Görlitzer Park

Gericht fordert Konzept für Pamukkale-Brunnen

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Steffen Pletl

Foto: emh / usage worldwide, Verwendung weltweit

Das Berliner Kammergericht hat in der Auseinandersetzung um die Inbetriebnahme des Pamukkale-Brunnens im Görlitzer Park ein salomonisches Urteil gefällt.

Das Berliner Kammergericht hat gestern in der Auseinandersetzung um die Inbetriebnahme des Pamukkale-Brunnens im Görlitzer Park ein salomonisches Urteil gefällt. Binnen sechs Wochen, so das Gericht, sollen die streitenden Parteien dafür ein Konzept entwickeln und vorlegen. Seit neun Jahren sprudeln die Wasserspiele nicht mehr. Hintergrund ist ein Streit zwischen dem Bezirksamt und dem Bildhauer Wigand Witting um Mängel bei einem Instandsetzungsversuch am Brunnen. Während vom Bezirksamt gestern keine Stellungsnahme zum Spruch des Gerichts zu erhalten war, freute sich die Gegenseite: "Endlich haben wir eine Plattform, auf der wir in der Sache verhandeln können und nicht allein über juristisch unterschiedliche Auffassungen", sagt Rechtsanwalt Ioannis Lazos von der Kanzlei Michel und Partner, die den Bildhauer vertritt.

Seit Jahren prozessieren Bezirk und Bildhauer gegeneinander. Während der Bezirk dem Bildhauer vorwirft, für den Bau des Brunnen falsches Material verwendet zu haben, weist der Bildhauer dem Amt die Fehler zu. Die vom Bezirk für den Bau eingesetzten Firmen hätten nicht korrekt gearbeitet. Der bereits 1999 begonnene Streit um Schadenersatz hat weder Geld in die Kasse des Bezirkes noch einen einzigen Tropfen Wasser auf die Brunnenanlage gebracht. "Ohne viel Aufwand könnte jetzt ein Teil der Anlage in Betrieb genommen werden", sagt der Bildhauer Wigand Witting.

Der nach dem Vorbild der Kalkstein-Terrassen im türkischen Pamukkale geformte und für mehr als 1,5 Millionen Euro gebaute Brunnen sprudelte 1998 nur wenige Wochen. Dann stellte man ihn wegen der Winterpause ab. Im folgenden Frühjahr wurden jedoch erhebliche Schäden festgestellt. Der portugiesische Kalkstein hatte dem Frost nicht standgehalten. Der Bezirk wies die Schuld dafür dem Bildhauer Witting zu: Er habe wissen müssen, dass der Kalkstein ungeeignet sei.

Unterdessen hat die von Anwohnern gegründete Initiative Pamukkale-Brunnen dem Bezirk mehrfach Vorschläge für eine erneute Inbetriebnahme unterbreitet. "Wir wollten einen runden Tisch initiieren", sagt Architekt Bernhard Strecker. Doch das fand beim Bezirk wenig Anklang. "Wenn dort Wasser sprudelt, wird es auf der Anlage auch keinen Vandalismus geben", sagt der Bildhauer. Durch Veranstaltungen sollen nicht nur das Areal wieder belebt, sondern auch durch Spendenaktionen ein Teil des notwendigen Geldes für den dauerhaften Betrieb des Brunnen eingespielt werden. Für viele Besucher des Parks ist die Brunnenanlage zugleich das Eingangstor zum lang gestreckten Grünzug im Kreuzberger Kiez.

Gutachten für 35 000 Euro

"Statt sinnlos das Geld für langwierige Prozess vor den Gerichten auszugeben, hätte schon längst der Brunnen repariert werden können", sagt Strecker. Immerhin hatte der Bezirk für ein Gutachten mehr als 35 000 Euro ausgegeben, um das Gericht von der unterstellten Schuld des Bildhauers an der Verwitterung des Gesteins zu überzeugen.

Nach 1990 wurde das einstige Bahnhofsareal in einen Park verwandelt. Heute zählt die Grünanlage zu den großen Naherholungsgebieten in Kreuzberg. Ein Kinderbauernhof sowie Sportanlagen und Freiflächen bieten im Sommer Platz für spontane Grillpartys. Auch Open-Air-Veranstaltungen werden dort regelmäßig durchgeführt.