Was macht die Friedrichstraße eigentlich aus, und wie geht es mit ihr weiter?
Über diese und andere Fragen sprach Philipp Haibach mit Dorothee Stöbe. Sie ist die Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft Friedrichstraße.
Wann werden sich der Norden und der Süden der eleganten Mitte der Friedrichstraße angleichen? Der Norden profitiert bereits vom zentralen Bereich der Straße, wie man es am Spree-Karree schon sieht. Ich denke, in etwa fünf Jahren wird man keinen Unterschied mehr sehen. Der Süden braucht noch ein bisschen länger sicher noch etwa zehn Jahre. Aber Sie tun ja was dafür; die neue Axel-Springer-Passage wirkt sich schon positiv auf den Kreuzberger Teil der Friedrichstraße aus.
Werden immer noch Geschäfte mietfrei vergeben, um dem Leerstand zu entgehen? Nein, das ist vorbei. Alle Ladenlokale sind heute regulär vermietet.
Blicken wir mal von den Geschäften parterre nach oben. Wie sieht es mit dem Leerstand in den oberen Geschossen aus? Die Quartiere 205 und 206 sind, soweit ich weiß, restlos vermietet. Aber es gibt natürlich in einigen Abschnitten noch Leerstand. Auch Berlin konnte mit der plötzlich einsetzenden wirtschaftlichen Rezession nicht rechnen. Frankfurt und München stehen vor einer ähnlichen Situation, was die Vermietung von Büroräumen anbelangt.
Werden nach Büroschluss noch immer die Bürgersteige der Friedrichstraße hochgeklappt? Wir beobachten, dass der Friedrichstadtpalast, das Berliner Ensemble, Fitnessstudios oder Lokale wie das "Bocca die Bacco" immer mehr Menschen auch abends und nachts auf die Friedrichstraße locken. Und sie ist ja kein Solitär, sie hat ja ein lebendiges Umfeld. Natürlich belebt etwa der Gendarmenmarkt auch die Friedrichstraße.
Wer frequentiert die Friedrichstraße? Tagsüber prägen selbstverständlich die Menschen aus den Büros das Straßenbild. Am Ende der Woche immer mehr Touristen, aber auch viele Berliner. Ich denke da gerade an die Bundesbediensteten.
Die ewige Berliner Frage: Was sind die markanten Unterschiede zum Kudamm? Die Friedrichstraße hat eine andere Struktur: komprimierter, kürzere Wege und ein exponiertes Angebot im hochwertigem Bereich. Vom Anzug über Schuhe bis zum Füllfederhalter.
...und der Abschnitt zwischen Unter den Linden und dem Stadtbahnhof? Dort wird der tägliche Bedarf mit Donuts, Zahnbürsten und so weiter befriedigt. Aber, wie gesagt: Luxus-Geschäfte wie "Hermès" oder bald "Max Mara" - das sind die Geschäfte mit Umsatzsteigerungen.
Gibt es ein je anderes Flair in Ost und West? Wenn Sie vom Kudamm zwischen dem Restaurant "Bovril" und der Fasanenstraße sprechen, sind wir uns schon sehr ähnlich - nur dass wir auf der Friedrichstraße nicht so viele Bäume haben.

