London - Der britische Thronfolger Prinz Charles hat mit einer Kranzniederlegung am nationalen Kriegerdenkmal im Herzen Londons des Endes des zweiten Weltkrieges vor 60 Jahren gedacht. Hunderte Kriegsveteranen und Zuschauer fanden sich am Sonntag zu der eher bescheidenen Veranstaltung im Regierungsviertel der Hauptstadt ein. Zu dem Gedenken gehörte auch eine Schweigeminute zu Ehren der knapp 300 000 britischer Männer und Frauen, die während des Krieges auf den Schlachtfeldern oder bei Angriffen der deutschen Luftwaffe im Vereinigten Königreich selbst ums Leben gekommen waren. Auf die zentrale Gedenkfeier folgten im ganzen Land Paraden, Gottesdienste, Straßenfeste und Ausstellungen zum Krieg. Zu einem Popkonzert auf dem Trafalgar Square in London wurden am Abend Tausende Menschen erwartet. In Manchester wurden Szenen aus den 40er Jahren nachgespielt, und es gab Stadtführungen in die durch deutsche Luftangriffe zerstörten Stadtteile.
Zahlreiche Veteranen äußerten sich enttäuscht über das bescheidene Ausmaß der kurzen zentralen Gedenkfeier in London. "Wir sind alle enttäuscht darüber, daß die Königin und der Premierminister nicht hier sind", sagte der 83jährige ehemalige Luftwaffenunteroffizier Leonard Hamer und bezeichnete die Veranstaltung als "Nichtigkeit". Ähnlich äußerte sich auch Ex-Pilot Jack Bruce (85): "Wenn wir keine richtigen Gedenkveranstaltungen haben, wird die jüngere Generation niemals verstehen, was wir durchgemacht haben."
Der deutsche Botschafter in London kritisierte, daß Großbritannien immer noch "von der Nazi-Zeit besessen" sei. Der "Sunday Telegraph" sagte Thomas Matussek, die beiden Länder "leben sich auseinander", weil man zu wenig voneinander wisse. dpa


