Wenn die Temperaturen steigen und die Tage länger werden, liegt der Gedanke nahe, von den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto auf das Fahrrad umzusteigen. Doch wenn der Drahtesel den ganzen Winter über im Keller stand, ist ein platter Reifen oder eine kaputte Gangschaltung nicht unwahrscheinlich. Und gleichzeitig das Letzte, was man für einen Ausflug zum See gebrauchen kann.

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Wer zwei linke Hände hat, macht sich also auf die Suche nach der nächsten Fahrradwerkstatt. Bis man dort einen Termin bekommt, konnten während der letzten Jahre in Berlin aber gerne mal ein paar Monate ins Land gehen. Doch wie ist die Situation in diesem Frühjahr? Wie lange muss man auf einen Termin warten und was sind die häufigsten Reparaturen?

Einige Werkstätte sind auch in diesem Jahr schon „überfordert“

„Inzwischen gibt es auf jeden Fall wieder deutlich mehr zu tun als während der Wintermonate“, erzählt Benjamin, während er an einem Fahrrad herumschraubt. Er ist der Inhaber des Fahrradladens „Fahrrad-Doktor“ in Tiergarten. Obwohl sein Geschäft in einer Seitenstraße liegt, bekomme er nun viele Aufträge. Vor allem, weil er alleine arbeitet, habe er immer etwas zu tun.

Ähnliches erzählt auch Onur Ölmez über seinen Fahrradladen „Luft und Liebe“ in Prenzlauer Berg: „Ich bin zwar nicht direkt überfordert, aber es gibt definitiv genug zu tun“. Täglich repariere er zehn bis fünfzehn Fahrräder. Das hinge aber auch immer davon ab, ob alle Werkzeuge und Ersatzteile lieferbar sind. „Während der Corona-Pandemie waren Lieferengpässe häufig der Grund für lange Wartezeiten“, so .

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Doch auch wenn dieses Problem aktuell nicht mehr so gravierend ist, gibt es trotzdem viele Fahrradwerkstätten, die „überfordert“ zu sein scheinen. Etliche sagen auf Anfrage unserer Redaktion ein Interview mangels Zeit höflich ab. Auch Werbung hätten sie nicht nötig. Wie sie denn noch mehr Kunden bedienen sollten? Wartezeiten von mehreren Wochen bis sogar zu mehreren Monaten sind möglich.

Platzmangel kann einer der Gründe für lange Wartezeiten sein

„Momentan muss man auf einen Termin bei uns ungefähr zwei Wochen warten“, erzählt Mehmet Duymaz, Besitzer des „Fit Fahrradladen“ in Moabit. Sobald man einen Termin habe, dauere es je nach Aufwand der Reparatur höchstens drei Tage, bis das Fahrrad repariert und abholbereit sei. Aber damit sei es leider nicht getan, denn dort warte schon das nächste Problem: „Manche Leute holen ihr Fahrrad erst nach mehreren Tagen

Hat man erst einmal einen Termin in der Fahrradwerkstatt, dauert die Reparatur meist nur weniger Tage.
Hat man erst einmal einen Termin in der Fahrradwerkstatt, dauert die Reparatur meist nur weniger Tage.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

oder Wochen ab. Das ist supernervig, weil dann die ganzen Räder hier bei uns rumstehen und wir keine neuen annehmen können, da wir einfach keine räumlichen Kapazitäten haben“, so Duymaz.

Der „Fit Fahrradladen“ scheint nicht der einzige zu sein, der mit diesem Problem zu kämpfen hat: In einem Fahrradladen in Friedenau hängt mitten im Geschäft genau deswegen sogar ein Schild, auf dem darum gebeten wird, sein Fahrrad nach Benachrichtigung zügig abzuholen. Ab dem dritten Tag koste jeder weitere Tag, an dem man das Fahrrad nicht abholt, fünf Euro. „Wegen der hohen Mieten in Berlin können die meisten sich einfach keinen größeren Laden leisten. Und dann möchte man die paar Quadratmeter, die man zur Verfügung hat, nicht mit vergessenen Fahrrädern belegen“, erläutert der Geschäftsführer des Zwei-Mann-Betriebes diese Maßnahme. 

