Große Koalition

Niemals geliebt und doch erfolgreich - so liest sich eine Bilanz der ersten und bisher einzigen großen Koalition auf Bundesebene. Als Bundeskanzler hatte Kurt Georg Kiesinger (CDU) von 1966 und 1969 die Aufgabe, das umstrittene Bündnis zwischen Union und SPD zusammenzuhalten.

Kalkül

Ein undankbarer Job - schließlich war das schwarz-rote Bündnis allein aus dem damaligen machtpolitischen Kalkül zustande gekommen. Die Union wollte sich der FDP als einflußreicher Mehrheitsbeschafferin entledigen - und auch des glücklosen Kanzlers Ludwig Erhard, Vater des Wirtschaftswunders, der bis Sommer 1966 als Nachfolger Konrad Adenauers einer schwarz-gelben Regierung vorstand. Die SPD wollte nach ihrer Godesberger Selbstreformierung die eigene Regierungsfähigkeit beweisen.

Sachpolitik

Im Rückblick erscheint es um so erstaunlicher, daß nach der "Elefantenhochzeit" statt beidseitiger Wahlpositionierung effektive Sachpolitik gemacht wurde: Ein Konjunkturprogramm ("Konzertierte Aktion") belebte die Wirtschaft und schaffte Vollbeschäftigung, Strafrechts- und Finanzreform wurden beschlossen. Besonders die Zusammenarbeit von Wirtschaftsminister Professor Karl Schiller (SPD) und Finanzminister Franz Josef Strauß (CSU) funktionierte unerwartet gut. Die Journalisten nannten sie nach Wilhelm Buschs berühmtem Hundepaar "Plisch und Plum".

Grundstein

Außenminister und Vizekanzler Willy Brandt (SPD) legte während der Großen Koalition unter Kiesinger den Grundstein für seine spätere Ostpolitik. BM