Vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes wird heute in Frankfurt der 16. und letzte Einspruch gegen eine Spielwertung im Zusammenhang mit dem Wett-Skandal verhandelt. Mit der mutmaßlich von Schiedsrichter Dominik Marks manipulierten Zweitliga-Partie Karlsruher SC gegen MSV Duisburg soll die leidige Affäre um Robert Hoyzer vor den Fußballgerichten abgeschlossen werden, auch wenn noch ein Berufungsverfahren wegen des Spiels Ahlen-Burghausen ansteht. Auf dem DFB-Bundestag am 28. April in Mainz soll dann beschlossen werden, daß weitere Einsprüche für die aktuelle Tabelle keine Folgen mehr haben können.

Womöglich wird noch einiges ans Tageslicht kommen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) läßt gewiß nicht grundlos von ihrem potentiellen Vertragspartner, der Firma Betradar, alle Spiele der ersten drei Ligen seit Anfang der Saison 2003/2004 prüfen. Betradar hat 170 legale Wettbüros unter Vertrag und für diese ein internes Alarmsystem installiert. Es lassen sich auch im Nachhinein Auffälligkeiten beobachten.

Dies hat die Firma jetzt im Auftrag der Morgenpost in einem weit kleineren Umfang getan. Schon diese Stichproben ergaben erhebliche Zweifel daran, daß in der zweiten Liga alles mit rechten Dingen zugeht: Sechs Spiele aus der laufenden und drei aus der vergangenen Saison haben zu Kursveränderungen oder gar zur Abschaltung der Partie (Rücknahme vom Angebot) geführt. Shalom MecKenzie, Geschäftsführer des Londoner Wettbüros 10bet, sagte der Morgenpost: "Wir haben mit der Zweiten Liga allein in dieser Saison 1,5 Millionen Euro verloren."

Das Unheil nahm am 12. November 2004 seinen Lauf, als in den Morgenstunden mehr als 20mal 2000 Euro auf einen Sieg von Rot-Weiß Erfurt über Wacker Burghausen gesetzt wurden. Es waren Asian-Handicap-Wetten, bei Remis hätte es das Geld zurückgegeben. Fünf Telefonkunden, die Sonderkonditionen genießen, setzten noch mehr. Eine seltsame Entwicklung, Erfurt stand auf dem 17. Platz, Wacker auf dem 5. Schon um 10:05 Uhr nahm 10bet das Spiel aus dem Angebot. Bei elf weiteren Anbietern fielen die Quoten für Erfurt teils rasant, noch eine Minute vor Anpfiff reduzierte Bet24 von 2,35 auf 1,99 für Heimsieg. Die Partie wurde in der 83. Minute durch ein Kopfball-Eigentor des Kroaten Hrvoje Vukovic entschieden - auch die inhaftierten Hintermänner des Ex-Schiedsrichters Robert Hoyzer sind Kroaten. "Vukovic köpft völlig unbedrängt ins eigene Netz", steht in einem Bericht. Der Sünder verabschiedet sich noch per Handschlag von den Fans, er soll in der Kabine geweint haben. Ob Zufall oder nicht, 10bet verlor über 200 000 Euro. MecKenzie sagt: "Es war eines der schlimmsten Spiele für uns. Sie können sicher sein, daß hier etwas Verdächtiges war."

Am 12. Dezember kam es noch schlimmer für 10bet - und viele andere. Der letzte Spieltag der Zweiten Liga brachte Wettbüros Millionenverluste wegen der Partie Aue gegen Oberhausen (2:0). Fast 30 Wettbüros haben dieses Spiel abgeschaltet, mußten aber angenommene Wetten auszahlen. Auch 10bet. Aber offenbar hatten die Gewinner noch bei einem anderen Spiel Vorahnungen. "Aue gegen Oberhausen wurde oft mit Heimsieg Unterhaching gegen Essen kombiniert", sagt MecKenzie. Andere Wettbüros wie Intertops bestätigen dies. Dabei war Haching nach fünf Niederlagen zuvor Letzter. Schon nach 16 Minuten stand es 3:0 - Saisonrekord. Gegen Schiedsrichter Schößling (Leipzig) liegt weiter nichts vor, außer daß er mal ein Spiel mit Robert Hoyzer in Bielefeld leitete. MecKenzie sagt: "Es war das schlimmste Wochenende in der Geschichte unserer Firma, wir haben über 500 000 Euro verloren."

Noch mehr geschah im deutschen Herbst 2004, was Wettanbieter beunruhigte. Die tschechische Gesellschaft Synottip nahm zwei Partien vom Angebot: Essen gegen Köln (22. Oktober), bereits wegen eines eingestandenen Manipulationsversuchs (Hoyzer will einen Linienrichter beeinflußt haben) untersucht, und Trier gegen Aachen (0:4). Hier verschuldete der Kroate Zoran Mamic zwei Treffer, darunter ein Eigentor. Der Ausgang der Partie, die heute verhandelt wird, überraschte zumindest das russische Büro Fonbet nicht: Acht Minuten vor Anpfiff stürzte der Kurs für Duisburgs Sieg in Karlsruhe von 2,5 auf 1,6.

Turbulenzen gab es zudem bei mindestens drei Spielen der Vorsaison. Am Tag der Partie von Aufstiegsaspirant Oberhausen beim Vorletzten Union avancierte der Gastgeber bei 39 Buchmachern zum Favoriten. Fast hätten sie triumphiert, aber ein eingewechselter RWO-Stürmer schoß in letzter Minute das 2:2. Jeweils einmal abgeschaltet wurden die Partien Oberhausen-Aue (1:4) und Aachen-Fürth (0:0). Schiedsrichter in Aachen war Dominik Marks.