Kleinere Reparaturen werden jederzeit angenommen

Da er im allgemeinen schlechte Erfahrungen in Sachen Zuverlässigkeit mit den Kundinnen und Kunden gemacht habe, vergebe er inzwischen erst gar keine konkreten Werkstatt-Termine mehr: „Wir nehmen einfach so lange Fahrräder an, bis wir keinen Platz mehr haben“. Ganz nach dem Motto „first come, first serve“, haben dann eben diejenigen Glück, die gerade zu einem passenden Zeitpunkt in dem Geschäft vorbeischauen. Ungefähr 25 bis 30 Fahrräder fänden höchstens in dem Laden Platz. „Allen Kunden, die danach wegen einer Reparatur anfragen, sage ich, dass sie einfach in ein paar Tagen noch mal reinschauen sollen“, so der Geschäftsführer. Länger als Woche dauere nämlich keine Reparatur, sodass immer wieder Plätze frei werden würden.

Wegen der hohen Miete in Berlin sind die Werkstätten häufig sehr klein. Das ist auch bei dem „Fahrrad-Doktor“ in Berlin nicht anders.
Wegen der hohen Miete in Berlin sind die Werkstätten häufig sehr klein. Das ist auch bei dem „Fahrrad-Doktor“ in Berlin nicht anders. © Unbekannt | Clara Andersen

Kleinere Reparaturen wie kaputte Schläuche werden, so der Geschäftsführer, sowieso jederzeit angenommen. Die könne man nebenbei erledigen und würden manchmal noch am gleichen Tag fertig. „Wir haben den Anspruch, Mobilität zu gewährleisten. Deswegen versuchen wir natürlich, so viel wie möglich zu reparieren und sofort weg zu arbeiten“.

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Ob das funktioniert, hinge maßgeblich von der Kommunikation mit den Kunden ab. Manchmal sei diese sehr umständlich: „Wenn ich zum Beispiel einen Schlauch reparieren soll und während der Reparatur feststelle, dass auch der Mantel kaputt ist, dann kann ich das bei Neukunden nicht einfach ohne Absprache in Ordnung bringen, sondern muss mich erst wieder mit ihnen in Verbindung setzen“. Bis eine Antwort darauf kommt, würden manchmal Tage vergehen. Dadurch verzögere sich dann der ganze Prozess, obwohl die Reparatur an und für sich gar nicht so viel Zeit in Anspruch nehme.

Die meisten Mängel einstehen durch Verschleiß

Das sei zumindest bei den meisten Reparaturen der Fall, denn bei einem Großteil handele es sich um Verschleißteile, wie der Geschäftsführer des Fahrradladens in Friedenau erklärt. „In Berlin liegt der Verschleiß-Schwerpunkt auf den Bremsen, weil man alle 50 Meter an einer Ampel anhalten muss“, meint er. Aber die Kette und die Fahrradschläuche seien ebenfalls zwei der am häufigsten zu erledigenden Reparaturen.

Auch Ölmez bestätigt das: „Neben abgefahrenen Bremsbelägen kommen die Menschen am häufigsten mit kaputten Schläuchen hier an. Gerade in Berlin wird viel gefeiert. Dann werfen die Leute Flaschen auf den Boden und zack, hast du einen Glassplitter in deinem Fahrradreifen“.

