Museum für Technik muss auf Millionen warten

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Markus Falkner

Foto: DTMB / Carsten Bruns

Die Ausbaupläne des Deutschen Technikmuseums liegen auf Eis. Bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode wird der Senat das ehrgeizige Projekt nach derzeitigem Stand nicht angehen, wie Torsten Wöhlert, Sprecher der Kulturverwaltung, bestätigt.

Die Ausbaupläne des Deutschen Technikmuseums liegen auf Eis. Bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode wird der Senat das ehrgeizige Projekt nach derzeitigem Stand nicht angehen, wie Torsten Wöhlert, Sprecher der Kulturverwaltung, bestätigt. Somit kann frühestens 2012 mit der konkreten Planung und Realisierung des sogenannten "Technoversums" begonnen werden, das auf dem Areal des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs in Kreuzberg als neues Hauptgebäude für das Museum entstehen soll. Hauptgrund: Angesichts zahlreicher kultureller "Baustellen" - etwa Staatsoper und Märkisches Museum - fehlt dem Land das Geld für das auf 68 Millionen Euro Kosten kalkulierte Projekt.

Zudem, so berichten Insider, seien einige Parlamentarier immer noch vergrätzt über die außerplanmäßige Finanzspritze, die das Technikmuseum Anfang 2007 erhielt; für 5,5 Millionen Euro kaufte das Land damals das Grundstück für den Neubau, nachdem ein privater britischer Mäzen zuvor kurzfristig abgesprungen war. Oppositionspolitiker beklagten damals die "Verschwendung von Steuermitteln".

Feilen am Konzept

Museumschef Dirk Böndel geht davon aus, dass seine Pläne für das "Museum der Zukunft" trotzdem innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre realisiert werden. Die Verzögerung will er nutzen, um das inhaltliche Konzept weiter auszuarbeiten und vor allem finanzkräftige Sponsoren aus Wirtschaft und Industrie zu gewinnen. Böndel geht davon aus, dass das Museum auch nach 2011 mindestens die Hälfte der Gesamtkosten aus Drittmitteln finanzieren muss. In ersten Gesprächen hätten mögliche Geldgeber bereits Interesse an dem neuartigen Museumskonzept gezeigt, so der Direktor. Denkbar sei aus seiner Sicht auch eine Mischfinanzierung aus Landes- EU-, Lotto- und Sponsorenmitteln. Vor allem das inhaltliche Konzept soll dazu beitragen, dass Hightech-Unternehmen sich an dem Projekt beteiligen, um ihre Innovationen der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Mit dem "Technoversum" will das größte Berliner Landesmuseum neue Wege in der Vermittlung und Präsentation musealer Inhalte gehen. Statt den Blick anhand historischer Exponate vor allem in die Vergangenheit zu richten, sollen in sechs Foren die Beziehungen zwischen Mensch und Technik unter aktuellen Gesichtspunkten beleuchtet werden. Gegenwärtige und zukünftige Konzepte - etwa der Energietechnik, Kommunikation oder Mobilität - sollen im Mittelpunkt stehen. Einen Vorgeschmack auf die neue Ausrichtung des Museums bietet seit dem Wochenende schon die Sonderausstellung "Neustart" über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Automobilität.

Doppelte Ausstellungsfläche

Sonderausstellungsflächen sollen künftig zudem die Möglichkeit für große zeitlich begrenzte Themenpräsentationen schaffen. Insgesamt würde das Museum seine Ausstellungsfläche mit dem "Technoversum" auf 50 000 Quadratmeter vergrößern. Geplant ist ein Gebäudeensemble mit dem denkmalgeschützten östlichen Kopfbau, derzeit Domizil des Science Centers "Spektrum", einem neu errichteten westlichen Kopfbau mit einer Brückenverbindung zum derzeitigen Museum sowie den eigentlichen Ausstellungsflächen auf dem Gelände der historischen Ladestraße. Die architektonische Gestaltung ist noch offen und soll nach Vorstellungen des Museums in einem Wettbewerb erarbeitet werden.

Bis der Senat über ein mögliches Finanzierungsmodell entscheidet, will Museumschef Böndel weiterhin mit zukunftsgewandten Sonderausstellungen den inhaltlichen Boden für den Ausbau bereiten. Geplant ist, jährlich mindestens ein großes Projekt zu realisieren.