Das musste erst mal verdaut werden. Mit ernsten Gesichtern traten die prominenten Zuschauer des Eröffnungsfilms "Cold Mountain" Donnerstagnacht gegen 23 Uhr aus dem Kino-Saal des Berlinale-Palasts. Eine Party auf sieben Etagen erwartete sie, doch vom Bürgerkriegsepos auf dufte Stimmung umzuschalten, brauchte seine Zeit.
Christoph Stölzl erklärte sich körperlich unwohl nach so viel Gemetzel - "trotz herrlicher Landschaftsaufnahmen", während Heino Ferch und Kult-Klatschreporter Michael "Baby Schimmerlos" Gräter die Zeit der Vorführung gegenüber im Hyatt-Restaurant Vox verbracht hatten.
Aber, ach, es wurde dann doch recht turbulent, womit das Filmfest da eröffnet wurde. Vadim Glowna und Marie Bäumer exerzierten auf dem Parkett des "Adagio" im Palast zur balkan-poppigen Live-Kapelle diverse Tanzdisziplinen durch, Claudia Schiffer hatte im VIP-Bereich lustig die hohen Schuhe abgestreift und unterhielt sich - man versucht ja nach wie vor einen dieser entzückenden Füße in die Tür zum Filmgeschäft zu bekommen - mit "Cold Mountain"-Regisseur Anthony Minghella . Ihr Streit vom Vorabend mit Faye Dunaway , wer denn nun bei der Goldenen Kamera mit Jack Nicholson auf die Bühne treten dürfe, war übrigens beigelegt. Ein Abspracheproblem, na klar, sei daran schuld gewesen. Ganz ein Herz und eine Seele strahlen die zwei Diven in die Kameraobjektive. Wir können wieder ruhig schlafen.
Sieben Stockwerke voll guter Laune. Fingerfood, gedeckte Tische auf den Galerien, Gedränge auf den Treppen, deutsches Filmvolk, Gwisdek , Ziegler , Tykwer , das sich für das Vergessen abrackerte, dass internationale Prominenz erst in den kommenden Tagen die Berlinale versüßen wird. Gegen ein Uhr bat ein wie immer höflicher aber höchst müder Daniel Brühl die zigste Interviewerin um Verständnis, nun bitte nichts mehr antworten zu müssen, zwei Meter entfernt, Aug' in Aug' mit einem TV-Filmteam, hielt seine Freundin, Schauspielerin Jessica Schwarz , dagegen wacker durch.
Nicht verraten wollte uns Alfred Biolek vor dem Abschied, was er bei sich daheim denn zu seinem traditionellen Kochabend für die Berlinale Jury auf den Tisch zaubern würde. Darüber rede er nicht. Komisch - in seinen Talkshows früher erschien er immer so gesprächig.
Patrick Goldstein

