Sicherheit

Am Pamukkale-Brunnen droht Lebensgefahr

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Sabine Flatau

Foto: Sven Lambert

Nach nur wenigen Wochen musste der Pamukkale-Brunnen im Görlitzer Park wieder abgeschaltet werden. Offenbar wurde ein Stein verbaut, der nicht witterungsbeständig ist. Ein Rechtstreit zwischen Bezirks und Künstler läuft. Nun soll der Brunnen gänzlich abgeriegelt werden und wird wohl in absehbarer Zeit verfallen. Dagegen protestieren Anwohner.

Vom verfallenden Pamukkale-Brunnen im Görlitzer Park geht Gefahr für Leib und Leben aus. Er muss deshalb besser als bisher abgesperrt werden, damit Kinder dort nicht spielen und klettern. Zu diesem Ergebnis kommt ein neues Gutachten, das das Kammergericht Berlin in Auftrag gegeben hat. Es bestätigt, dass der Brunnen aus Steinen gebaut wurde, die nicht verwitterungsbeständig sind - entgegen der vertraglichen Vereinbarung.

Das Schriftstück ist die aktuelle Fortsetzung des langjährigen Rechtsstreits zwischen dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und dem Bildhauer Wigand Witting. Er entwarf die Anlage aus Naturstein, die 1998 fertig gestellt wurde. Sie ist den berühmten türkischen Kalksteinterrassen bei Pamukkale nachempfunden.

Doch der Brunnen im Görlitzer Park sprudelte nur wenige Wochen. Dann wurden Schäden festgestellt, das Wasser abgedreht. Das Landgericht und schließlich das Kammergericht beschäftigten sich mit dem Thema, mehrere Gutachten wurden erstellt. Vor mehr als vier Jahren verurteilte das Gericht den Künstler, Schadenersatz zu zahlen. Umgerechnet 1,9 Millionen Euro investierte der Bezirk in den Bau des Brunnens. Als Schadenersatz fordert er 850.000 Euro von Wigand Witting. Der zweifelte ein früheres Gutachten an, sodass im vergangenen Jahr ein neues in Auftrag gegeben wurde.

Für den 21. November ist die nächste mündliche Verhandlung beim Kammergericht Berlin angesetzt. Im Bezirksamt zweifelt man, ob es zu einer Einigung mit dem Künstler kommt und ob er bereit sein wird, Schadenersatz zu zahlen. Während der Rechtsstreit andauert, zerbröckelt der Brunnen zusehends. Heute gleicht er einem Trümmerfeld. Doch Vandalismus ist nicht die Ursache. "Der Verfall kommt durch Wind, Wasser und Frost zustande", sagt Adalbert-Maria Klees, technischer Leiter des Fachbereichs Naturschutz und Grünflächen. Bis vor kurzem war noch der Mittelteil begehbar. Als Konsequenz aus dem jüngsten Gutachten hat das Bezirksamt den Pamukkale-Brunnen komplett mit Bauzäunen abgeriegelt. Dahinter ist die Natur weiter am Werk.

"Einfach abreißen und neu bauen geht nicht"

Der Zerfall werde schnell voranschreiten, in einigen Jahren nichts mehr vom künstlerischen Konzept der Brunnenanlage übrig sein, sagt der Gutachter voraus. Bei einem derart hohen Verwitterungsgrad sei das Gestein nicht mehr verwendbar und sollte eigentlich auf einer Bauschuttdeponie entsorgt werden. Sämtliche steinerne Anlagen seien zu erneuern und durch einen anderen Naturstein zu ersetzen, der zweifelsfrei frostbeständig ist und mehrere Jahrzehnte verwitterungsbeständig.

Anwohner wollen die Situation nicht hinnehmen. Die Initiative Pamukkale lädt am 30. August, genau zehn Jahre nach der Eröffnungsfeier, zu einem Fest am Brunnen ein, zu einer Art Jubiläumsfeier. "Unser Ziel ist, die Öffentlichkeit auf den Zustand des Brunnens aufmerksam zu machen", sagt Rainer Voss. Er wohnt seit langem an der Wiener Straße und hat den Verfall der Anlage bis heute beobachtet. "Der Zaun muss weg, eine Zwischenlösung muss her", sagt Voss. "Und dann muss man über den Wiederaufbau, vielleicht in veränderter Form, diskutieren."

"Es gibt seit Jahren keine Perspektive für den Brunnen", kritisiert auch Anwohner Ahmet Iyidirli. "Nun muss endlich eine Lösung gefunden werden." Doch einfach abreißen und neu bauen geht nicht. Zum einen wegen der Finanzierung, zum anderen, weil die Urheberrechte der Brunnenanlage beim Bildhauer liegen. Der von ihm beauftragte Rechtsanwalt war für Nachfragen nicht erreichbar.