Zerfall

Nächste Runde im Streit um Pamukkale-Brunnen

Während sich Bezirk und Bildhauer im Streit um mögliche Schadenersatzansprüche von Instanz zu Instanz hangeln, bröselt das Gestein des Pamukkale-Brunnens im Görlitzer Park.

Während sich Bezirk und Bildhauer im Streit um mögliche Schadenersatzansprüche von Instanz zu Instanz hangeln, bröselt das Gestein des Pamukkale-Brunnens im Görlitzer Park. Seit Jahren fordert der Bezirk von Bildhauer Wigand Witting einen Geldbetrag in Millionenhöhe, um die nach Bezirks-Auffassung notwendigen Nachbesserungen an der Brunnenanlage durchführen zu können. Doch bisher ohne Erfolg.

Am 8. Mai geht der Streit nun in die nächste Instanz. Bildhauer Witting hatte gegen das vom Landgericht 2004 ausgesprochene Urteil auf Zahlung von mehr als einer Million Euro an den Bezirk Berufung eingelegt. Denn nicht er sei für die vermeintlichen Schäden an dem Brunnen, der den weltberühmten Sinterterrassen im türkischen Pamukkale nachempfunden ist, verantwortlich, sondern der Bezirk. Denn die vom Amt mit dem Bau der Anlage beauftragten Baufirmen hätten gepfuscht. Dies konnte jedoch ein vom Gericht eigens eingeschalteter Gutachter nicht bestätigen.

Nun beschäftigen sich auf Drängen von Witting Richter des Berliner Kammergerichtes erneut mit der anhaltenden Trockenheit im Pamukkale-Brunnen. "Der seit 1999 andauernde Streit hat bisher keinen einzigen Tropfen Wasser in das Brunnenbecken gebracht", sagt der Berliner Architekt Bernhard Strecker von der Initiative Pamukkale. Die für mehr als 1,5 Millionen Euro gebaute Brunnenanlage sprudelte lediglich 1998 wenige Wochen. Dann stellte man sie wegen der Winterpause ab. Im folgenden Frühjahr wurden jedoch erhebliche Schäden festgestellt. "Diese sind durch eine falsche Montage der Natursteine an den Wasserbecken entstanden" sagt Architekt Strecker. Inzwischen könne keiner mehr unterscheiden, welche die gewollten Spuren der Vergänglichkeit und welche die von Frost und Vandalismus sind.

Die von Anwohnern gegründete Initiative Pamukkale-Brunnen hat dem Bezirk indes mehrfach Vorschläge für eine erneute Inbetriebnahme unterbreitet. "Wir wollten einen Runden Tisch initiieren", sagt Strecker. Doch das hatte beim Bezirk wenig Anklang gefunden.

Demnach sollte mit Veranstaltungen nicht nur das Areal wieder belebt werden, sondern auch durch Spendenaktionen ein Teil des notwendigen Geldes für den dauerhaften Betrieb des Brunnen eingespielt werden.

Zudem empfinden viele Besucher der Grünanlage das Brunnenensemble als "Eingangstor" zu dem lang gestreckten Park im legendären Kreuzberger Kiez SO 36. "Statt sinnlos das Geld für langwierige Prozesse vor den Gerichten auszugeben, hätte der Brunnen schon längst repariert werden können", sagt Andreas Bernd. Seine tägliche Joggingstrecke zieht sich durch den Park. Und immer, wenn er am "Pamukkale" vorbei läuft, werde er sauer auf den Bezirk. "Leidtragende sind doch die Anwohner, für die sich die Aufenthaltsqualität in dem Park nicht verbessert", sagt er.

1865 wurde der Görlitzer Bahnhof gebaut. Um das sehr weitläufige Areal queren zu können, wurde damals ein Fußgängertunnel zwischen dem Ende der Liegnitzer Straße und der Oppelner Straße gebaut, der im Volksmund bald als "Harnröhre" einen bezeichnenden Namen erhielt. 1866 fuhr vom Görlitzer Bahnhof der erste Zug ab; im April 1951 wurde der letzte Vorortzug nach Königs Wusterhausen abgefertigt. Bis zum 12. August 1961 gab es auf dem 14 Hektar großen Areal noch Güterverkehr, der dann am 13. August 1961 durch den Bau der Berliner Mauer unterbrochen wurde. Das Gelände des Bahnhofs wurde in den 1990-ern in einen Park verwandelt. Heute zählt der Görlitzer Park zu den großen Parks und Naherholungsgebieten in Kreuzberg. Ein Kinderbauernhof sowie verschiedene Sportanlagen werden von den Anwohnern stark genutzt. Aber auch die großzügigen Freiflächen bieten vor allem bei schönem Sommerwetter Platz für spontane Grillpartys und auch Open-Air-Veranstaltungen.