewegung wie ein Stirnrunzeln auch bei der Haut zu statischen Falten führen.

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Was kann man mit Botox behandeln?

Botox kommt sowohl bei ästhetischen als auch bei medizinischen Behandlungen zum Einsatz. Zu den klassischen Anwendung und Anwendungsbereichen gehören

  • Stirn und Zornesfalte,
  • Augenpartie, etwa bei Krähenfüßen,
  • Nasenfalten
  • muskuläre Verspannungen, etwa am Nacken, an den Schultern oder im Kieferbereich (bei Migräne und Zähneknirschen),
  • optische Lippenvergrößerung durch einen sogenannten Lip Flip,
  • Talgdrüsen (bei Akne),
  • Schweißdrüsen (bei übermäßigem Schwitzen).

Wie läuft eine Botox-Behandlung ab?

Eine Botox-Behandlung selbst dauert in der Regel zwischen 10 und 30 Minuten und besteht aus mehreren Schritten:

  1. Vor der Behandlung findet ein Beratungsgespräch mit dem Arzt oder der Ärztin statt. In diesem werden Ziele, Erwartungen und Risiken besprochen.
  2. Der oder die Behandelnde reinigt das Gesicht und desinfiziert die vorgesehene Injektionsstelle.
  3. Bei der eigentlichen Behandlung wird Botox mit einer feinen Nadel injiziert. Wie oft die Spritze gesetzt werden muss, hängt von Bereich und Behandlungsziel ab.

Welche Risiken und Nebenwirkungen hat Botox?

Bei fachgerechten Botox-Behandlungen gelten Nebenwirkungen in der Regel als gering. Weil von der Ahe zufolge können nach der Behandlung Hautreaktionen auftreten: „Wie bei jeder Injektion sind nach einer Botox-Behandlung Schwellungen, Rötungen, blaue Flecken und eine lokale Infektion möglich“, erklärt er. Diese würden in der Regel schnell und von alleine abklingen.

Nahaufnahme einer Frau mit deutlichen Falten um die Augen
Neben Stirnfalten gehören Krähenfüße zu den typischen Behandlungsbereichen von Botox.© iStock | fizkes

Abhängig von Injektionsstelle und Dosierung sind vorübergehende funktionelle Nebenwirkungen wie Muskelschwäche oder ein Hängelid möglich. „Wenn ich in der Stirn zu viel Botox habe, kann das auf die Augen drücken“, sagt Weil von der Ahe. „Wenn ich sehr dicht an den Augen arbeite, können die Lid-Muskeln geschwächt werden, sodass die Lider nicht mehr richtig gehoben werden können.“ Möglich sei auch ein „maskenhafter“ Effekt bei einer zu hohen Dosierung, zudem könne es wie bei jedem Stoff zu einer allergischen Reaktion kommen.

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Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gelten bei Botox als selten. Blutverdünnende Mittel wie Aspirin und Ibuprofen könnten allerdings das Risiko für Schwellungen und blaue Flecken erhöhen, erklärt der Experte. Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangere oder Stillende sollten die Behandlung vorher ärztlich abklären. Mehr dazu: Autorin testet Botox: Was für die Behandlung spricht – und was dagegen

Wann darf ich nach Botox wieder Sport machen?

Der Erfolg der Botox-Behandlung hängt aber auch davon ab, ob sich Patienten an die wichtigsten Verhaltensregeln halten. „Am Anfang besteht die Möglichkeit, dass das Botox woanders hin diffundiert“, erklärt Weil von der Ahe. Dieses Risiko sei in den ersten vier Stunden nach der Behandlung am höchsten und nehme danach ab. Damit das Botox an der richtigen Stelle bleibt, dürfen die Behandelten die Stelle in den ersten 24 Stunden nicht massieren und den Kopf nicht nach vorne beugen.

Zusätzlich empfiehlt der Experte, sich in den ersten vier Stunden nicht hinzulegen und bis zu 48 Stunden auf Sport zu verzichten. Letzteres schützt die Haut auch vor möglichen Infektionen: „Durch Schweiß oder im Schwimmbad können durch die Mikro-Verletzungen Keime in die Haut eindringen“, so der Mediziner.

Weil von der Ahe rät in den ersten Tagen generell dazu, Reizstoffe zu vermeiden. Dazu gehören auch Retinol und Peelings. Kurz nach einer Botox-Behandlung sind ein feuchtigkeitsspendendes Hyaluron-Serum oder Niacinamide die bessere Wahl für die Hautpflege. Lesen Sie auch: Gesichtspeelings: „Öko-Test“ stößt in zwei Produkten auf Arsen

Wann wirkt Botox und wie lange hält es?

Anders als bei vielen anderen ästhetischen Behandlungen ist das Resultat bei Botox nicht sofort zu sehen, weil sich die Reizübertragung zwischen Nerven und Muskeln erst einstellen muss. Der faltenglättende oder entspannende Effekt baut sich in den ersten Tagen nach der Behandlung auf. Nach etwa vierzehn Tagen ist laut Weil von der Ahe die volle Wirkung erreicht.

Der Körper baut Botox jedoch relativ schnell ab. „In der Regel wirkt Botox für drei bis vier Monate“, erklärt der Mediziner. Dabei werden die Muskeln nach und nach wieder aktiver. Für eine langfristige Wirkung sollte Botox daher in regelmäßigen Abständen aufgefrischt werden.

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Woran erkenne ich einen guten Behandler?

Die möglichen Risiken einer Botox-Behandlung lassen sich durch die Wahl eines guten Behandlers reduzieren. Grundvorraussetzung ist ein hygienisches Umfeld, in dem sich die Behandelten wohlfühlen. Da Botox ein Medikament ist, dürfen es laut Weil von der Ahe nur Heilpraktiker und Ärztinnen injizieren. Verschreiben dürfen es allerdings nur Mediziner und Medizinerinnen. Kosmetik-Studios dürften keine invasiven Behandlungen mit Botox durchführen.

Ein abgeschlossenes Medizinstudium allein reicht aber nicht: Der Behandler solle Erfahrungen in dem Bereich haben und verstehen, wie sich die Anatomie in der Ästhetik verhält, sagt der Experte. Das träfe auf Dermatologen, plastische Chirurgen, HNO-Ärzte und Neurologen eher zu als etwa auf Allgemeinmediziner. „Ich sollte demjenigen vertrauen können, dass er das richtig macht und mich über die Risiken aufklärt“, so Weil von der Ahe.

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Wie hoch sind die Kosten einer Botox-Behandlung? 

Viele Anbieter berechnen die Kosten für eine Botox-Behandlung nach Zonen. Die Stirn, die Zornesfalte und die Unterlider gelten jeweils als eine Zone. Größere Areale sind in der Regel teurer, weil dort mehr Botox injiziert werden muss. Aber auch tiefere Falten können mehr Injektionen erfordern und den Preis steigen lassen. Generell bewegen sich die Kosten zwischen 100 und 300 Euro pro Zone.