Als Monika Koch ihren späteren Mann Jürgen Brocks kennen lernte, war sie zwölf und er 17. Sie trafen sich in einem Erholungsheim im Teutoburger Wald, während eines Ferienaufenthalts. Seine Familie war aus Kiel angereist, ihre aus Bochum. Die Fotos von damals zeigen Jugendliche beim Karten spielen. Monika ist das einzige Mädchen, ein hübsches Kind mit Kurzhaarschnitt. Jürgen trug Tolle und sah ein bisschen aus wie James Dean.
Nach dem Urlaub schickte er ihr die Fotos und schlug vor, in Briefkontakt zu bleiben. Sie war stolz, einen so großen Brieffreund zu haben. Zwei Jahre schrieben sie einander, dann kam er erstmals zu Besuch.
Fast 40 Jahre sind sie mittlerweile verheiratet und haben beinahe jeden Tag miteinander verbracht. Sie sind zusammen gesegelt, haben nur gemeinsame Freunde und ein Vierteljahrhundert auch am gleichen Arbeitsplatz gearbeitet: Der Feinmechanikermeister Jürgen Brocks besaß ein Unternehmen für Kunststoffverarbeitung. Die Steuergehilfin Monika kümmerte sich um die Buchhaltung der Firma.
Ernsthafte Krisen haben sie bislang nicht erlebt, schwierige Zeiten schon. Zum Beispiel bei der Erziehung des einzigen Sohnes. Sie hatte zwei Fehlgeburten hinter sich und war dem Kind gegenüber sehr nachgiebig. Er wünschte sich mehr Konsequenz. Doch statt sich in Konflikten über unterschiedliche Erziehungsstile aufzureiben, holten sie sich Hilfe bei der Erziehungsberatung.
Was sie eint, ist das Gefühl, zueinander zu gehören. Keiner von beiden hat das je infrage gestellt. Als ihre Tochter im achten Monat tot zur Welt kam, redete Monika Brocks fast jeden Abend darüber, viele Monate lang. "Jürgen hat nie gesagt, jetzt hör endlich auf, es ist genug." Sie wiederum fing ihn auf, als er, der Halbwaise, von seinem Onkel enttäuscht wurde, der sein Kompagnon und Vaterersatz war.
Meinungsverschiedenheiten sind bei den Brocks immer seltener geworden. "Man wird sich mit den Jahren ähnlicher", sagt sie. Ein Leben ohne den Anderen ist für beide nicht vorstellbar. "Wir sind wie zusammengewachsen", sagt Jürgen Brocks. "Der eine ist ohne den anderen nichts", sagt seine Frau.
Der Gedanke, einer von ihnen könnte einmal nicht mehr für den anderen da sein, ist für beide bedrohlich. Monika Brocks hat für den Fall schon vorausgedacht: "Wenn ich vor Jürgen sterbe, soll er sich eine neue Partnerin suchen. Er ist kein Typ, der gut allein sein kann."

