Ovationen für Barenboims West-Eastern Divan Orchestra

Der Herr Bundespräsident in der Philharmonie. Er erwies dem West-Eastern Divan Orchestra unter seinem Mitbegründer und Chefdirigenten Daniel Barenboim durch seinen Besuch des Konzerts in der Philharmonie seine Anerkennung und wurde dafür mit einem meisterhaften Konzert belohnt.

Der Herr Bundespräsident in der Philharmonie. Er erwies dem West-Eastern Divan Orchestra unter seinem Mitbegründer und Chefdirigenten Daniel Barenboim durch seinen Besuch des Konzerts in der Philharmonie seine Anerkennung und wurde dafür mit einem meisterhaften Konzert belohnt.

Am Ende gab es für Barenboim und seine Musiker aus Israel und den angeblich hassfreudigen arabischen Staaten eine Standing Ovation. Die gibt es nicht alle philharmonischen Tage, noch dazu spontan und durchaus berechtigt. Barenboim und sein Orchester hatten das Publikum buchstäblich über den Haufen gespielt. Zugegeben - das hat auch Tschaikowskys "Pathétique" möglich gemacht. Ihr Sog ist nun einmal unwiderstehlich; und dies umso mehr, wenn ein musikalischer Theatermacher am Pult steht, der jede Stimmungslage, jede Attacke, jeden Überschwang, jede Lebensklage bis auf den Grund auszukosten versteht. Das ist Barenboims Revier.

Natürlich hat Tschaikowskys unerhörte Ausdruckswut auf Gustav Mahler abgefärbt. Er hat damit tief ins 20. Jahrhundert hineingewirkt und hat auch im nachfolgenden keine Altersflecken angesetzt. Tschaikowsky versteht beinahe noch stärker als am ersten Tag zu zünden. Das allein schon bemerkt man mit Freuden. Die Musik hat sich seitdem stark verändert, der ihr lauschende Mensch aber offenbar nicht. Noch immer scheinen ihm die inzwischen auch schon annähernd achtzig Jahre alten "Variationen für Orchester" von Arnold Schönberg wie ein Buch mit sieben grandiosen musikalischen Siegeln.

Furtwängler hat das Werk 1928 in der alten Berliner Philharmonie uraufgeführt. Unter Hitler galt es als entartet. Aber es ist im Grunde alles andere: eine Fortschreibung der Klassizität in formal neuem Gewande: versessen auf neue, bindende kompositorische Regeln, unbeirrbar in einer sendungsbewußten Haltung. Jede Anbiederung an die Herkömmlichkeit lag Schönberg fern. Sein Werk zog mit Entschiedenheit seines Wegs. Die jungen Gäste von fernher warfen sich unter Barenboims anfeuerndem Taktstock in die radikal aufklingende Exegese. Begonnen hatten sie mit einer Süßigkeit aus der genialischen Mozart-Confiserie, selbst wenn der Teig nicht einzig von Mozarts junger Meisterhand gerührt worden sein sollte. Das Manuskript der Sinfonia concertante KV 297b aus frühen Pariser Tagen ist verloren gegangen. Jubel schon hier.

Gtl.