Düsseldorf - Der Irak-Krieg drückt nach Ansicht des Handels nicht auf das Konsumklima in Deutschland. "Unsere Großhändler konnten noch nicht feststellen, dass sich der Einzelhandel als Abnehmer von Waren zurückhält", sagt Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels. Der Verband rechnet mit einem kurzen Krieg - mit der Folge, dass Extrakosten wie der hohe Ölpreis, zusätzliche Aufwendungen für Transporte oder der starke Euro bald wieder wegfielen.
Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) erwartet eine ähnliche Entwicklung wie beim Golfkrieg 1991: "Es wird wieder diesen CNN-Effekt geben", meint Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. "In den nächsten Tagen sitzen die Menschen gebannt vor dem Fernseher und kaufen nur das nötigste zum täglichen Leben ein. Aber relativ schnell werden verschobene Käufe von Textilien oder ähnlichem nachgeholt." Hamsterkäufe seien nicht zu erwarten. Bei der Metro in Düsseldorf heißt es: "1991 haben sich die Kunden recht vernünftig verhalten. Für detaillierte Prognosen ist es noch zu früh."
Der Handel hofft, von den sinkenden Buchungszahlen bei den Reiseveranstaltern zu profitieren: Wenn die Kunden aus Angst vor Krieg oder Terror weniger verreisen, tun sie sich vielleicht mit dem Kauf eines neuen Fernsehers, eines Computers oder Anzuges etwas Gutes. Ein Teil des zurückgehaltenen Geldes dürfte jedoch bei den Banken landen: "Die Sparquote wird wegen der allgemeinen Verunsicherung weiter steigen", sagt HDE-Geschäftsführer Pellengahr.
Der deutsche Außenhandel sieht keine Bedrohung der Handelsrouten zwischen Asien und Europa, selbst wenn sie nahe am Irak vorbeiführen. "Es gibt genügend Ausweichrouten." Die allerdings trieben die Transportkosten in die Höhe. Und wenn der Suez-Kanal wie 1991 gesperrt werde, müssten die Schiffe den Umweg um das Kap der guten Hoffnung nehmen. Die Fahrzeit verlängere sich um eine Woche. "Wichtige Produkte wie Speicherchips werden aber größtenteils per Flugzeug befördert", sagt ein BGA-Sprecher. Bei Werkzeugen, Spielzeug oder Textilien aus Fernost habe ein längerer Schiffstransport keine dramatischen Folgen.
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