Der Satz, der bei den Recherchen zum Wett-Skandal am häufigsten zu hören ist, lautet: "Schreiben Sie meinen Namen nicht." Der Buchmacher hat Angst um seine Kunden, der arbeitslose Trainer um seinen Ruf, der Spieler vor den Kollegen. Der Wett-Skandal ist auch zwei Monate nach seiner Enthüllung eine heikle Sache, und es gibt wohl noch viele, die etwas wissen - auch in der Regionalliga, deren Auffälligkeiten hier nicht aufgeführt sind. Um so schlimmer ist es, zu sehen, wie sicher die Täter sich fühlen dürfen. Die Staatsanwaltschaft Duisburg, die den Fall Oberhausen behandelt, verwahrt sich gegen jegliche Ermittlung in Richtung Rot-Weiß und wartet schicksalsergeben seit Monaten auf Post aus Österreich - in der irrigen Annahme, daß ein dort verhörter Buchmacher mehr weiß, bloß weil er aufgrund seiner 23jährigen Erfahrung erkannt hat, daß es sich bei fünfmal so hohen und einseitigen Einsätzen um eine Ausnahme handeln muß. So und nicht anders hat es Detlef Train von Intertops gemeint, als er der Morgenpost im Dezember sagte, Aue gegen Oberhausen sei nach seiner Kenntnis das erste verschobene Spiel in Deutschland. Train ist nun Beschuldigter. Dabei wollte er nur darauf aufmerksam machen, was faul ist im Fußballstaate Deutschland. Aber das will wohl keiner hören im Land der nächsten Weltmeisterschaft. Auch die Wettbüros sind Verhinderer. Sie kennen die Namen der Großkunden, von denen sie seit Monaten, wenn nicht Jahren, systematisch ausgenommen werden. Sie wissen, wem sie Gewinne ausbezahlt haben - und könnten die Ermittler auf die richtige Fährte führen. Ihre Buchmacherehre verhindert das. Doch die, die sie ruinieren, haben gar keine Ehre.