Medienstandort

Berlin und Brandenburg ziehen kreative Köpfe an

Das Filmbusiness mit mehr als 169.000 Beschäftigten in rund 16.000 Unternehmen in der Region gilt längst als Wirtschaftsmotor. Immer mehr Kreative entscheiden sich für den Medienstandort Berlin-Brandenburg.

Foto: ZB / ZB/DPA

Das Bild, das Caspar David Friedrich einst vom armen, in einer schäbigen Dachkammer hausenden Künstler gezeichnet hat, hat nichts an Aktualität verloren. Was sich die Medienregion Berlin-Brandenburg gegenüber Konkurrenten wie München und Köln zunutze gemacht hat. "Dass man in Berlin und Brandenburg deutlich günstiger wohnen, leben und produzieren kann, hat Kreative der gesamten Branche nach Potsdam-Babelsberg und nach Berlin gezogen. Die Hauptstadtregion hat sich zu einem Magneten für kreative Köpfe entwickelt", sagt Stephan Arndt, Mitgründer der X Filme Creative Pool GmbH.

Seit mehr als 15 Jahren lebt der gebürtige Münchener in der Region. Filme wie "Lola rennt", "Good Bye, Lenin" und "Das weiße Band" gehen auf das Konto seiner in Berlin ansässigen Filmproduktionsfirma. Bis zu vier Filme jährlich produziert die "Manufaktur", die sich zudem selbst um den Verleih kümmert. Auch der "Tatort" für den RBB trägt die Handschrift von X Filme. Arndts jüngste Produktion, "Das Leben ist zu lang" mit Dani Levy, flimmert derzeit über die Leinwände. Trotz der Erfolgsliste kämpft das mittelständische Unternehmen Jahr für Jahr ums Überleben. Auf dem Spiel stehen die Jobs von 50 Mitarbeitern. Der 49-Jährige beklagt das mangelnde finanzielle Engagement der Sender. Gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk mache seine Hausaufgaben nicht. Beweise liefert bereits ein Blick ins Nachbarland. "In Frankreich werden 50 Prozent der Produktionskosten für Sendungen übernommen, das Budget für deutsche Filme liegt dagegen bei unter zehn Prozent", kritisiert Arndt. Und das, obwohl die Öffentlich-Rechtlichen über Gebühren finanziert werden. "Eine Quote muss her. Mindestens sieben bis acht Prozent der Budgets der öffentlich-rechtlichen Sender sollten pro Jahr in die Filmförderung fließen", fordert Arndt.

Die X Filme GmbH ist auf Darlehen angewiesen. "Alleine können wir die Filme nicht stemmen", sagt Arndt. Geld von Banken zu leihen ist sein tägliches Geschäft.

Die Investitions-Bank des Landes Brandenburg (ILB) hat mit rund 50 Millionen Euro seit 2006 etwa 100 Filmprojekte in der Region aus einem eigens aufgelegten Programm gefördert. "Damit haben wir auf den Ruf der Branche gehört und greifen auch kleineren Projekten unter die Arme - entgegen der gängigen Darlehenspraxis von Privatbanken", sagt Kristian Kreyes, bei der ILB zuständig für die Bereiche Technologie und Medien. Beim Pilotfilm zur neuen RTL-Krimiserie, die aktuell unter dem Arbeitstitel "Entführt - In fremder Gewalt" ausschließlich in Brandenburg gedreht wird, geht es um ein Darlehen von einer halben Million Euro. Von 4,5 Millionen Euro Darlehen profitiert der von der UFA Cinema produzierte, überwiegend in Thailand gedrehte Film "Dschungelkind". Im Februar soll der auf dem Bestseller von Sabine Kuegler basierende Streifen mit Thomas Kretschmann und Nadja Uhl in den Hauptrollen in die Kinos kommen.

Dass das hauseigene Programm der ILB ankommt, belegt die Statistik: 2,65 Millionen Euro wurden 2006 für acht Projekte vorgestreckt. In diesem Jahr wurden schon 17 Millionen Euro für 29 Projekte ausgegeben. "Wir haben dazugelernt. Meist scheuen sich die Sender, vertraglich festgelegte Produktionsaufträge zu erteilen. Ein Dilemma für die Produzenten, die Investoren akquirieren müssen. Mittlerweile wissen wir jedoch, welche Projekte letztlich umgesetzt werden oder nicht", sagt Kreyes. Elmar Giglinger, der neue Geschäftsführer für Standortmarketing bei der Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH, lobt den Filmstandort Berlin-Brandenburg: "Die Infrastruktur, das kreative Potenzial und die Förderpolitik in Berlin und Brandenburg stimmen." Wenn auch wegen des fehlenden starken Senders in der Region bei der Produktion von Fernsehsendungen München und Köln die Nase vorn hätten, gelte das mitnichten für die Filmproduktionen. 344,6 Millionen Euro hat die von den beiden Ländern gegründete Filmförderanstalt zwischen 1994 und 2010 in 3080 Projekte investiert. 28,9 Millionen Euro legte sie im vorigen Jahr auf den Tisch. Nicht ganz so viel wie das Bundesland Nordrhein-Westfalen, das 35,8 Millionen Euro springen ließ. Dennoch: Das Medienboard Berlin-Brandenburg liegt mit seiner Investitionsbereitschaft bundesweit auf Platz zwei und noch vor den Bayern.

Und das bringt Erfolg: Für Kinofilme aus Brandenburg gab es viermal in Folge einen Oscar. "Inglourious Basterds" (2010), "Der Vorleser" und "Spielzeugland" (beide 2009), "Die Fälscher" (2008) und "Das Leben der Anderen" (2007) - alle zu großen Teilen gedreht in den Babelsberger Filmstudios - brachten Hollywood-Glamour an Spree und Havel.

Mehr noch. Das Filmbusiness mit mehr als 169 000 Beschäftigten in rund 16 000 Unternehmen in der Region gilt längst als kleiner, aber feiner Wirtschaftsmotor. Ein Euro Förderung bringt vier Euro nach Brandenburg und Berlin zurück, weil Hotels, Restaurants, Handwerker, Caterer und das Taxigewerbe entsprechende Aufträge bekommen. Serien wie "Verliebt in Berlin" oder Doku-Specials wie "24 Stunden Berlin" würden zudem als Werbung für den Standort weit mehr bringen als Kampagnen wie "Be Berlin", sind Branchenkenner wie Stephan Arndt überzeugt.

Aber die Konkurrenz schläft nicht. "Die Bayern planen noch immer einen riesigen Studiokomplex", sagt Medienboard-Mann Giglinger. Digitale Inhalte sollen deshalb den Weg in die Zukunft zeigen. "In Brandenburg hergestellte Gameshows, interaktives Fernsehen, 360-Grad-Produktionen und Social Games sind die Wachstumsbranche, auf die wir setzen."