„Richtig heftige“ Preissteigerung bei neuen Fahrrädern

Luft aufpumpen kriegt wirklich jeder hin. Für kompliziertere Reparaturen, ist es mitunter hilfreich, sich an eine Werkstatt zu wenden.
Luft aufpumpen kriegt wirklich jeder hin. Für kompliziertere Reparaturen, ist es mitunter hilfreich, sich an eine Werkstatt zu wenden.© FUNKE Foto Services | Markus Weißenfels

Grundsätzlich gehe der Trend jedoch stark dazu, dass die Menschen lieber ihr altes Fahrrad reparieren lassen anstatt ein Neues zu kaufen, wie Duymaz erklärt. „Gerade in Berlin wird viel geklaut, deswegen sehen viele Menschen gar nicht den Sinn darin, Geld in ein neues Fahrrad zu investieren“. Das hinge vor allem auch mit der Preissteigerung bei neuen Fahrrädern zusammen, die aufgrund der Inflation „richtig heftig“ sei, wie der Geschäftsführer des Friedenauer Fahrradladens erzählt. „Der Preis von Rädern, die vor drei Jahren noch 500 Euro gekostet haben, liegt inzwischen locker bei 600 bis 700 Euro“. Das schrecke die Menschen ab und spreche für viele dafür, das alte Fahrrad doch lieber noch mal in die Werkstatt zu geben, bevor man sich für viel Geld ein Neues kauft.

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Darüber hinaus spiele auch das zunehmende Umweltbewusstsein eine Rolle, wie er erklärt: „Es steigen insgesamt immer mehr Menschen auf das Fahrrad um“, meint er, „weil es die klimafreundliche Alternative zum Auto oder den Öffis ist. Und wenn mehr Leute Fahrrad fahren, gibt es natürlich auch mehr zu reparieren.“ Aufgrund des Klimawandels sei außerdem das Bewusstsein für Ressourcenschonung gestiegen, so Ölmez in Prenzlauer Berg. „Ich glaube, das ist ein weiterer Grund, wieso weniger Menschen neue Fahrräder kaufen und ihr altes lieber bei uns reparieren lassen“. 

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Um sein Fahrrad auf Vordermann zu bringen, muss man nicht zwingend eine Fahrradwerkstatt aufsuchen. Einen Großteil der Reparaturen könne man „locker“ selbst machen, sagt Onur Ölmez über dem Fahrradladen „Luft und Liebe“ in Prenzlauer Berg.

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Auch der Geschäftsführer eines Friedenauer Fahrradladens, der seinen Namen nicht nennen möchte, sagt: „Teilweise braucht man zwar spezielles Equipment. Aber im Normalfall kann mit einer Handvoll von dem wichtigsten Werkzeug so so viel selbst reparieren“. Zu dem Notwendigsten gehörten verschiedene Maulschlüssel und Sechskantschlüssel sowie eine Luftpumpe und Reifenheber zählen. „Das meiste davon ist superleicht zu beschaffen“, meint er.

Eine Ölflasche, verschiedene Maulschlüssel und Sechskantschlüssel: Mit diesem Basiswerkzeug kann eigentlich jeder sein Rad selbst reparieren
Eine Ölflasche, verschiedene Maulschlüssel und Sechskantschlüssel: Mit diesem Basiswerkzeug kann eigentlich jeder sein Rad selbst reparieren© FUNKE Foto Services | Markus Weißenfels

Wer sich solch ein Equipment trotzdem nicht zulegen möchte, dem bietet das Geschäft „Fahrrad-Doktor“ noch eine andere Möglichkeit: „Ich stelle meinen Kunden das Werkzeug zur Verfügung und wer möchte, kann sein Rad dann hier vor Ort selbst reparieren. Dadurch spart man sich zum einen die Kosten für das Werkzeug und zum anderen die Reparaturkosten“, so Benjamin.  Insbesondere kaputte Schläuche seien eine der einfachsten Reparaturen, die jeder und jede problemlos selbst erledigen könne.

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Prinzipiell treffe das auf alle Reparaturen zu. Unverzichtbaren Helfer bei jeglicher Art von Reparaturen – da sind sich die Werkstatt-Inhaber einig – seien eindeutig Erklärvideos auf YouTube. Mit denen sollte der Fahrradsaison dann nichts mehr im Wege stehen!