Die Tage werden wärmer, schon steigt die Vorfreude auf den Sommerurlaub oder den Ausflug an den See. Doch nach dem unbeschwerten Sonnenbaden bleibt schnell ein schmerzhafter Sonnenbrand zurück. Denn auch wenn wir es oft nicht gleich merken, hat die Sonne große Auswirkungen auf unsere Hautgesundheit. Langfristig kann sogar Hautkrebs die Folge sein.

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Wie das Statistische Bundesamt 2023 meldete, ist die Zahl der Todesfälle durch Hautkrebs hierzulande binnen 20 Jahren um 55 Prozent gestiegen. Doch allzu oft wird die Gefahr noch immer verharmlost. Dermatologen beobachten beim Thema Sonnenschutz große Unwissenheit in der Bevölkerung. Was sind diese Annahmen? Und wie schützen wir uns richtig vor der Sonne?

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Sonnenschutz-Mythos: Gebräunte Haut ist sicher vor Sonnenbrand

Hartnäckig hält sich etwa der Mythos, dass dunklere Hauttypen oder gebräunte Haut von Sonnenbrand verschont bleibt. Wie viel Sonne zu viel ist, kommt tatsächlich auf die sogenannte Eigenschutzzeit der Haut an, die sich je nach Hauttyp unterscheidet:

  • Der keltische Hauttyp (meist rote Haare, Sommersprossen, wird kaum braun) bekommt laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ohne Sonnenschutz bereits nach zehn Minuten einen Sonnenbrand.
  • Der nordische Hauttyp mit blond-braunen Haaren und hellen Augen errötet nach 10 bis 20 Minuten.
  • Der meist braunhaarige Mischhauttyp braucht 20 bis 30 Minuten bis zum Sonnenbrand.
  • Der mediterrane Hauttyp mit hellbrauner Haut und dunkelbraunem Haar verbrennt sich nach einer halben Stunde bis 40 Minuten.
  • Der dunkle Hauttyp mit schwarzem Haar und dunkelbraunen Augen kann sich circa eine Stunde ungeschützt der Sonne in Deutschland aussetzen.
  • Der schwarze Hauttyp übersteht bis zu 80 Minuten in der Regel ohne Schäden.

Der Hauttyp entscheidet demnach, wie lange man sich in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu riskieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass dunklere Hauttypen von den Risiken verschont bleiben, die der Aufenthalt in der Sonne mit sich bringt. „Wir wissen seit einigen Jahren, dass auch subklinische Dosen des UV-Lichts, die also noch keine Symptome wie einen Sonnenbrand auslösen, krebserregend sind“, betont Professor Dirk Schadendorf, Direktor der Klinik für Dermatologie am Uniklinikum in Essen. „Selbst wenn ich ordentlich eingecremt bin, ist die Sonne schädlich.“

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Konkret heißt das also: Jemand, der eine Eigenschutzzeit von zehn Minuten hat und eingecremt ist – selbst mit dem höchsten Lichtschutzfaktor 50 –, sollte spätestens nach einer halben Stunde die direkte Sonne verlassen. Anders als viele denken, schützt übrigens auch eine vorgebräunte Haut nicht vor Schäden. Es dauert lediglich länger, bis ein Sonnenbrand entsteht.

Mythos Sonnencreme: Mit genug Creme kann ich länger in der Sonne bleiben

Sonnencreme ist also angesagt. Doch wie cremt man sich richtig ein? Zunächst ist der passende Lichtschutzfaktor (LSF) wichtig. Er gibt an, wie viel länger sich jemand in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Beträgt die Eigenschutzzeit der Haut also zum Beispiel zehn Minuten und der Lichtschutzfaktor ist 30, kann jemand 300 Minuten in der Sonne bleiben, ohne sich zu verbrennen.

Eine Frau sprüht Sonnenschutzspray auf den Rücken ihres Kindes
An einem Tag am Strand sollte mehrmals Sonnencreme aufgetragen werden, besonders nach dem Baden und Abtrocknen. © iStock | solidcolours

Voraussetzung für einen optimalen Schutz: Es wurde richtig gecremt. „Wenn eine vierköpfige Familie nach einer Woche Sommerurlaub mit einer halb vollen Sonnencremeflasche zurückkommt, ist was falsch gelaufen“, sagt Schadendorf. Als Faustregel gilt: 30 bis 40 Milliliter Sonnenschutzmittel pro Person und Creme-Durchgang. Und: Mindestens 30 Minuten vor dem Sonnenbad eincremen und mindestens alle zwei Stunden nachlegen.

Dabei verlängert das Nachcremen nicht die Zeit, die jemand in der Sonne verbringen kann. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät ohnehin, die durch den Lichtschutzfaktor erhöhte Schutzdauer höchstens zu 60 Prozent auszuschöpfen. Teuer muss eine Sonnencreme im Übrigen nicht sein, um zuverlässig zu schützen, wie Produkttester immer wieder feststellen.

