Akkus, die fast unsichtbar im Rahmen verschwinden, Taschen, die nahtlos auch an filigrane Räder passen und Helme mit integrierten Lichtern: Integration ist eines der Stichwörter der Fahrradmesse VeloBerlin 2023. Dazu gibt es mittlerweile fast jede Radgattung mit E-Antrieb. Welche Neuheiten auf Besucherinnen und Besucher warten, klärt ein Rundgang. Interessenten haben noch bis Sonntag Gelegenheit, sich auf dem ehemaligen Flughafengelände in Tempelhof ein Bild zu machen und viele Räder auch auszuprobieren.
„Mittlerweile sind 50 Prozent der neu verkauften Fahrräder jenseits des Baumarkt- und Kinderbereichs elektrifiziert“, erklärt Gunnar Fehlau vom Pressedienst-Fahrrad den Megatrend der Branche. Dabei habe sich die Vorstellung, wie ein Fahrrad ausgestattet sein sollte, grundlegend gewandelt. Glich die Fahrradbeleuchtung früher eher einer Funzel, die nie funktionierte, quietschten Bremsen mehr, als dass sie verzögerten, werde heute eine Zuverlässigkeit und Qualität erwartet, wie man sie bislang eher vom Auto kennt.

VeloBerlin 2023: Messe zeigt Trends im Fahrradbereich
Das schlägt sich in allen Fahrradkategorien nieder, egal ob mit E-Antrieb oder ohne. Was man allerdings auch beim Preis merkt. „Für ein Fahrrad, dass man regelmäßig benutzen will, sollte man mindestens 1000 Euro ausgeben“, empfiehlt der Experte. Ein modernes Gravelbike – im weitesten Sinne ein Rennrad mit geländegängiger Bereifung – kann auch gut und gern 7500 Euro kosten.
Es kommt dann allerdings mit allem Schickimicki wie Carbonrahmen, E-Antrieb und -Schaltung daher. Ein Preis, den im Zuge der gestiegenen Wertschätzung für das Fahrrad jedoch immer mehr Kunden bereit seien zu zahlen. Oder zu finanzieren, etwa über Fahrradleasing, wie es immer mehr Arbeitgeber anbieten, so Fehlau.
Diese moderne Technik sorge dafür, das Rad für immer mehr Anwendungsszenarien interessant zu machen. Ob mit Hilfe des schicken City-Bikes mit elektrischer Hilfe unverschwitzt ins Büro oder mit dem Cargo-Bike Lasten transportieren, für die Normalsterbliche bislang aufs Auto zurückgegriffen hätten, beides geht in der schönen neuen Fahrradwelt.
Gleiches gilt für die Sicherheit: Crash-optimierte Boxen und Sitze mit Sicherheitsgurten sorgen dafür, dass der Nachwuchs gefahrlos transportiert werden kann. Gunnar Fehlau: „Gleichzeitig ist das Rad so variabel, dass es von beiden Elternteilen gefahren werden kann.“
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Und: Fast jede Entwicklung, die es für „große“ Fahrräder gibt, gebe es mittlerweile auch für Kinder- und Jugendräder. „Die Eltern kaufen für ihre Kinder, womit sie selbst in den 90er-Jahren aufgewachsen sind“, so der Experte. So gibt es Mountainbikes oder E-Räder auch in diesem Segment. Weil die Eltern mehr Qualität erwarten, aber auch, weil die Kinder schon früh auf Touren mitgenommen werden und dabei mit den Rädern der Erwachsenen mithalten können sollen.

Die Branche werde damit zunehmend auch für Unternehmen wie den US-Riesen Goodyear interessant, wobei weiterhin mittelständische Unternehmen wie der deutschen Reifenhersteller Schwalbe mit tonangebend seien. Hinzu kommen hoch spezialisierte Firmen wie das Berliner Unternehmen Moto Bicycles, das sich auf Pedale fokussiert. „Griptape, wie man es von Skateboards kennt, verhindert ein Abrutschen, ohne den Schuh kaputt zu machen“, erklärt Gunnar Fehlau.
Das interessiert die Besucher aus Berlin
Die Begeisterung für das Thema Fahrrad ist aber auch vielen Besuchern der VeloBerlin anzumerken. Am Stand des deutschen Fahrradgepäck-Spezialisten Ortlieb schauen Noelle (19) und Nova Endreß (15) nach Taschen für ihren Trip. Sie planen eine Tour zu den Großeltern von Berlin nach Hamburg.

E-Kompakträder wie das Modell von I:SY haben es Frank Wiechert angetan. Der 61-Jährige plant mit seiner Frau für den Sommer eine Radtour entlang der gesamten Ostseeküste von Flensburg an der deutsch-dänischen Grenze bis an den östlichsten Zipfel in Ahlbeck in Mecklenburg-Vorpommern. „Das sind mehr als 1000 Kilometer“, sagt der Berliner.
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Gezeigt werden auf der Fahrradmesse nach wie vor auch klassische Räder ohne E-Antrieb, ebenso wie Zubehör. Mehr als 200 Aussteller präsentieren sich dazu in Hangar 4 und und dem Vorfeld des Flughafens in Tempelhof auf insgesamt 50.000 Quadratmetern. Im Außenbereich können die Räder auf einem Testparcours auch ausprobiert werden.
Fahrradmesse VeloBerlin: Am Sonntag, 7. Mai, 10 bis 18 Uhr, Flughafen Tempelhof, Eingang via Tempelhofer Feld oder Columbiadamm. Anfahrt U6 Platz der Luftbrücke, kostenlose Fahrradstellplätze und kostenpflichtige Parkplätze (P1) vor Ort. Tagesticket 12 Euro, Kinder bis 14 Jahre in Begleitung der Erziehungsberechtigten frei. Mehr unter www.veloberlin.com



