Hunderttausende haben gestern auf Deutschlands Straßen gegen den Krieg protestiert. Und das ist gut so. Die Demokratie, auch die wehrhafte, ist in ihrem Kern pazifistisch; diese Schwäche ist ihre große Stärke. Kein Volk der westlichen Welt - schon gar nicht das amerikanische - ist kriegslüstern. Wer von einer "Kreuzzugsmentalität" spricht, hat nicht genau hingehört. Die Soldaten reden davon, "ihren Job zu tun". Und Präsident Bush hat betont, zu dieser Aufgabe gehöre es, das Leben unschuldiger Zivilisten zu schonen. Auch deshalb übrigens ist der Aufruf der Bundesregierung an beide Seiten, auf den Einsatz von Massenvernichtungswaffen zu verzichten, eine Beleidigung Amerikas.

Das erste Opfer jeden Krieges ist die Wahrheit. Gerade weil die öffentliche Meinung kriegsentscheidend sein kann, betreibt die Exekutive "Informationsmanagement". Dagegen gilt es wachsam zu sein. Doch wie sagte Brecht: "Auch der Hass gegen die Ungerechtigkeit verzerrt die Züge", und auch der Hass gegen den Krieg. Es ist eine Sache, wenn demonstrierende Schüler simplifizierende Parolen brüllen; eine andere, wenn in deutschen Medien von einem "Angriffskrieg ohne UN-Mandat" gesprochen wird und dies von Kirchenleuten, Hilfsorganisationen und Politikern - aus allen Parteien - nachgeplappert wird. Dieser Krieg ist kein Angriffskrieg. Es geht nicht darum, das irakische Volk zu unterwerfen und auszubeuten, sondern es zu befreien und ihm sein Land zurückzugeben. Und was das Mandat betrifft, so bietet Kapitel VII der UN-Charta in Verbindung mit den 17 Resolutionen des Sicherheitsrats die Handhabe, eine Gefahr für Frieden und Sicherheit mit Waffengewalt zu beseitigen.

Hätte die "Koalition der Willigen" eine 18. Resolution vorgelegt, die abgelehnt worden wäre, so sähe die Rechtslage wohl anders aus. Dialektische List der Geschichte: Das angekündigte französische Veto hat Saddams Schicksal besiegelt. Die Bundesregierung erkennt diesen Sachverhalt an, indem sie Hilfestellung (u.a. Überflugrechte, AWACS-Beteiligung) für den Krieg leistet. Gleichzeitig erlaubt sie sich Ausflüge in die antiamerikanische Rhetorik, schürt Ressentiments gegen jene "Dominanz" der USA, die noch heute Garant unserer Freiheit ist - dies alles im Vollgefühl der lang entbehrten Einheit mit dem Volk. Die Einheit wird wieder verwehen, die gefährlichen Geister, die Schröder und Fischer riefen, werden bleiben.