Mythos Temperatur: Bei schlechtem Wetter ist die Sonne weniger gefährlich

Wie heiß es am Urlaubsort ist, spielt beim Sonnenschutz übrigens kaum eine Rolle. „Nur weil es kalt ist, heißt das nicht, dass keine UV-Belastung da ist“, sagt Schadendorf, „viele werden es kennen von einem windigen Tag am Meer, der unerwartet mit einem Sonnenbrand endet.“

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Das Gleiche gilt für einen bewölkten Himmel: Wolken sind kein Schutz vor UV-Strahlung, manchmal verstärken sie sogar die UV-Belastung. Als Orientierung dient hier der von der Weltgesundheitsorganisation WHO festgelegte und weltweit einheitliche UV-Index. Je höher er ist, desto höher ist die sogenannte UV-Bestrahlungsstärke und desto schneller kann ungeschützte Haut verbrennen. Ab einem Index von drei ist ein Schutz erforderlich. Der aktuelle Wert für einzelne Regionen kann täglich zum Beispiel auf der Website des BfS abgefragt werden.

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Doch Sonnencreme ist nicht die einzige Möglichkeit, einem Sonnenbrand zu entgehen. Vor allem Textilien, also Hut und Kleidung, schützen vor UV-Strahlung. Wer ganz sichergehen will, orientiert sich am UV-Standard 801. Dieser Standard ist besonders für sonnenempfindliche Menschen gedacht oder solche, die sich viel draußen aufhalten, wie Sportler oder Menschen, die draußen arbeiten.

Hautkrebs – wie geht's nun weiter?
Hautkrebs-Screening beim Arzt: Für Menschen ab 35 ist die Vorsorge alle zwei Jahre kostenlos.© FUNKE Foto Services | Olaf Fuhrmann

„Aber eigentlich bietet jedes normale Hemd einen gewissen Schutz“, so Dermatologe Schadendorf. Nur weiße Kleidung sei etwas durchlässiger. Es gilt: Je fester die Kleidung ist, desto höher der Schutz. Und grundsätzlich gelte: Die Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr meiden. In dieser Zeit ist die UV-Strahlung am höchsten und gefährlichsten.

Mythos Regeneration: Die Haut kann sich von Sonnenschäden erholen

Was Experten immer wieder bemängeln: Viele Menschen verzichten auf zusätzlichen Schutz und wissen nicht, dass Sonnencreme zwar vor Sonnenbrand, nicht jedoch vor Hautkrebs schützt. Die Sonne gibt ultraviolette Strahlung ab, von der ein Teil – vor allem die gefährlichen UV-C-Strahlen – von der Ozonschicht ganz oder teilweise aufgehalten oder abgeschwächt wird. Die übrig gebliebene Strahlung dringt in die Haut ein: die langwellige UV-A-Strahlung tief in die Lederhaut, die kurzwelligere UV-B-Strahlung in die Oberhaut – die Haut bräunt oder rötet.

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Doch die Strahlung bewirkt auch eine Schädigung des Erbguts in den Hautzellen, lange bevor ein Sonnenbrand entsteht. Zunächst kann der Körper die Schäden noch ausbügeln, doch eine häufige und lang anhaltende UV-Bestrahlung überfordert ihn – die Veränderungen im Erbgut, sogenannte Mutationen, bleiben. Die Folgen: Das Risiko für weißen oder schwarzen Hautkrebs steigt. Außerdem lässt eine hohe UV-Belastung die Menschen im wahrsten Sinne alt aussehen. Die Strahlung schädigt das Kollagen im Bindegewebe und verhindert dessen Neubildung. Die Haut verliert ihre Straffheit und Elastizität.

Vorsicht Hautkrebs: Schäden zeigen sich oft erst nach Jahrzehnten

„Es dauert oft Jahrzehnte, bis die Menschen erkranken“, sagt Professor Dirk Schadendorf. Deswegen werden die Zahlen auch in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen. Es sind die Auswirkungen der 1980er- und 90er-Jahre, als man es mit dem Sonnenschutz noch nicht ganz so ernst genommen hat, so der Dermatologe.

Betroffene berichtet: Weißer Hautkrebs – „Ich dachte, das sei ein Pickel“

Dem Hautkrebsreport der Techniker-Krankenkasse von 2019 zufolge, sind die Altersgruppe der 75- bis 79-Jährigen besonders betroffen. Auffällig war jedoch noch eine andere Altersgruppe: die 45- bis 54-jährigen Frauen. Hier war ein deutlicher Anstieg an Diagnosen mit schwarzem Hautkrebs zu erkennen. „Ursachen könnten eine vermehrte Nutzung von Sonnenbänken und häufiges Sonnenbaden in frühen Jahren sein“, so der Dermatologe und Mit-Herausgeber des Reports, Matthias Augustin.

Besonders wichtig ist deshalb die Früherkennung. Dann ist eine schonende Behandlung und in der Regel auch eine Heilung möglich. Doch laut dem TK-Bericht hat zwischen 2015 und 2017 nur jeder fünfte gesetzlich Versicherte ein Hautkrebs-Screening in Anspruch genommen, obwohl sie ab 35 alle zwei Jahre einen kostenlosen Anspruch darauf haben. Manche Krankenkassen wie die TK bieten die kostenfreie Früherkennung bereits für jüngere Versicherte an.

Dieser Artikel wurde aktualisiert. Er erschien erstmals im Mai 2019.