Verleihung der Lola

"Das weiße Band" ist Favorit für Filmpreis

In gleich 13 Kategorien ist der Film "Das weiße Band" für den Deutschen Filmpreis nominiert worden. Die "Lola" wird am 23. April im Berliner Friedrichstadtpalast verliehen. Für Regisseur Michael Haneke zeichnet sich nach Oscar-Nominierung und Goldener Palme in Cannes ein Triumphzug ab.

Einen Oscar hat „Das weiße Band“ bekanntlich nicht bekommen. Ein kleiner Dämpfer für Michael Hanekes Film, der bis dahin einen beispiellosen Siegeszug von Cannes über den Europäischen Filmpreis bis zum Golden Globe führte. Doch wenn am 23. April der Deutsche Filmpreis verliehen wird, wird dies wohl abermals ein Triumph für den in Deutschland gedrehten Film des österreichischen Meisterregisseurs.

Bei den Nominierungen, die am Freitag bekannt gegeben wurden, wurde er 13 Mal genannt – bei insgesamt 17 Kategorien. Als Bester Dokumentar- oder Kinderfilm konnte er naturgemäß nicht gehandelt werden; die Sparte Filmmusik ist somit die einzige, für die er nicht aufgestellt wurde.

Auch die Kanzlerin kommt zur Lola-Verleihung

Schon weit abgeschlagen folgt „Die Fremde“, Feo Aladags provokantes Ehrenmord-Drama, das einer der stärksten Beiträge auf der vergangenen Berlinale darstellte (mit sieben Nominierungen) sowie Hans-Christian Schmids Drama „Sturm“ um einen Kriegsverbrecher-Prozess in Den Haag (sechs Nominierungen), das bereits auf der Berlinale 2009 lief. Die drei Favoriten treten alle in den wichtigsten Kategorien Bester Film, Beste Regie auch direkt gegeneinander an.

Nicht nur die Berlinale wurde in diesem Jahr 60; auch der Deutsche Filmpreis wird es. Kunststück: Das erste Mal wurde der Preis ja auf der ersten Berlinale verliehen. Erst später, als das Festival mit den Bären seine eigenen Preise bekam, wurde die Verleihung des Filmpreises zum separaten Ereignis. Im Jubiläumsjahr wird der mit 2,86 Millionen Euro höchstdotierte Kulturpreis der Bundesrepublik bereits zum siebten Mal von der Deutschen Filmakademie ausgerichtet. Und noch nie hat sich so viel geändert, seitdem die Akademiker das Sagen haben.

Bei der Bekanntgabe der Nominierungen im Berliner Filmhaus zeigten sich gleich drei neue Gesichter der Akademie: Iris Berben und Bruno Ganz lösen Senta Berger und Günter Rohrbach als Präsidenten ab und Filmproduzent Thomas Kufus als Vorstand seinen Kollegen Stefan Arndt. Zum 60. hat man nicht nur eine neue Location gewählt – Friedrichstadtpalast statt Messegelände –, sondern auch einen neuen Fernsehpartner: ARD statt ZDF. Und das Erste schafft es endlich einmal, die Lola-Verleihung noch am selben Abend auszustrahlen, wenn auch nicht live. Erstmals in der Geschichte wird übrigens ein Bundeskanzler, in diesem Fall Kanzlerin Angela Merkel, zur Verleihung kommen.

In diesem Jahr wurden aber auch die Lola-Modalitäten variiert. Statt drei können nun bis zu fünf Kandidaten pro Sparte nominiert werden (in diesem Jahr sind es fast durchweg vier). Und im Dreiphasen-Modell Vornominierung – Nominierung – Verleihung treffen nicht mehr die Einzelsektionen die Vorauswahl (Regisseure also für die Sparte Regie, Schauspieler für ihre Zunft etc.), diesmal wurde eine Vorauswahlkommission aus allen Sektionen zusammengestellt. Lediglich für die Sparten Dokumentar- und Kinderfilm wurden separate Kommissionen einberufen: eigentlich inkonsequent.

Wirkt sich das neue System bei den Nominierungen 2010 aus? Aktuelle Titel wie „Die Friseuse“ von Doris Dörrie oder „Boxhagener Platz“ von Matti Geschonneck fehlen, weil sie noch nicht eingereicht wurden – das kommt dann wohl nächstes Jahr. Til Schweiger hat nach den Querelen um „Keinohrhasen“ seine Fortsetzung „Zweiohrküken“ gar nicht erst eingereicht; auch von hier ist diesmal keine Verstimmung zu erwarten.

Nein, die Filmakademie scheint auch in diesem Jahr wieder ausgewogen sortiert zu haben. Zu bedauern ist, dass kleine, aber feine Werke wie „Lourdes“ und „Friendship“ keine Nominierung ergatterten. Eine eklatante Unterlassungssünde ist allerdings, dass Benjamin Heisenberg atemberaubendes Werk „Der Räuber“ – noch ein Berlinale-Höhepunkt – gerade einmal, für die Beste Kamera, aufgestellt wurde. Wohingegen Flops wie „Hilde“ und „Henri 4“ vier bzw. zwei Nominierungen erhielten.

Christoph Waltz hatte keine Chance

Die größte Aufregungsdebatte freilich wurde schon geführt: als die Modalitäten geändert wurden, was denn ein deutscher Film sei. Der Regisseur oder die Originalsprache des Films muss deutsch sein, ein Produzent ebenfalls und seine Beteiligung nicht kleiner sein als der eines auswärtigen Produktionspartners. Das sind drei von vier Kriterien; früher reichten zwei von drei (Regisseur, Produzent, Sprache deutsch) aus. Titel wie Tom Tykwers „The International“ oder das Tolstoi-Drama „Ein russischer Sommer“ waren damit von Anfang an ausgeschlossen, ebenso wie Polanskis Babelsberg-Werk „Der Ghostwriter“ oder Tom Cruises „Stauffenberg“-Auftritt.

Glücklicherweise wurden weder der Amerikaner John Goodman (für Wortmanns „Päpstin“) noch die Thailänderin Apinya Sakuljaroensuk (für Bucks „Same same but different“) nominiert, was durchaus möglich war. Es wäre kaum zu vermitteln gewesen, wieso Christoph Waltz für „Inglourious Basterds“ oder David Kross für „Der Vorleser“ gar nicht erst in die Vorauswahl kommen konnten.