Hennigsdorf

Bombardier-Werk braucht Leiharbeiter

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Nikolaus Doll

Das jahrelange Zittern um den Bestand des Bombardier-Werks in Hennigsdorf (Landkreis Oberhavel) hat ein Ende.

Das jahrelange Zittern um den Bestand des Bombardier-Werks in Hennigsdorf (Landkreis Oberhavel) hat ein Ende. "Drei schmerzhafte Jahre liegen hinter uns, aber 2008 haben wir die Talsohle endgültig durchschritten", sagte Werksleiter Marc Diening. Die Auftragsbücher seien prall gefüllt, die Jobs der rund 1900 Beschäftigten gesichert. Das Werk ist voll ausgelastet. Wir arbeiten bereits mit externen Mitarbeitern zusammen", sagte Diening. Er sieht gute Chancen für Neueinstellungen im größten Werk Europas von Bombardier Transportation, der Schienensparte des Konzerns.

Die Zahl der Bestellungen ist offenbar so groß, dass die Belegschaft in Hennigsdorf bis 2010 alle Hände voll zu tun hat, sie abzuarbeiten. "Das Standortsicherungskonzept gilt weiterhin, aber wir brauchen es derzeit nicht - wir sind überm Berg", sagte Diening.

Der kanadische Bombardier-Konzern, der seine Schienentechniksparte von Berlin aus steuert, profitiert vor allem von einem Großauftrag der Deutschen Bahn. Konzernchef Hartmut Mehdorn will seine Regionalzugflotte grundlegend modernisieren und die vielen verschiedenen Zugtypen durch ein Standardmodell ersetzen, von dem verschiedene Varianten gebaut werden können. Zudem will Mehdorn künftig nicht mehr bei Konsortien bestellen, sondern setzt auf einen Lieferanten pro Zugtyp.

Die Wahl für den Bau der neuen Regionalzugflotte fiel auf Bombardier. Der Konzern, der in Deutschland fünf Produktionsstandorte hat, soll der Deutschen Bahn bis zu 321 Regionalzüge im Wert von 1,2 Mrd. Euro liefern - es ist einer der größten Aufträge für die Schienensparte von Bombardier und der größte für das Werk Hennigsdorf, seit die Kanadier es in den 90er-Jahren von Adtranz übernommen haben. Kommenden Monat wird mit dem Bau der Talent-2-Züge begonnen, im September soll das erste Exemplar vorgestellt werden. Allein die Talent-Züge sichern 30 bis 50 Prozent der Auslastung in Hennigsdorf.

Bombardier baut in dem Werk bei Berlin derzeit auch andere Züge für Bahnbetreiber in aller Welt. Im April sollen die ersten von 13 elektrischen Triebwagen "Regina" für die schwedische Bahn geliefert werden. Ebenfalls aus Hennigsdorf kommen 23 dreiteilige Regionalzüge "Contessa" für die Schweden. Darüber hinaus werden 51 U-Bahnzüge für die Linie 9 der Metro Shanghai sowie 27 U-Bahnen für die Hamburger Hochbahn gebaut.

Noch im vergangenen Jahr ging in Hennigsdorf die Angst vor Stellenabbau um sich. Das Standortsicherungskonzept sah ab 2007 eine Jobgarantie nur dann vor, wenn das Werk eine Auslastung von 70 bis 80 Prozent erreicht. Jahrelang waren in dem Werk Stellen gestrichen worden. Nach der endgültigen Rückübertragung 1992 hatte der damalige Eigentümer AEG zunächst den Erhalt von 3100 Jobs zugesichert. Seit 2001 fielen 1200 Stellen weg.