Kollagen spielt eine Schlüsselrolle für eine straffe, pralle Haut. Das Protein stützt die Haut von innen und hält sie elastisch. Doch mit dem Alter wird das Kollagengerüst schwächer und Falten entstehen. Nahrungsergänzungsmittel wie Kollagen-Präparate versprechen Unterstützung: Die Pulver und Tabletten mit Kollagen sollen den körpereigenen Mangel beheben und die Haut glätten. Aber ist das wirklich sinnvoll? Eine Dermatologin erklärt die Schwachstelle vieler Studien und nennt unterschätzte Möglichkeiten in der Ernährung.
Was ist Kollagen und welche Wirkung hat es auf die Haut?
Kollagen ist ein faserartiges Struktureiweiß, hergestellt von Zellen im Bindegewebe, den sogenannten Fibroblasten. 30 Prozent der im Körper vorkommenden Proteine sind Formen von Kollagen. „Sie sind der organische Bestandteil von Knochen und Zähnen und der wesentliche Bestandteil von Knorpel, Sehnen, Bändern und Haut“, erklärt die Hautärztin Felicitas Niedermair vom Dermatologikum Hamburg. Abhängig davon, wo im Körper das Protein eingelagert ist, übernimmt es unterschiedliche Funktionen. Für die Haut ist Kollagen ein wichtiger Anti-Aging-Faktor:
- Unter der Haut bilden Kollagenfasern mit Elastin und Proteinen ein stabiles Gerüst, das der Haut Festigkeit und Elastizität verleiht.
- Kollagen hilft der Haut, Wasser zu binden und Feuchtigkeit zu speichern.
- Da Kollagen am Aufbau und an der Reparatur des Bindegewebes beteiligt ist, unterstützt es die Wundheilung.

Dass das Kollagengerüst intakt ist, zeigt sich an einer festen und straffen Haut. Mit dem Alter nimmt die Kollagenbildung aber ab. Bereits ab dem 25. Lebensjahr schütten die Fibroblasten weniger Kollagen aus. Zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr werden die Folgen sichtbar: „Es kommt primär zu einer Abnahme des Kollagengerüsts, in deren Folge die Hautdicke und Hautfeuchtigkeit abnimmt. Im weiteren Verlauf verringert sich die Elastizität der Haut und Falten entstehen“, so die Dermatologin.
Kollagen-Pulver gegen Falten und schlaffe Haut? Ärztin zweifelt
Pulver, Tabletten und Kapseln mit Kollagen sollen die Haut straffen und Falten reduzieren können. Die Hersteller setzen auf hydrolysiertes Kollagen: „Das Molekül wird in seine kleineren Bestandteile, die Peptide, zerlegt. Diese kleineren Einheiten können vom Körper besser aufgenommen werden“, so Niedermair. Aber können Kollagen-Präparate auch die Haut glätten?
Wirkung von Kollagen in Hautcremes
Auch Cremes mit Kollagen können die Haut nicht glätten. Die Moleküle sind zu groß, um die oberste Hautschicht zu durchdringen. Kollagenpeptide gelangen tiefer in die Haut. Sie sollen die Feuchtigkeitsversorgung der Haut verbessern und diese elastischer machen. Eine bestimmte Art von Peptiden kommt in sogenannten Botox-Cremes vor. Ein Experte erklärt, was es damit auf sich hat.
„Einige kleinere Studien deuten an, dass eine Einnahme von Kollagen über mehrere Wochen zu einer Verbesserung von Hautelastizität und Hautfeuchtigkeit führen kann“, erklärt die Dermatologin. „In einigen weiteren Studien wird auch ein positiver Effekt auf die Faltenausprägung beschrieben.“ Wie genau Kollagenpeptide auf die Haut wirkten, sei allerdings unklar, sagt die Medizinerin. Zudem hält sie solche Untersuchungen grundsätzlich für zweifelhaft.

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„Der Großteil dieser Studien ist industriefinanziert und weist methodische Schwächen auf“, stellt Niedermair klar. Das veranschaulicht eine neuere Übersichtsarbeit, die 23 Studien ausgewertet hat: Nur die von Herstellern finanzierten Studien beobachteten positive Effekte durch Kollagen-Präparate, alle anderen Studien konnten die Wirkung nicht bestätigen.

