Die Flanke war ein wenig zu kurz und erreichte den Mitspieler nicht. Im Tor landete der Ball trotzdem. Denn Anthony Tieku traf per Kopf, gegen die Laufrichtung seines Torwarts. Die Rede ist aber nicht vom berüchtigten Zweitliga-Spiel FC Erzgebirge Aue gegen Rot-Weiß Oberhausen am 12. Dezember 2004. Nein, dem Ghanaer Tieku ist es schon mal passiert - am 9. Februar 2001 in dem Spiel bei Hannover 96, das der 1. FC Saarbrücken 0:3 verlor. Leiter der Partie war Torsten Koop, einer der Schiedsrichter, die im Zuge des Wett-Skandals um Robert Hoyzer vom Deutschen Fußball-Bund freigestellt wurden.

Geht es schon länger nicht mit rechten Dingen zu in der Zweiten Liga, wo die Quote der Eigentore mit Ausnahme der Saison 2001/2002 seit sieben Jahren über zwei Prozent liegt und im Jahrzehnt davor bei 1,6 Prozent lag? Und gibt es einen Zusammenhang mit der Einführung der Oddset-Wette 1998?

Jedenfalls: Hier steht sie neuerdings, die Fabrik der Eigentore - und Tieku wäre als Wiederholungstäter ein guter Vorarbeiter. Auch wäre eine Lohnerhöhung für alle fällig, 19 Eigentore sind den Zweitliga-Profis in der laufenden Saison schon unterlaufen, mehr als dreimal soviel wie ihren Kollegen in der ersten Bundesliga (6).

Die aktuelle Quote von 2,97 Prozent an der Gesamtzahl der Tore ist unerreicht in der eingleisigen Zweiten Liga. Der Rekord aus dem Jahr 2001, als Tieku das erste Mal für den Gegner traf (24), wackelt bedenklich.

War es immer nur Pech? Die Morgenpost hat im Fall Tieku seinem damaligen Trainer Thomas von Heesen das Video gezeigt. Absicht wollte er seinem früheren Verteidiger nicht unterstellen, aber schlechtes Stellungsspiel in etlichen Szenen der Partie. Wie sein späterer Oberhausener Trainer Aleksandar Ristic wußte von Heesen von regelmäßigen Aussetzern des Abwehrspielers zu berichten, auch im Training. Auf Trainingsspiele wird noch nicht gewettet, auf Zweitliga-Spiele schon, selbst auf relativ bedeutungslose. So ließ Waldhof Mannheim die Saison 1999/2000 ein wenig lustlos ausklingen, verlor die letzten vier Spiele, davon zwei auch durch Eigentore - und Trainer Rapolder setzte am Ende den dritten Torhüter ein, weil "uns die beiden anderen verarscht haben". Näheres wurde nicht bekannt, und vieles blieb folgenlos. Heute wird das wohl anders gesehen.

Folgenreicher waren dagegen die Aussetzer des Edwin Bediako, Tiekus Landsmann bei Alemannia Aachen. Kurz nach seinem ungeschickten Eigentor in Mainz (Schiedsrichter: Jürgen Jansen) und weiterer spielentscheidender Fehler riet Trainer Jörg Berger dem jungen Mann, der als leicht beeinflußbar gilt, zum Vereinswechsel. Er setzte ihn nur noch sporadisch ein, heute spielt Bediako in der Oberliga-Reserve. Gab es eine Ghana-Connection, dann ist sie derzeit lahmgelegt.

Bei den beiden anderen Zweitligisten Eintracht Trier (fünf Eigentore) und Wacker Burghausen (vier) dagegen, wo Spieler aus Kroatien und weiteren Balkanländern dominieren, läuft die Produktion dagegen weiter auf Hochtouren.

Sie wandeln, warum auch immer, auf den Spuren des ersten überführten Betrügers - des Kroaten Vlado Kasalo, der 1991 zweimal gegen seinen 1. FC Nürnberg traf und später für Mainz spielte und gegen seinen FSV zuschlug.

Natürlich, Eigentore passieren. Franz Beckenbauer hat mal zwei in einer Woche produziert - und selbst in seinem Abschiedsspiel 1982 dem Gegner geholfen. Aber das stand damals auf keinem Wettschein.

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