Irreführende Werbeaussagen: „Veganes Kollagen“ gibt es nicht
„Für die Beantwortung der Frage, ob oral eingenommenes Kollagen tatsächlich einen Nutzen für Haut und Haare haben kann, fehlt es an Evidenz“, sagt Dermatologin Niedermair. Ungeklärt sei vor allem die Frage, ob der Körper das Kollagen aus Präparaten nach der Verdauung im Darm überhaupt in der Haut einsetzt.
Weil die Wirkung nicht bewiesen ist, dürfen Hersteller ihre Kollagen-Präparate in der EU nicht mit gesundheitsbezogenen Werbeaussagen bewerben und eine Verbesserung des Hautzustands versprechen. Viele umgehen dieses Verbot, indem sie den Präparaten Nährstoffe zusetzen, deren Wirkung auf die Hautgesundheit belegt ist. Dazu gehören Vitamin C und Biotin (Vitamin B7). Auch interessant: Biotin, Zink und Co.: Welche Präparate sind wirklich gut für die Haare? Expertin gibt klaren Rat
Irreführend können laut der Verbraucherzentrale auch Präparate sein, die die Bezeichnung „veganes Kollagen“ tragen. Derartige Präparate enthalten lediglich Nährstoffe, die die körpereigene Kollagenbildung anregen können. Da Kollagen ausschließlich in Tierknochen oder in Fischhaut und -schuppen vorkommt und Pflanzen das Protein nicht bilden können, gibt es kein Kollagen aus pflanzlichen Quellen.
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Unterstützende Nährstoffe für die Hautgesundheit liefert vor allem die Ernährung: „Wichtig für die bestmögliche Kollagenbildung des eigenen Körpers ist das Vorhandensein der Bausteine“, sagt die Dermatologin. „Die Aminosäuren Glycin und Lysin sind wichtige Bestandteile der Kollagenfasern. Vitamin C, Zink und Kupfer sind für die Kollagenbildung ebenfalls elementar.“ Viele Lebensmittel enthalten diese Nährstoffe, ebenso wie natürliches Kollagen.
Neben den Mikronährstoffen kommt es vor allem auf eine proteinreiche Ernährung an. Eiweiß liefert alle Aminosäuren, die der Körper für seine Kollagenherstellung benötigt. „Eine Knochenbrühe wird vermutlich mindestens genauso viel für die Kollagenbildung tun wie Kollagensupplemente“, erklärt die Dermatologin. Der Ernährung-Doc Dr. Riedl nennt „das beste Essen gegen Hautalterung“.
Wer Falten vorbeugen möchte, sollte nach Rat der Ärztin zudem schädliche Einflussfaktoren vermeiden: „Zu den natürlichen Feinden des Kollagens zählen UV-Strahlung, Rauchen und Stress. Sie beschleunigen den Abbau und damit die Hautalterung“, erklärt Niedermaier. Die dadurch entstehenden aggressiven Sauerstoffverbindungen oder freien Radikale schädigen Zellen und Kollagenfasern und lassen die Haut vorzeitig altern. Ein gesunder Lebensstil und eine nährstoffreiche Ernährung bilden daher die Grundlage für eine straffe Haut.
Übrigens: Auch die richtige Hautpflege kann die Kollagenbildung anregen. Wissenschaftlich am besten untersucht sind Retinol (Vitamin A) und Vitamin C. Besonders in hochkonzentrierten Seren können sie feine Linien reduzieren und die Zellerneuerung stimulieren. Unsere Redaktion hat mithilfe von Experten die besten Vitamin-C-Seren und Retinol-Seren herausgesucht.
Quellen
Myung, S. K., Park, Y. [u. a.]: Effects of Collagen Supplements on Skin Aging: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials, in: The American Journal of Medicine, Sep. 2025.
De Miranda, R. B.: Effects of hydrolyzed collagen supplementation on skin aging: a systematic review and meta-analysis, in: International Journal of Dermatology, Mar. 2021.
Kollagendrinks für die Schönheit – Beauty aus der Büchse?, in: verbraucherzentrale.de. Zuletzt angesehen am 08.09.2026.






